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comdirect Fintech-Studie: Fintechs werden erwachsen

Arno Walter (AWalter)

Es ist schon interessant, wie man aus denselben Fakten zu zwei gegensätzlichen Schlussfolgerungen kommen kann. So geschehen jüngst bei der Veröffentlichung der aktuellen comdirect Fintech-Studie. Die einen sehen in den Zahlen eine Abschwächung der Fintech-Szene in Deutschland. Die anderen sehen hingegen ein erneutes Rekordjahr bei Fintechs und eine Fortsetzung der allgemeinen Euphorie um die "jungen Wilden" aus der Finanztechnologie. Was stimmt denn nun?

 

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Beide Aussagen sind richtig. Aber der Reihe nach. Lassen Sie uns erst einmal auf die Zahlen schauen.

 

Weniger Fintech-Gründungen als in den Vorjahren

 

Aktuell gibt es 699 Fintechs in Deutschland. Das ist ein Plus von 32 Prozent gegenüber 2015. Allerdings nimmt die Gründungsdynamik seit zwei Jahren spürbar ab. Wurden 2015 noch 170 neue Fintechs gegründet, waren es ein Jahr später „nur“ noch 141.

 

171002_comdirect_FinTech-Profil_v2.jpgÜberblick: Fintech in DeutschlandIn diesem Jahr liegt die Zahl der Gründungen zum Ende des dritten Quartals gerade einmal bei 30. So richtig aussagekräftig ist diese Zahl zwar noch nicht, da viele Start-ups aus Angst vor Nachahmern sehr spät an die Öffentlichkeit gehen. Eine finale Bewertung ist daher erst im kommenden Jahr möglich. Aber die Zahl zeigt dennoch eine Tendenz auf: Im vergangenen Jahr gab es zum selben Zeitpunkt bereits 49 Gründungen.

 

Das Wachstum der Fintech-Szene verliert also deutlich an Fahrt, zumindest was die Zahl der Gründungen angeht.

 

Neues Rekordjahr beim Wagniskapital für Fintechs

 

Völlig anders stellt sich die Situation beim Blick auf das Wagniskapital dar. Nach den Boom-Jahren 2015 und 2016 stehen wir hier vor einem neuen Rekordjahr, wie die comdirect Fintech-Studie zeigt. So liegen die Venture-Capital-Investitionen in den ersten drei Quartalen diesen Jahres mit 579 Millionen Euro fast auf dem Niveau des gesamten Vorjahres (624 Mio. Euro) und sogar 30 Prozent höher als im Gesamtjahr 2015.

 

„Wo, bitteschön, lässt da irgendwas nach???“, fragt daher der Journalist Heinz-Roger Dohms angesichts dieser Zahlen.

 

Fazit: Die Fintech-Szene wird erwachsen

 

Die Wahrheit findet sich wie so oft in der Mitte. Ja, die Zahl der Gründungen geht zurück. Gleichzeitig sammeln die Jungunternehmen in diesem Jahr voraussichtlich so viel Wagniskapital ein wie noch nie. Das zeigt: Die Fintech-Szene in Deutschland wird erwachsen.

 

Die Start-ups, die die erste Sturmphase überstanden haben, werden nach und nach zu etablierten Playern im Markt für Finanzdienstleistungen. Fintechs engagieren sich im Bankenverband, gehen an die Börse und übernehmen sogar andere Fintechs, wie jüngst geschehen bei Savedo und Deposit Solutions. Dabei suchen fast alle Fintechs die Nähe zu den Banken. Und – sie ziehen damit letztlich auch das Geld der Investoren an.

 

Die Zeit der „vielen neuen jungen Wilden“ mit dem Ausprobieren unterschiedlichster Ideen mag damit vielleicht vorbei sein. Aber: Die Fintech-Szene in Deutschland steht nach wie vor erst am Anfang. Nachdem sich der anfängliche Hype gelegt hat, geht es jetzt um nachhaltige Geschäftsmodelle. Dafür müssen die Fintechs nun zeigen, dass sie dauerhaft einen echten Kundennutzen stiften können und damit auch wirtschaftlich erfolgreich sind.

 

Ich bin da weiter sehr gespannt und werde mir das genau anschauen.

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