10.03.2026 12:42 - bearbeitet 10.03.2026 12:57
Im Gold-Thread fiel mir mal wieder auf, wie subjektiv und von persönlichen Neigungen durchsetzt dieses Thema behandelt wird.
Da kann man schöne Artikel in der BUNTEN machen, aber für uns kühle Rechner ist doch das olle, abgedroschene Beispiel des „Maßanzugs der immer 1 Goldstück kostet“ ein bisschen wenig.
Eine gute Zeit, in der der physische Wert des Goldes mit der Landeswährung korrelierte und zusätzlich gute Aufzeichnungen für den Preis verschiedener Konsum- und Investitionsgüter existieren, ist das gute, alte friderizianisches Zeitalter in Preußen, also Mitte des 18. Jahrhunderts.
1 Friedrich d’or war eine Goldmünze von ca. 6,6 g Gewicht und 6 g Goldgehalt. Ihr Zahlungswert war 5 Taler.
Nachfolgend nun eine Tabelle, mit ungefähren Preisen der damaligen Zeit, Umwandlung in Gold und Vergleich zum heutigen Goldpreis unter KI-Zuhilfenahme.
Da 2026 ja nun ein Gold überhitztes Jahr ist, habe ich, sehr subjektiv, 2015 als Vergleich herangezogen, hilft vielleicht für einen „ehrlicheren“ Vergleich:
| Je Gramm: | 33,76 € | 142,67 € | ||
| Taler | Gramm Gold im 18 Jhd. | Wert 2015 | Wert heute | |
| 1 kg Brot | 0,1 | 0,12 | 4,05 € | 17,12 € |
| 1 kg Tabak | 1 | 1,20 | 41 € | 171 € |
| 1 Pferd | 25 | 30,00 | 1.000 € | 4.300 € |
| 10 Männer beim ordentlichen Gelage im ortsüblichen Wirtshaus mit mehreren Bier, Fleischspeisen und Brot | 3,3 | 3,96 | 130 € | 560 € |
| Obligatorisch: 1 Maßgeschneiderter Herrenanzug mit Rock, Weste, Hose aus gewalktem Wolltuch (von-bis) | 15 | 18,0 | 610 € | 2.570 € |
| 25 | 30,0 | 1.010 € | 4.280 € | |
| Baukosten eines mehrgeschossigen Mietshauses (von-bis) | 3000 | 3600 | 122.000 € | 514.000 € |
| 6000 | 7200 | 243.000 € | 1.027.000 € | |
| 2 Wochen Sommerfrische für 1 Familie im Seebad Heiligendamm mit Kutschfahrt von Berlin (von-bis) | 30 | 36 | 1.200 € | 5.100 € |
| 60 | 72 | 2.400 € | 10.300 € | |
| Europareise von John und Harriet Carr, 18. Jhd, UK, Paris, Genf, Florenz, Rom, Neapel, Venedig, Wien inkl Diener, Kutschen, Kunstkäufen, Gesellschaften, ca. 2 Jahre | £3.000 | 21.900 | 739.000 € | 3.124.000 € |
| Monatslohn: | ||||
| Tischler (von-bis) | 10 | 12 | 400 € | 1.700 € |
| 15 | 18 | 600 € | 2.600 € | |
| Verwaltungsbeamter (von-bis) | 17 | 20 | 700 € | 2.900 € |
| 33 | 40 | 1.300 € | 5.600 € | |
| Mittlerer Offizier (von-bis) | 25 | 30 | 1.000 € | 4.300 € |
| 50 | 60 | 2.000 € | 8.600 € |
Was sagt diese Tabelle aus? Auch wenn vor 300 Jahren alle Konsumgüter stärker lohnbasiert waren, stimmen die Vergleichswerte zu heute erstaunlich genau.
Und eine preußische Schuldverschreibung von 1.000 Talern oder ein Genussschein der königlich preußischen Baumwoll- und Kattunfabrik hätten heute höchstens geschichtlichen Wert, aber 1,2 kg Gold in Friedrich d’or wären ein nettes Vermächtnis.
Weitere Berechnungen schöner, wertbeständiger (oder auch nicht) Assets folgen vielleicht später.
Mögen unsere Taler auch wandern, der Wert bleibt bestehen.
hx.
am 10.03.2026 19:42
Sehr originelle Idee, @haxo, aber mich lässt dein Artikel irgendwie ratlos zurück ... was will uns der Dichter damit sagen?!?
Grüße,
Andreas
am 11.03.2026 07:36
Finde den Artikel auch nett zu lesen und warte auf die Oldtimer...
Vielleicht verstehe ich es dann besser 😅
am 11.03.2026 09:22
@Antonia schrieb:Finde den Artikel auch nett zu lesen und warte auf die Oldtimer...
Na gut, Du wolltest es ja so! 😝
Als Oldtimer nehme ich für mich mit dass ein Maßanzug ein Maßanzug ist und bleibt und ich in hundert Jahren mit 5 g Gold, heute gebunkert, ebenfalls nur einen Maßanzug kaufen kann.
Langfristig taugt das edle Metall nicht als Vermehrung des Vermögens. Sehr wohl aber dem Erhalt der Kaufkraft.
gruss ae
11.03.2026 16:30 - bearbeitet 11.03.2026 17:14
11.03.2026 16:30 - bearbeitet 11.03.2026 17:14
Na, @digitus , @Antonia , dann muss der Dichter wohl noch 'ne Schippe dichter deutlicher werden:
Grundaussage ist die, dass auch 300 Jahre alte, gerade so vergleichbare Konsumtionen (Mietshaus, Reisen, kräftiges Essen), die damals in der goldgestützten Währung "Taler" (=1,2 g Gold) war, auch heute noch grob mit den ähnlichen Konsum-Einheiten vergleichbar sind.
Die €-Angaben sind die heutigen Gold-Preise dessen, was man 1750 für die entsprechende Ausgabe bezahlen müsste.
Und der Witz ist: Eine ähnliche Konsum-Einheit heute ist von diesem Preis nicht allzu weit entfernt.
Kleine Ausnahme: Besser für diesen Vergleich wäre der Goldpreis von 2015, weil 2026 extrem überhitzt ist. Das verfälscht die Aussage.
Logisch, ein Netflix Jahres-Abo oder einen G 63 AMG kann man nicht vergleichen, aber das Asset Gold ist ungefähr stabil geblieben und vor allem: Es ist noch da!
Aus der Friderizianischen Zeit hätte man sonst nichts rüberretten können (außer Ländereien, aber dazu musste man erstmal richtig reich sein), was seinen Wert behält.
Das besagt natürlich nichts über die Eigenschaft als "Krisenwährung", oder eben nicht, aber als perfektes Wertaufbewahrungsmittel, übrigens eine der ->Geldfunktionen und der 100-Euro-Schein hat sie m.E. nicht.
Ich hoffe, gänzlich unironisch, dass der Beitrag damit deutlicher geworden ist.
hx.
Edit: Besonders stolz bin ich auf das Beispiel der Europareise von John und Harriet Carr, 1791, die sogenannte "Grand Tour", UK, Paris, Genf, Florenz, Rom, Neapel, Venedig, Wien inkl Diener, Kutschen, Kunstkäufen, Gesellschaften, ca. 2 Jahre:
Kosten damals 22 kg Gold, heute 730.000 (2015) bis 3,2 Mio (2026). Eine Luxus -Weltreise in einer Jacht mit X Angestellten wäre heute ähnlich teuer.
am 11.03.2026 18:34
Das Gold ist noch da und wird in Dausend Jahren auch noch da sein.
Aber was hat es in der Zwischenzeit bewirkt?
NIX, außer das man in den Talern baden kann😁
am 11.03.2026 19:51
Okay. Das wird jetzt langsam der Plattitüden-Thread 😝.
Dann werfe ich doch mal die KI meines Vertrauens an:
Gold, das Metall aller Weisheiten
Eine Glosse über das Glänzende und die, die darüber reden
Es gibt Dinge auf dieser Welt, über die der Mensch offenbar nie genug sagen kann: das Wetter, die Jugend von heute – und Gold.
Dabei ist Gold, chemisch betrachtet, schlicht das Element mit der Ordnungszahl 79. Aber wer käme schon auf die Idee, das zu erwähnen? Denn Gold ist nicht irgendein Stoff. Gold ist Metapher. Gold ist Lebensweisheit. Gold ist das bevorzugte Stilmittel all jener, die einen Kalender illustrieren, eine Rede eröffnen oder eine WhatsApp-Nachricht mit einem Sonnenuntergang-Emoji abschließen wollen.
"Nicht alles, was glänzt, ist Gold", verkündet der Volksmund mit der Miene eines Philosophen, der gerade Platon übertroffen hat. Gemeint ist: Vorsicht vor Täuschungen. Praktisch gemeint ist es meist als versteckter Kommentar über den neuen Partner der Tochter. Der Satz stammt übrigens aus Shakespeare – was ihn nicht davon abgehalten hat, auf hunderttausend Kühlschrankmagneten zu landen.
Wer dem Volk nicht traut, wendet sich an die Sportler. Denn dort regiert das Gold mit eiserner Hand. "Nur Gold zählt" – so lautet das Mantra, das Trainer ihren Schützlingen einflüstern, kurz bevor diese mit Silber nach Hause kommen und trotzdem eine Dankesrede halten müssen. Silber, nebenbei bemerkt, hat in der Sprache keinen Charakter. Silber ist das Gold des Verlierens.
Besonders beliebt ist Gold als Marketinginstrument. Man nehme ein beliebiges Produkt – Kreditkarte, Mitgliedschaft, Lebensversicherung – und hänge das Wörtchen Gold dran. Fertig ist das Premium-Erlebnis. Die "Goldene Kreditkarte" tut dasselbe wie die normale, kostet aber 18 Euro im Monat und kommt mit einem Kunstleder-Etui. Der Mensch greift zu. Er kann nicht anders. Er will glänzen.
Der Kalenderspruch-Komplex liebt Gold naturgemäß innig. "Das Schweigen ist Gold" – was erklärt, warum ausgerechnet jene, die diesen Satz am häufigsten zitieren, ihn am seltensten beherzigen. Wer schweigt, kann schließlich nicht erklären, was er damit meint, wenn er sagt, dass Schweigen Gold sei. Ein logisches Dilemma, das die Menschheit tapfer ignoriert.
Dann wäre da noch das "Goldene Zeitalter" – jene mythische Epoche, in der alles besser war. Wann genau? Kommt drauf an, wen man fragt. Für den Rentner war es die Wirtschaftswunderzeit. Für den Millennials die Neunziger. Für den Historiker existierte es nie. Das Goldene Zeitalter ist stets das, in dem man selbst noch nicht die Steuererklärung machen musste.
Und natürlich: "Morgenstund hat Gold im Mund." Eine Aussage, die offensichtlich von jemandem erfunden wurde, der entweder sehr früh aufgestanden ist und es bereut hat – oder noch nie einen Menschen um halb sechs morgens sprechen hören hat. Was um diese Uhrzeit aus dem Mund kommt, ist mit Gold nur schwer in Verbindung zu bringen.
Am Ende aber, wenn alle Sprüche gesprochen und alle Metaphern verbraucht sind, bleibt eine Wahrheit: Gold fasziniert den Menschen seit Jahrtausenden. Es rostet nicht, es trübt sich nicht, und es hört einem geduldig zu – ganz anders als die meisten Menschen, die einem Goldenes zurufen.
Vielleicht liegt genau darin sein Geheimnis.
Es glänzt. Es schweigt. Es wertet sich nicht ab.
Man könnte fast neidisch werden.
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Guten Abend, gut' Nacht,
Andreas
am 11.03.2026 20:33
Hatte ich erwähnt, dass ich Alchemie studiert habe und Gold in Blei verwandeln kann? Schickt mir einfach euer Gold, ich schicke euch umgehend ein gleich großes Stück Blei zurück! Ehrensache!
am 11.03.2026 22:13
Komisch, dabei wollte ich genau das Gegenteil erreichen von allen abgedroschenen Gold-Plattitüden langweiliger Huschen.
Es kommt halt nie so wie man denkt. ![]()
am 12.03.2026 11:31
Danke @haxo sehr interessant,vielen Dank für die Mühe