20.08.2023 12:34 - bearbeitet 21.08.2023 17:50
Liebe Börsenfreunde,
da müssen wir jetzt durch! Im Hochsommer herrscht traditionell schlechte Stimmung an der Börse. Also, im Grunde genommen gibt es im Sommer überhaupt keine Stimmung, weder gute noch schlechte, weil die meisten Anleger schlicht im Urlaub sind* und sich nicht um ihre Aktien kümmern. Dann gurken die Kurse im August und im September so vor sich hin. Diese beiden sind in den meisten Jahren die schlechtesten Börsenmonate, und auch diesmal sieht es so aus, als ob die Regel gilt. Die Aktienmärkte stecken in der Korrektur, die ich Euch seit April angekündigt habe. Angesichts der eher durchwachsenen Inflationsdaten aus den USA sind die Anleger einfach etwas vorsichtiger geworden.
Auch wenn in der Presse manchmal schlechte Laune verbreitet wird:** Die meisten Unternehmen stehen gut da, die Zahlen der letzten Berichtssaison waren im großen Ganzen robust. Fast alle haben beim Gewinn positiv überrascht, etwas mehr als die Hälfte erfreulicherweise auch beim Umsatz.*** Bis auf die bekannten Tech-Titel sind viele Aktien inzwischen auch moderat bewertet. Andererseits geht der Entzug der Liquidität an den Märkten weiter: Neben der bekannten Geldmengenkontraktion durch das Quantitative Tightening in Amerika kommt aus einer anderen Ecke Gegenwind: Die Amerikaner planen bis Ende des Jahres die Emission von Staatsanleihen bis zu 1 Bio. Dollar. Da geht ordentlich Geld verloren, das sonst in Aktien investiert worden wäre oder das sogar aus Aktien abgezogen wird. Am Geldmarkt (kurz laufende Anleihen) sind bereits wieder Renditen um 5 Prozent drin, und sogar Deep-Discount-Zertifikate wie PD7296 (Rendite: 5,2% p.a.) oder PD729U (Rendite: 4,8% p.a.; beide sind im August bei comdirect gebührenfrei handelbar) eignen sich wunderbar als Geldparkplatz über den Sommer!****
Anleihen werden attraktiver
Die Realrendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen erreicht knapp 2 Prozent, der höchste Stand seit 2009. Das treibt die Investoren jetzt in den Dollar. Die Zinsstrukturkurve ist also invers, lang laufende Anleihen bringen weniger Rendite als Anleihen mit kurzer Restlaufzeit; das ist typisch für rezessive Wirtschaftsphasen. Auch Warren Buffett kauft im Moment nur Kurzläufer am Geldmarkt: Er befürchtet steigende Zinsen am langen Ende, die hohe Kursverluste für lang laufende Anleihen bringen würden. Hedgefondsmanager wie Bill Ackman gehen noch weiter und shorten den Future für 30-jährige Anleihen. Meine Leserinnen und Leser können dafür Zertifikate wie beispielsweise das schon öfters empfohlene SF575U nutzen, das auf fallende Kurse bei den US-Staatsanleihen***** setzt und ein klarer Kauf ist (Stopkurs für das Zertifikat: 31 Euro). Das entsprechende Produkt für deutsche Staatanleihen (der FGBL****** mit der WKN 965264) kennt Ihr ebenfalls schon: Die WKN SF5USV bewegt sich allerdings seit November seitwärts, weil der Bund-Future nur ganz sanft von 140 auf 130 Prozent gefallen ist und der Gewinn von den Finanzierungskosten des Zertifikates aufgefressen wurde (Stopkurs 61 Euro). Kein zwingender Kauf also.
Spannend an der aktuellen Korrektur ist die Entwicklung der Nasdaq. Bei den Tech-Aktien sind die Kurse zwei Wochen in Folge gefallen, das gab es zuletzt im Februar. Möglicherweise läuft die Euphorie rund um das Thema KI aus: Microsoft, Super Micro Computer, Splunk, Broadcom, Palantir schwächeln deutlich. Nur Nvidia und Adobe steigen einstweilen noch weiter. Wie lange noch? Wer hier investiert ist, hat definitiv alles richtig gemacht und zieht jetzt bitte seine Stopkurse nach.
Blutbad bei Nebenwerten
Noch sind die Korrekturansätze bei den ganz großen Blue Chips zaghaft. Doch viele Nebenwerte erleben ein wahres Blutbad. Schaut Euch mal Krones, Sixt, Deutz oder die Baywa an! Im Gegensatz zu den großen global agierenden Konzernen ist der Mittelstand auf Gedeih und Verderb den Standortbedingungen im Heimatland ausgesetzt. Oft sind die Absatzmärkte auch weniger international. Investoren meiden diese illiquiden Sektoren. Der MDAX bewegt sich auf dem Niveau von Ende 2019 und bis zum Top fehlen noch 31 Prozent. Dem SDAX fehlt sogar ein Drittel. Das geht seit Jahren so, und Besserung ist nicht absehbar. Wer sich im Bereich der Nebenwerte bewegt, hat somit aktuell nur zwei Optionen: Kauf in speziellen Sondersituationen (potenzielle Übernahme, operative Beschleunigung etc.), oder Kauf nach starken Kurseinbrüchen, die fundamental völlig überzogen sind. Beides sind meiner Meinung nach keine Strategien, die aktuell nachhaltig Erfolg versprechen. Es ist eher ein Glückspiel. Indes:
Hier zeigt sich wieder etwas, was mir schon seit längerem große Sorgen bereitet: Die Rally seit September 2022 wurde zuletzt nur noch von sehr wenigen, großen Titeln getragen. Im Grund genommen haben wir den Anstieg des S&P 500 nur den üblichen Verdächtigen zu verdanken: Apple, Alphabet, Adobe, Amazon, Meta, Microsoft und Nvidia haben den Index getrieben. Alle anderen Aktien haben sich im Durchschnitt nicht bewegt. Das erkennt man, wenn man sich die Kurse ansieht, man erkennt es aber auch ganz deutlich an den Indikatoren für die schwache Marktbreite: Die Advance-Decline-Linie fällt -- unter Schwankungen -- bereits seit dem Jahreswechsel 2021/22, und die Anzahl der Aktien weltweit, die noch über ihrer 200-Tage-Linie notieren, ist am Freitag auf 41 Prozent gefallen -- so tief wie seit Januar nicht mehr. Passend dazu ist auch das Weltmomentum abgestürzt auf 97 Prozent, ebenfalls so tief wie Anfang Januar. All das sind klare Signale, dass die Aktienmärkte innerlich nicht mehr "gesund" sind. Diese Signale gibt es seit Monaten; meine Vorhersage einer Korrektur war jetzt wirklich nicht besonders schwierig.
Wie geht es weiter?
Der Abwärtsdruck dürfte sich bis in den Herbst hinein verstärken. Eine solide Cashquote von vielleicht 30 Prozent hat oberste Priorität; nur so seid Ihr handlungsfähig auf der Kaufseite, wenn sich neue Aufwärtstrends herausbilden. Ende September/Anfang Oktober darf man dann wieder voll investiert sein. Ich habe Euch in den letzten Monaten diverse Produkte an die Hand gegeben, mit denen Ihr von fallenden oder zumindest nicht stark steigenden Kursen profitieren könnt. Mit allen meinen Empfehlungen liegen meine Leserinnen und Leser dick im Plus. Sogar die beiden Produkte mit der 16500-Schwelle (WKN PD2K3C und PE5YF5), die Ende Juli intraday gerissen wurde*******, werden voraussichtlich zum Höchstkurs eingelöst werden, weil der DAX unter dem Floor von 16000 Punkten liegt. So geht professionelles Portfoliomanagement; man kann auch Geld verdienen, wenn die Kurse fallen oder rumgurken. Das Fachbegriff lautet "Seitwärtsrendite". Kürzlich habe ich weitere Empfehlungen dazu gegeben. Auch die bekannten, aber extrem riskanten Inline-Optionen auf den DAX können in dieser Situation für Anleger interessant sein, die genau wissen, was sie tun.
So eine Korrektur hat natürlich immer auch positive Seiten. Für langfristige Anleger ergeben sich Chancen, gute Aktien zu tieferen Kursen einzusammeln. Wichtig dabei ist, dass Ihr keine Tiefflieger aufsammelt (klicki-di-klick), sondern fundamental gesunde Aktien in einem schönen Aufwärtstrend. Denn Aktien mit sehr niedrigen Kursen sind nur deswegen so billig, weil niemand Interesse am Kauf hat. Aktienkurse bilden sich ja immer nur nach Angebot und Nachfrage und niemals wegen einer vermeintlichen Über- oder Unterbewertung. Wenn aber außer Euch niemand Interesse daran hat, die Aktie zu kaufen, warum sollte sie dann nach Eurem Kauf steigen? Natürlich mag es im Einzelfall einen Katalysator für steigende Kurse geben, aber wenn Ihr die einzigen seid, die ihn sehen, dann sind die Chancen auf Kursgewinne schlecht. Solche Titel sind in der Regel totes Kapital, das in anderen Aktien viel besser aufgehoben ist. Aus diesem sehr einfachen Grund funktionieren Trendfolgestrategien so gut, und sie sind nicht mit großem Rechercheaufwand verbunden. Technisch orientierte Anleger achten darauf, Aktien zu kaufen, die oberhalb ihrer 200-Tage-Linie notieren.
Krisenfeste Aktien für Euer Depot
Ich habe für Euch heute Aktien herausgesucht, die in fast allen Krisen und auch jetzt im Kurs steigen. Die Idee dabei ist folgende: Eure Performance entscheidet sich vor allem in Krisenzeiten. Schönwetterbörse kann jeder, doch intelligente Anleger begrenzen ihre Verluste, wenn es mal nicht in die richtige Richtung geht! Am besten ist es natürlich, wenn man Aktien hat, die auch in schlechten Börsenphasen weiter steigen oder zumindest nicht stark fallen. Daher habe ich meine umfassende Datenbank nach Aktien durchsucht, die auch in Krisenphasen eine gute Figur gemacht haben. Konkret habe ich die folgenden sieben Zeiträume als "Krisen" definiert -- für Euch gleichzeitig ein Rückblick auf über 20 bewegte Jahre an der Börse:
Basis meiner Auswertung waren rund 20.000 Titel aus aller Welt, in einer gigantischen Datenbank mit 120 Millionen Einzelkursen. Zunächst habe ich alle Instrumente gestrichen, die keine ausreichend lange Kurshistorie haben. Übrig geblieben sind 5900 Titel mit Kursen von mindestens 2007 bis 2023, für die ich die Entwicklung während der genannten sieben Krisen untersucht habe. Bedingung war, dass die Aktien nur in maximal einer der sieben Krisen, die sie miterlebt haben, eine negative Performance hatten. Dieser Filter beschränkt die Liste auf nur noch etwa 100 Aktien. Dummerweise sind aber noch Titel dabei, die nur in den Krisen eine gute Performance hatten, sonst aber im wesentlichen im Kurs gefallen sind. Aus diesem Grund war das nächste Kriterium, dass die Kursperformance pro Jahr insgesamt mindestens 5 Prozent p.a. beträgt (zuzüglich Dividende) -- denn sonst kann man sein Geld gleich in Geldmarktfonds parken, siehe oben! Noch etwa 40 Titel erfüllen auch diese Bedingung. Als letzter Schritt wollen wir ja nur Aktien im Aufwärtstrend kaufen, also habe ich solche Aktien herausgesucht, die über ihrer 200-Tage-Linie liegen (also RSL = relative Stärke nach Levy = aktueller Kurs geteilt durch Wert der 200-Tage-Linie = über 100 Prozent). Jetzt gibt es nur noch 16 Treffer. Die findet Ihr in der folgenden Tabelle, und zwar sortiert nach der durchschnittlichen Performance in den sieben Problemphasen. Diese 16 Aktien sind nicht unbedingt meine langfristigen Favoriten, aber zumindest ein guter Kauf und ideal für die aktuelle Lage.
Wie gewohnt versorge ich Euch gleich mit den passenden Stopkursen. Denn ich kann mich irren (tatsächlich passiert das sogar sehr häufig), und dann sichern die Stopkurse Euch ab, falls meine Empfehlungen Mist sind.
Siehe da: ganz an der Spitze taucht ein Name auf, den vielleicht noch nicht jeder von Euch kennt. Capcom aus Japan ist ein Videospiel-Hersteller. Neben Flippern und Arcade-Automaten stammt beispielsweise Resident Evil von Capcom. Die Abkürzung steht übrigens für Capsule Computers.
Antworten auf Eure Fragen
Ich möchte abschließend noch paar Leserfragen beantworten, die von allgemeinem Interesse sind. Einige von Euch haben mich um eine Einschätzung von K+S, BAT, Verizon und Telefonica Deutschland gebeten und gefragt, wie man Stopkurse vorgibt. Die vier Aktien haben die Leser wegen der hohen Dividendenrendite gekauft, die bei Telefonica Deutschland ja scheinbar sogar steuerfrei gezahlt wird; sollte man hier nachkaufen und "verbilligen"? Hier ist meine klare Antwort dazu:
British American Tobacco (WKN 916018): Wirklich schade. Bis 2016 ein Wert wie aus dem Bilderbuch, seitdem geht es nur noch abwärts. Unterhalb von ungefähr 26 Euro brennt der Baum. Die Leute rauchen immer weniger. Gibt es einen Katalysator, warum die Aktie bald wieder steigen sollte? Bin ich der einzige, der diesen Katalysator kennt (denn sonst würden Profis die Aktie kaufen und der Kurs würde steigen)? Man bedenke auch: Bei einer Dividendenkürzung würde der Titel abstürzen. Da sollte man jetzt die Notbremse ziehen und verkaufen. Ihr könnt der Aktie eine letzte Chance geben und bei etwa 28 Euro einen Stop Loss installieren: Wenn die Aktie unter 28 Euro fällt, wird sie vollautomatisch verkauft.
Ähnliches gilt für Verizon (WKN 868402). Seit über einem Jahr geht es abwärts. Einzige Hoffnung ist die Dividende. Das Problem ist, dass solche Aktien als Anleihe-Ersatz gekauft werden, solange die Zinsen niedrig waren. In Zeiten steigender Zinsen kaufen die Leute lieber wieder echte Anleihen, und dann leiden Aktien mit hoher Dividende (Telekommunikation, Versorger). Bitte verkaufen oder -- als letzte Chance -- einen Stop Loss bei ca. 27 Euro vormerken. Ich will nicht verschweigen, dass ich im Juli in Verizon eingestiegen bin, das würde ich Euch aber nicht empfehlen. Es ist eher eine Kamikaze-Aktion von mir.
Telefonica Deutschland (WKN A1J5RX): Bloß die Finger weg! Verluste zu reduzieren, indem man nachkauft und "verbilligt", ist einer der größten Fehler, den man an der Börse machen kann. Ihr werft gutes Geld schlechtem Geld hinterher. Die Aktie fällt seit zehn Jahren (!!!) -- mit extrem großen Schwankungen, bei denen nur kurzfristige Trader Geld verdient haben. Warum sollte sie jetzt auf einmal langfristig steigen? Wenn Ihr einen Grund für Kurssteigerungen kennt, seid Ihr offenbar die einzigen, denn die Profis kaufen die Aktie im Moment (und schon seit zehn Jahren) nicht -- sonst würde der Kurs steigen. Die Aktie ist bitte ein sofortiger Verkauf ohne Stopkurs. Übrigens ist die Dividende bei Telefonica Deutschland nicht steuerfrei. Das ist eine optische Täuschung. Die Auszahlung reduziert die steuerlichen Anschaffungskosten, so dass man die Dividende beim Verkauf der Aktie nachversteuert.
K+S (WKN KSAG88) ist seit 2008 (!!!!) ebenfalls ein Trauerspiel. Im Zuge des Ukraine-Kriegs ging es in 2022 mal nach oben, aber das war nur eine Zwischenerholung im Abwärtstrend. Die Aktie sieht nicht gut aus. Bitte Stopkurs bei ungefähr 14,20 Euro (unter dem Tief im Mai/Juni 2023). Wer mehr als ca. 200 K+S-Aktien hat, darf für die Hälfte einen trailing-Stop-Loss bei 16,50 Euro (unter dem Tief im August 2023) installieren mit trailing-Abstand 10 Prozent. Auf diese Weise wird der Stopkurs automatisch nachgezogen, wenn die Aktie über den Hochpunkt im August 2023 steigt.
Konservative Anleger sollten alle vier Aktien verkaufen oder zumindest mit einem Stopkurs absichern. Faustregel: von Aktien, die ein Neun-Monats-Tief erreichen, sollte man sich verabschieden. Geld, das in solchen Aktien steckt, ist totes Kapital. Nehmt die Kohle und kauft davon lieber Aktien, die im Kurs steigen. Denn schließlich wollt Ihr an der Börse ja Geld verdienen! Das führt natürlich zu der berechtigten Frage:
Wie setzt man Stopkurse?
Welche Schwankungen erlauben wir der Aktie? Ich habe ja schon öfters gesagt, dass ich mehrere Bücher darüber schreiben könnte. Stopkurse sind im Wesentlichen eine Frage der Erfahrung. Man erkennt die Unterstützungen, Trends und auch die typischen "Atembewegungen" einer Aktie in einem 2-Jahre-Diagramm ganz gut. Viele Anleger machen den Fehler und achten zu sehr auf kurzfristige Tagesschwankungen. Ihr seid aber keine Daytrader! Das predige ich immer und immer wieder, und doch lese ich regelmäßig in der Community Fragen wie "warum ist der Kurs heute um 5 Prozent abgestürzt", freilich nachdem er sich vorher innerhalb einiger Jahre verdreifacht hat.
Ein Profi schaut sich zum Beispiel einen logarithmischen Zwei-Jahres-Chart der Aktie an und sieht auf Anhieb, wo man sinnvolle Stopkurse setzen kann. Für Anfänger ist es etwas schwieriger. Wichtig ist aber: Stopkurse sind eine Heuristik und keine Wissenschaft! Es ist besser, einen etwas ungünstigen Stopkurs zu setzen als Aktien völlig ohne Absicherung zu halten. Kleine "Unfälle" passieren auch mir immer wieder. Ganz oft werde ich ungewollt ausgestoppt, aber dann verbietet mir ja niemand, wieder einzusteigen, wenn die Aktie nach oben dreht.
Aber ich investiere doch in Konzerne und Firmen und will nicht kurzfristig an der Börse spekulieren! So wie Warren Buffett! Brauche ich da trotzdem Stopkurse? Auch so eine Frage, die regelmäßig kommt. Die Aussage "ich investiere in Firmen" belegt ein großes Missverständnis: Was uns alle eint, ist dass wir an der Börse Geld verdienen wollen. Vermessen ist allerdings der Vergleich: Natürlich braucht Warren Buffett keine Stopkurse, denn wenn in einem Laden, den er übernommen hat, die Zahlen nicht passen, dann wird er irgendwann das Management austauschen, bis die Ergebnisse wieder stimmen. Im übrigen hat er durch die direkten Kontakte in die Unternehmen auch einen großen Informationsvorsprung gegenüber dem normalen Anleger. Ein Amateur mit ein paar tausend Euro hat nicht diese Möglichkeiten! Das Management spricht im Zweifel ja noch nicht mal mit mir. Wenn sich mein Investment nicht gut entwickelt und ich entschuldige das damit, dass ich ja "in Konzerne investiere", dann ist das nichts anderes als eine Entschuldigung für einen Fehler, den ich gemacht habe und mir aber nicht eingestehen will. Denn im Zweifel liege ich freilich richtig und alle anderen haben unrecht. Fehlende Demut vor dem Markt, der immer recht hat, ist aber eine der Grundschwierigkeiten vieler Hobbyanleger und führt dazu, dass sie langfristig schlechter abschneiden als die Profis. Die konsequente Begrenzung von Verlusten ist eine Grundvoraussetzung, damit man dauerhaft erfolgreich ist. Ob man das automatisiert mit Stopkursen macht oder ob man ein Investment, das gegen einen läuft, irgendwann aktiv verkauft, ist dabei Geschmacksache. Ein gutes Beispiel, warum Stopkurse besser sind als abzuwarten, habe ich allerdings gerade letzte Woche wieder schmerzhaft selbst erlebt:
Ich mache die gleichen Fehler wie alle anderen
Nur damit niemand denkt, dass ich mich immer selbst an meine eigenen Regeln halte: Die Aktie von Adyen (WKN A2JNF4) hatte dummerweise keinen aktiven Stop Loss an der Börse, nur einen "vorgemerkten" ICO-Stopkurs im Computer. Das Papier hatte seit September 2022 einen recht stabilen Verlauf; da hat mein Computer keine Notwendigkeit gesehen, die Aktie wirklich abzusichern. Und dann kam mit den grottenschlechten Zahlen am Donnerstag letzter Woche der Absturz um über 40 Prozent. Ein Clusterfuck! Bei 880 Euro habe ich das Papier dann am Freitag manuell verkauft. Wenn die Aktie jetzt wieder steigt, kennt Ihr den Grund. Übrigens auch den Grund für meinen heutigen Beitrag, denn zur Strafe musste der Großrechner die oben erwähnten 120 Millionen Einzelkurse durcharbeiten. Das soll ihm eine Lehre sein, meinem Computer. Tatsächlich ist es in der Theorie ganz einfach:
Verluste zu begrenzen und ansonsten Gewinne laufen zu lassen ist wirklich das (gar nicht so geheime) Geheimrezept für Erfolg an der Börse. Und zwar, das ist ganz wichtig zu verstehen, völlig unabhängig von Eurer Strategie (fundamental, Trend, Trading, Dividenden, Turnaround, News-Trading, Dartpfeile, Spielcasino, was auch immer). Die Strategie entscheidet vor allem über den Einstieg in Aktien. Die Verlustbegrenzung dagegen hat mit dem Ausstieg zu tun. Beides wird, auch in unserer Community, sehr oft verwechselt! Übrigens:
Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wachsen nicht auf Bäumen. comdirect leidet genauso unter dem Fachkräftemangel wie fast alle anderen Unternehmen. Mitunter zeigt sich das, wenn man als Kunde am Telefon warten muss und sich verständlicherweise darüber ärgert. Aus diesem Grund geht heute ein ganz besonders herzlicher Gruß nach Leipzig und nach Halle. Dort sitzen Leute, die hervorragende professionelle Arbeit leisten und die Kundenbetreuung in Quickborn entlasten, damit die Wartezeiten am Telefon für uns Kunden wenigstens ein bisschen reduziert werden können. Wie ich höre, liest man auch dort meine Beiträge; das freut mich sehr.
Damit wünsche ich Euch allen einen schönen Sonntag und viel Spaß an der Börse
herzliche Grüße aus einem hochsommerlichen München
an alle, die hier noch lesen und nicht bereits eingeschlafen sind
nmh-Team
___________________________________
*) Einige berichten ja sogar hier in der Community gerne von ihrem Urlaub
**) Das liegt auch daran, dass Verlage unter steigenden Kosten, vor allem für Papier, leiden und sparen. Mit künstlicher Intelligenz generierte Billigtexte brauchen keinen sauberen Journalismus, so richtig mit Recherche und so. Das bekommen die Redakteure und Autoren zu spüren, und dann ist natürlich immer die Bundesregierung schuld. Außerdem lesen die Leute sowas gern.
***) Fundamentaldaten-Fans achten eher auf die Umsätze als auf die Gewinne. Denn durch Sparmaßnahmen bis zum Gehtnichtmehr kann man den Gewinn schönrechnen. Die Umsätze sind weniger leicht zu manipulieren.
****) Der DAX darf bei Fälligkeit nicht unter 10.000 bzw. 8.000 Punkten stehen; der einzige "Haken" bei dieser Konstruktion ist, dass man mit einer entsprechenden Anleihe von BNP mit dem gleichen Emittentenriskio vermutlich noch mehr Rendite erhalten würde
*****) zur Erinnerung: steigende Zinsen bedeuten fallende Anleihenkurse, und umgekehrt
******) die Bedeutung der Abkürzung ist umstritten: "future german bunds long", oder auch "federal government bond liability"
*******) Wenn Euch mal jemand fragt, was an der Börse ein Fehlsignal ist, könnt Ihr auf jenen 28. Juli 2023 verweisen!
Hinweis auf Interessenkonflikte: Selbstverständlich halte ich alle genannten Wertpapiere und noch zahlreiche weitere in meinen Depots. Von einigen viel, von anderen weniger. Eine Kursbeeinflussung durch den vorliegenden Text ist aufgrund der hohen Marktkapitalisierung nahezu ausgeschlossen. Ich halte es nur für fair, Titel vorzustellen, von denen ich auch selbst überzeugt bin, so dass ich mit den Lesern im selben Boot sitze.
Gelöst! Gzum hilfreichen Beitrag.
am 22.08.2023 10:17
@CurtisNewton schrieb:Zwar nicht auf dieser Liste, aber auf vielen anderen gewesen: Copart mit Split 2:1. In der englischsprachigen Meldung ist von einer Abrechnung als Stock Dividende die Rede. Falls jemand das Papier im Depot hat kann er / sie ja mal berichten wie das steuerlich abgerechnet wurde.
@FakeAccount konnte einen Blick auf die sagenumwobene WM Datenbank seines Nachbarn werfen und lässt ausrichten dass der Copart Split als normaler steuerfreier Split gewertet wird.
22.08.2023 12:18 - bearbeitet 22.08.2023 12:19
Vielen Dank für den neuen Input!
Schon als die neue Liste vor 2-3 Wochen angekündigt wurde stieg die Vorfreude bei mir!
Da ich gerade angefangen habe mich mal in Geldmarktfonds einzulesen war auch der Hinweis zu den Deep-Discount Zertifikaten sehr interessant. Ich habe inzwischen ein Lesezeichen namens "nmh - Grundwissen" auf den Jubiläumsthread, hier ist ja auch diverses zu Zertifikaten. Sofern ich das richtig verstanden habe wären die aufgezeigten Zertifikate allerdings ein Parkplatz über den Sommer hinaus bis in den Winter 2024?
Wozu ich im Thread Grundwissen noch nichts gefunden habe ist sowas wie Liquiditätsmanagement. nmh schlägt nun gerade 30% Cash vor, bei anderen habe ich von 16,5% Aktienquote gelesen. Wie geht Ihr an sowas heran?
Abgesehen vom Umlaufvermögen mit entsprechendem Notgroschen tue ich mich immer schwer eine Cashquote für den risikobehafteten Teil zu finden.
Grüße, Erica
23.08.2023 09:54 - bearbeitet 23.08.2023 10:06
23.08.2023 09:54 - bearbeitet 23.08.2023 10:06
@Erica :
Mein Nachbar nmh freut sich sehr über Dein Lob. Danke! Als Geldmarktfonds nutzt er u.a. die WKN 847423 (DWS) und 973723 (Allianz). Beide sind bei comdirect ohne einen Cent Gebühren/Spesen jederzeit problemlos handelbar (ACHTUNG: gebührenfrei nur beim Handel über die Fondsgesellschaft, der ein paar Tage dauern kann, aber nicht im Livetrading oder an der Börse).
Die beiden DAX-Deep-Discount-Zertifikate aus dem Beitrag auf Seite 1 haben eine Laufzeit bis 30.12.2024. Selbstverständlich kannst Du sie aber börsentäglich kaufen und verkaufen, derzeit sogar gebührenfrei (bei Consors dauerhaft gebührenfrei). Es gibt auch Discount-Zertifikate mit kürzeren Laufzeiten. Die findest Du im Informer -> Zertifikate -> Finder -> Typ: Discount -> Basiswert: 846900. Die Trefferliste bitte nach maximaler Rendite p.a. sortieren. Beispielsweise hat PE5KQ4 eine Laufzeit bis Februar 2024 und 4,36% p.a. Rendite. Schau Dir mal den Kursverlauf an, dann verstehst Du sofort das Prinzip. Du kannst täglich ein- und aussteigen. Das PD727D läuft bis Dezember 2023 und rentiert mit 4,21% p.a.
Mein Nachbar nmh bevorzugt Produkte von BNP und Societe Generale, weil er mit diesen Emittenten in den letzten 20 Jahren (!) die besten Erfahrungen gemacht hat und weil sie bei diversen Banken gebührenfrei handelbar sind. Gestern war allerdings den ganzen Vormittag die Handelbarkeit bei BNP gestört, aber so eine Störung gibt es im Schnitt nur einmal alle zwei oder drei Jahre.
Soll man 30 Prozent Cash halten oder lieber 15 Prozent? Natürlich kann man diese Frage nicht verbindlich beantworten. Das kommt auf so viele Faktoren an, auch auf Dein Vermögen, Dein Einkommen und in welcher Form der Rest angelegt ist. nmh beispielsweise hat einen irrsinnig hohen Betrag (davon könnte er sich eine ganze Armee neue Autos kaufen, das wäre endlich mal sinnvoll!!!) in DAX-Deep-Discount-Zertifikate investiert, das ist auch eine Art von Cash. Wichtig ist aber, dass Du nach einer Korrektur handlungsfähig bist, wenn sich die Aktien erholt haben und wieder Aufwärtstrends ausbilden.
Einen grossen Artikel von nmh zum Thema konservative Geldparkplätze findet man hier.
@Storm : Ich glaube, Du und nmh werden noch Freunde. Mein Nachbar ist auch so ein hoffnungsloser Papierfan. Er druckt alles aus. ALLES! Er druckt sogar Eure Antworten auf seine Beiträge aus und schreibt dann mit einem grünen Filzstift drauf rum. Bei einigen Antworten jedenfalls.
Hochachtungsvoll
der Nachbar von nmh
23.08.2023 15:56 - bearbeitet 23.08.2023 15:56
23.08.2023 15:56 - bearbeitet 23.08.2023 15:56
@nmh vielen Dank für die Liste! Die Dauerläufer sind auf der Watch-Liste, v.a. weiterhin Cintas und ev. Rollins.
Jetzt muss ich erstmal heute die NVIDIA Zahlen überstehen und schauen, ob die aufgeblähten Position noch weiter erhöht werden sollte (ev. auch Broadcom, AMD, KLA und ASML) oder ob man mit dem Geld doch lieber konservativ S&P Global, Mastercard, MSFT, Chipotle, Texas Roadhouse oder VISA nachkauft oder Cintas/Rollins kauft falls der Trailing Stop Loss (für ein Sechstel der Position) gerissen wird.
Um zusätzliches Cash zu schaffen mussten schon mal die relativen Loseraktien Nike und Qualcomm gehen.
Ziel ist, die absolut stabilen Qualitätsaktien/Sterneaktien im Depot noch weiter aufzustocken (vor allem per Sparplan) und ein paar Raketen in der Hinterhand zu haben mit sehr hohem Potential und teilweise schon sehr hohen Gewinnen (letztere auch immer wieder mit Stops abzusichern). Dieses Jahr war auf jeden Fall großartig bislang!
am 23.08.2023 23:49
@FakeAccount schrieb:
@Storm : Ich glaube, Du und nmh werden noch Freunde. Mein Nachbar ist auch so ein hoffnungsloser Papierfan. Er druckt alles aus. ALLES! Er druckt sogar Eure Antworten auf seine Beiträge aus und schreibt dann mit einem grünen Filzstift drauf rum. Bei einigen Antworten jedenfalls.
Hochachtungsvoll
der Nachbar von nmh
Ganz so bunt treibe ich es aber nicht, ich habe auch keine Papierbettwäsche, da muß ich Gerüchte dementieren.
Aber Bücher sind etwas besonderes.
Ok, frisch gedruckte Geldscheine haben auch etwas, so ganz ohne Falten, zumindest der neue tiefrote 1000 Euro Schein beeindruckt, der wurde im Zuge der Inflation heimlich entworfen. Ich habe schon ein Exemplar erhalten.
Darauf sind erstmals Personen abgebildet, hier das Trio Trichet, Draghi, Lagarde aufgrund ihrer Verdienste um den Euro und Club Med.
am 24.08.2023 00:01
@Storm schrieb:Ok, frisch gedruckte Geldscheine haben auch etwas, so ganz ohne Falten, zumindest der neue tiefrote 1000 Euro Schein beeindruckt, der wurde im Zuge der Inflation heimlich entworfen. Ich habe schon ein Exemplar erhalten.
Darauf sind erstmals Personen abgebildet, hier das Trio Trichet, Draghi, Lagarde aufgrund ihrer Verdienste um den Euro und Club Med.
Muß so ein Schmarrn hier eigentlich dauernd sein? 😞
Es gibt keinen 1000 Euro Schein.
Es gab mal einen Fake dafür mit nackten Frauen darauf. Sicherlich nicht mit Lagarde. 🙂
Und die letzte höchste Banknote ist nicht "tiefrot" sondern violett.
am 24.08.2023 07:46
@Sparplanfan schrieb:@nmh vielen Dank für die Liste! Die Dauerläufer sind auf der Watch-Liste, v.a. weiterhin Cintas und ev. Rollins.
Jetzt muss ich erstmal heute die NVIDIA Zahlen überstehen und schauen, ob die aufgeblähten Position noch weiter erhöht werden sollte (ev. auch Broadcom, AMD, KLA und ASML) …
Das Publikum hat Nvidia gestern, auch die Tage davor, mit Lorbeeren überschüttet. Infolge dessen haben sich die Positionen von selbst wieder aufgebläht und erhöht (bei mir Nvidia, Broadcom, ASML)
Mal schauen wie lange noch gejubelt wird…
@Sparplanfan schrieb:…
Um zusätzliches Cash zu schaffen mussten schon mal die relativen Loseraktien Nike und Qualcomm gehen.
Bei mir ist Keyence aus dem Programm geflogen. Trotz guter Stimmung in Japan und konnte der Wert nicht mit dem Markt mithalten.
Die Favoritenrolle als neuer Akteur hat derzeit Chipotle
gruss ae
24.08.2023 08:06 - bearbeitet 24.08.2023 08:14
24.08.2023 08:06 - bearbeitet 24.08.2023 08:14
@ae Wie es aussieht, hat es sich gelohnt, nachzukaufen nach den initialen (kleinen) Gewinnmitnahmen bei NVIDIA, SMCI, Axcelis usw. Bin sehr froh, dass ich da standhaft geblieben bin. Die Frührente rückt näher!
Ja, Chipotle und Texas Roadhouse haben bei mir Pepsico und MacD. ersetzt. Es geht aufwärts!
am 24.08.2023 21:10
Ich habe einen unverschlüsselten (selbst schuld) E-Mail-Austausch zwischen meinem Nachbarn nmh und seinen Lesern abgefangen. Da die Fragen vielleicht von allgemeinem Interesse sind, poste ich einige hier:
Frage: Hast Du eine Idee, wie man sich bei comdirect oder auch auf einem anderen Portal z.B. im Musterdepot eine Alarmfunktion anlegen kann, bei dem man automatisiert informiert wird, wenn ein Kurs die GD200 in die eine oder andere Richtung durchbrochen hat? Oder geht das nur mit einem statisch festgelegten Kursalarm von vorgegeben Zahlenwerten?
Antwort: Ich fürchte, die Musterdepots (nicht nur bei comdirect) können nur statische Werte prüfen. Daher benutze ich eigene Spezialsoftware. Mein Großrechner ist jede Nacht unter anderem damit beschäftigt, alle Instrumente (Aktien, Indizes ...) darauf abzuklopfen, ob bestimmte Signallinien (z.B. GD200) über- oder unterschritten wurden. Wenn es dabei Auffälligkeiten gibt, werde ich gewarnt und kann handeln. Und natürlich berichte ich dann auch in der Community darüber. Aber das ganze ist natürlich extrem datenaufwendig und kostet viel Rechenzeit. Ein normaler PC eignet sich nicht dazu. Daten sind das moderne Gold!
Frage: Wenn bei Dir Positionen gerade im Gewinn laufen, ab wann (ab 10 bis 20% Gewinn) setzt Du dort eine Trailling SL Order mit welchem Puffer nach unten etwa, in dem Wissen, nicht zu früh verkauft zu haben?
Antwort: Stopkurse und auch die Trailing-Funktion hängen nicht von der Höhe Deines persönlichen Gewinns/Verlusts ab. Über Stopkurse entscheidet man ausschließlich mit Blick auf den Kursverlauf z.B. in den letzten zwei Jahren. Das ist eine ganz wichtige Grundregel. Ich persönlich verwende Trailing-Stop-Loss fast nur:
- für Aktien, die weit oberhalb der 200-Tage-Linie notieren (z.B. mehr als 30 oder 40 Prozent drüber), dann gibt es z.B. für die Hälfte oder für ein Drittel einen etwas strengeren trailing-SL (ich verkaufe also nur, wenn die Aktie fällt) mit einem trailing-Abstand typischerweise zwischen 10 und 15 Prozent (je nach den Atembewegungen der Aktie)
- wenn ich ausnahmsweise (!) einen Tieffliger aufgefangen habe: Eine Aktie, die unter der 200-Tage-Linie liegt, sollte man eigentlich nicht kaufen. Wenn ich es trotzdem tue, z.B. weil die Aktie nach oben gedreht hat, dann setze ich manchmal (!) für die volle Position einen Trailing-SL. Nachteil: Wenn die Aktie dann die 200-Tage-Linie nach oben durchkreuzt, kann es passieren, dass der Stopkurs im Bereich der 200-Tage-Linie landet. Und das sollte man ja vermeiden. Meine Spezialsoftware überwacht das aber.
Einsteigern empfehle ich, anfänglich eher ohne trailing zu arbeiten - es sei denn, ich empfehle ausdrücklich trailing - solange, bis sie mit den normalen Stopkursen genug Erfahrung haben. Die sind ja schon schwierig genug!
Frage: Wie schätzt Du die Aktien von Hapag Lloyd mit der WKN HLAG47 (hohe Dividende!), Pfizer WKN 852009 und die "Räuberpistole" 3U Holding mit der WKN 516790 ein? Konnte ich ebenso wegen der Mörder-Dividende nicht widerstehen. Für ganz heiss und entwicklungsfähig mit Kurspotential halte ich zB. Serviceware SE WKN DE000A2G8X31 mit Potential bis 18 Euro, Secunet WKN 727650 mit Kursziel 300 € und die DWS Group WKN DWS100 mit Kursziel bis 37 € .
Antwort: Mir ist nicht klar, warum Du eine hohe Dividende attraktiv findest. Die gezahlte Dividende wird vom Aktienkurs abgeschlagen und verringert daher den Wert der Aktie entsprechend. Das ist ein linke-Tasche-rechte-Tasche-Geschäft, eine optische Täuschung. Die Höhe der Dividende ist völlig irrelevant für Deine Investments!
Hapag Lloyd: Das Papier hat extreme Schwankungen und bewegt sich seit zwei Jahren nur noch seitwärts. Das ist totes Kapital. Die Dividende ist eine optische Täuschung, siehe oben. Bitte Stopkurs bei ungefähr 172 Euro beachten und verkaufen, falls die Aktie unter den Stopkurs fällt!
Pfizer: In 2022 ging es seitwärts, in 2023 geht es nur noch abwärts. Totes Kapital. Bitte Stopkurs bei etwa 32 Euro beachten.
3U Holding: Extreme Schwankungen, und die Dividende bezahlst Du mit Deinem eigenen Geld, siehe oben. Bitte Stopkurs bei ca. 2,10 Euro beachten!
Alle drei Titel sind Depotbremsen und Kapitalvernichter. Wenn Du Liebhaber und Sammler bist, darfst Du die Titel behalten. Wenn Du an der Börse einfach nur Geld verdienen willst, kaufst Du stattdessen Aktien, die steigen. Anders kann man keine Gewinne machen. Verluste begrenzen!
Du solltest Dich bitte auch von der Idee von "Kurszielen" sofort verabschieden. Es kann schon sein, dass die DWS Group bis 37 Euro steigt. Aber warum willst Du dann im Aufwärtstrend verkaufen? Man darf Aktien, die steigen, nicht verkaufen! Gewinne laufen lassen!
Du musst Dir unbedingt die Grundregel "Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen" zu Herzen nehmen. So und nur so wirst Du nachhaltig an der Börse erfolgreich sein.
Naja, die Antworten sind ja das übliche, was wir von nmh kennen. Im Süden nix neues. Wie sollte auch bei der Hitze!
Hochachtungsvoll
der Nachbar von nmh
am 25.08.2023 10:08
Ich muss sagen, ein bisschen überrascht bin ich manchmal schon: Da lesen Nutzer offensichtlich fleißig @nmhs Postings und fragen dann tatsächlich nach "heißen Eisen" wie Hapag-Lloyd, DWS oder Serviceware? Mit der Begründung Dividende oder Analysten-Kursziele? Heieiei...
Großen Respekt, dass trotz dessen (oder gerade deshalb) mit einer Engelsgeduld immer wieder die Basics gepredigt werden.