am 14.06.2026 15:24
@haxo schrieb:@Crazyalex , danke für die Wiederbelebung dieses Threads, die Pflege antiquarischer Beiträge scheint ein neues Hobby von dir zu sein.
[...]
Wenn es einen aktuellen Anlass gibt, so einen alten Thread auszugraben dann kann man das schon mal machen: Sowohl das Wissen als auch etwaige Prognosen in der Retrospektive zu betrachten ist ja durchaus etwas Interessantes 🙂
@haxo schrieb:[...]
Ich hätte wirklich gedacht, das Prinzip Wikifolio sei im Jahr 2026 toter als tot, bei zig tausend ETFs in jedweder Richtung, würde ich niemals mehr ein etwas wackeliges Konstrukt mit Anlage aus zweiter Hand anrühren, aber KI gibt dem Erfolg von Wikifolios recht:
[...]
Dass die Wikifilios sterben hatte ich nicht erwartet - das Konzept ist im Grundsatz ja nicht schlecht und bringt auch immer wieder interessante Kandidaten hervor.
Was gleichzeitig auch interessant ist: das sich kein Wettbewerber bzw. vergleichbares/ähnliches Konzept bis heute ergeben hat.
Wichtig jedenfalls aber auch, dass die Anleger sich eben allen Details bewusst sind - und da ist dieser alte Thread genauso gut wie ein neuer. Nein - besser: Man sieht gleich noch die Entwicklung von damals bis heute.
Gruß Crazyalex
am 14.06.2026 23:35
Also ich habe es so verstanden:
Für jedes Wikifolio, dass als Zertifikat gekauft wird, werden von Lang & Schwarz Wertpapiere entsprechend des Zertifikates gekauft und getrennt vom sonstigen Vermögen verwahrt. Im Insolvenzfall stehen diese Aktien allen Anlegern, die in Wikifolios investiert haben zu. Da es keine individuelle Besicherung ist, darf es wohl auch nicht Sondervermögen genannt werden.
Im Insolvenzfall werden diese Wertpapiere verkauft und der Ertrag auf die Anleger der Wikifolios verteilt. So weit, so gut. Ich gehe erst einmal davon aus, das sich Lang & Schwarz juristisch erkundigt haben und das nicht einfach aus Marketinggründen so machen. Da wären nach nunmehr 14 Jahren sicher schon Juristen drauf aufmerksam geworden, wenn das so nicht ginge.
Aber, und jetzt kommen die Haken, es wird im Insolvenzfall mit ziemlicher Sicherheit nicht die Einlage wiedergeben. Zuerst einmal gilt die Besicherung nur für den Teil des Wikifolios, welcher auch in Wertpapiere investiert ist, also nicht für die Bareinlagen, die entstehen wenn ein Wikifolio nicht vollständig investiert ist.
Dann sind alle Wikifolios gleichberechtigt besichert, wodurch auch die Wikifolios besichert sind, die in OS von L&S investieren. Die sind im Insolvenzfall aber nichts mehr wert. Also drückt das den Wert für alle. Auch werden vermutlich die Wertpapiere relativ schnell auf den Markt geworfen, was bei marktengen Titeln Verluste bedeuten könnte.
Der zweite Haken sind die Bareinlagen. Für diese hat sich L&S das volle Zugriffsrecht gesichert. Sie können also auf diese Einlagen zugreifen um damit an anderer Stelle im Unternehmen Geschäfte zu machen. Dadurch sind diese nicht besichert und im Insolvenzfall weg.
Also ist es nicht ganz einfach zu sagen, wie viel es im Insolvenzfall zurückgibt. Das ist davon abhängig, wie viel durch die Liquidierung reinkommt, wie viele Wikis in OS von L&S investiert sind und wie hoch die Bareinlage des Wikifolios ist.
@CurtisNewton das würde im Insolvenzfall bedeuten, dass das Wiki LS9VFS einen Großteil seines Wertes verliert, vielleicht auch alles, weil dieses Wiki einen Großteil bar hält und den Rest in Derivate investiert.
Gruß kio
am 15.06.2026 00:05
@CurtisNewton schrieb:...
Aktuell habe ich zwei wikis, LS9VFS und LS9VSJ, das dürfte dann auch < 2% des Depots sein.
Das ist lustig, genau die beiden habe ich auch, für etwas mehr als 2%. Sollte die Performance ein paar Jahre so bleiben, muss es auch nicht mehr sein. Ich habe mal wieder eine Tabelle geschrieben.
Die Kurzfassung:
Wenn man mit 100.000€ normalerweise 10% Rendite im Jahr schafft und dagegen 2% seines Kapitals abzweigt und es gelingt, dauerhaft diese 2% mit 100% Rendite anzulegen, dann hat man nach zehn Jahren einen Renditeunterschied von knapp 2 Millionen Euro. Also ich finde, man darf in der Größenordnug 2% vom Kapital hier ruhig etwas riskieren.
Für neugierige Tabellenleser ein Screenshot von der Tabelle mit Berechnungen.
Gruß kio
PS: wie geht das nochmal mit diesem Spoiler? ich wollte die Tabelle dahinter verstecken, hab`s aber nicht gefunden.
am 15.06.2026 08:17
Guten Morgen @Kio, guten Morgen Community,
leider könnte in deinem aktuellsten Beitrag Einiges durcheinandergeraten sein. Das ist schade! Weil es vielleicht Family Offices, Stiftungen oder Unternehmer vor einer Übertragung des Vermögens an die nächste Generation hindert mit einem kleineren Teil mal Vermögensverwaltung und Wirtschaft zu lernen. Meiner Ansicht nach ist ein eigenes wikifolio Musterdepot die perfekte Möglichkeit Wissen aufzubauen. Wenn also der Nachwuchs perfekt sein wird im juristischen Bereich oder in einem Studium welches Wertschöpfung in Konstruktion oder Infrastruktur generiert, dann ist ein eigenes wikifolio das Puzzlestück was fehlt. Es gibt selten einen Ort wo man mehr über die Mechanik der Finanzmärkte lernen kann wie dort.
1.) Die offenen Sicherungselemente
Wie bei jedem anderen Fonds auch sind die Wertpapiere vom Vermögen der Bank getrennt in einem Sondervermögen. Dies sollte unstrittig sein. Allerdings wurde die bisher nicht substantiierte Behauptung aufgestellt, dass Barguthaben der wikifolios nicht beschert seien.
Werfen wir einen Blick auf das Regelwerk:
Quelle: wikifolio Webseite, öffentliche Ansicht, abgerufen am 15.06.2026
Und den seit 2017 jährlich erstellten Bericht des Wirtschaftsprüfers. Damit würde ich aus meinem rein subjektiven Blickwinkel heraus die Qualität der Besicherung genauso hoch einschätzen wie beispielsweise bei der Pensionskasse eines börsennotierten DAX-Unternehmens, die in einem Vorort von München geführt wird.
Ein Blick in den Jahresbericht vom 31. März 2026.
2.) Risikosteuerung durch Handelsidee und Umsetzung
Wer sich von einem wikifolio Musterdepot inspirieren lässt, der kann bereits bei der Auswahl des Musterdepots, welches er zuhause nachbauen mag, eine Risikosteuerung vornehmen. In einer tabellarischen Ansicht, die auch nach tatsächlicher Umsetzung nicht mehr verändert werden darf steht genau drin welche Wertpapiere gekauft werden dürfen und ob Hebelprodukte dabei sind.
Aus dem Blickwinkel der Besicherung heraus hätte ich keine Einwendungen gegen das Konstruktionsprinzip. Sonst hätte ich ja auch nicht selber ein wikifolio Musterdepot gebaut.
Liebe Grüße
Gluecksdrache