am 25.02.2026 16:51
Hallo zusammen,
da ich keinen Thread zum Thema gefunden habe, zumindest nicht direkt - mache ich diesen hier mal auf. Ich weiß schon, dass hier niemand helfen kann - ich will, ehrlich gesagt, hauptsächlich mal meinem Ärger Luft machen. Und da dieser ETF jahrelang ein absoluter Standard-Kandidat hier im Forum war, bin ich ja sicher nicht die Einzige, der es so geht.
Als ich hier damals - naja, in 2019 - angefangen habe, war dieser ETF mein erstes Core Invest. Damals noch bei Lyxor. Da wir uns in der Nullzinsphase befanden und es nirgendwo anders überhaupt Geld fürs Anlegen gab, war es absoluter Goldstandard, zunächst einen Ausschütter zu besparen bis dieser jährlich den Steuerfreibetrag ausschüttet, um anschließend auf einen Thesaurierer zu wechseln um fortan die Steuerstundung zu nutzen.
Tja, als dieses putzige Kerlchen dann aber von Amundi übernommen wurde, haben die den frecherweise einfach von "ausschüttend" auf "ausschüttend ODER thesaurierend" umgestellt. Das war in den letzten Jahren nicht von Relevanz, hat er doch einfach brav ausgeschüttet.
Das hat sich Amundi für letztes Jahr nun aber offensichtlich anders überlegt. Zunächst hatte ich mich noch gefragt, warum die Ausschüttung 2025 im Vergleich zu 2024 so stark gesunken ist. Aber gut - Börsen waren turbulent, Trumpeltier, Zollchaos, Kriegsfantasien - you name it. Da kann es ja schon mal weniger Dividende geben.
Tatsächlich hat Amundi sich aber überlegt, doch einfach eine geringere Ausschüttung vorzunehmen und einen Teil zu thesaurieren. Ja vielen Dank auch für das Rasieren meines Freistellungsauftrags. Da denkt man sich was dabei, versucht Cashflow und Steuern zu optimieren und bekommt dann erstmal einen reingedrückt.
Nun gut. Ich habe mich aus Gründen der Unbezahlbarkeit der Vorabpauschale aus einem Teilzeiteinkommen irgendwann in 20 Jahren - bei dann hoffentlich schön großen Depots - gerade ohnehin dazu entschieden von Thesaurierern wieder Abstand zu nehmen. Ausschütter arbeiten da sauberer und wesentlich nachvollziehbarer als diese Black Boxen bei denen ich später mal hoffen muss, dass die bereits geleistete Steuer auch korrekt berücksichtigt wird.
Ärgerlich finde ich es aber allemal. Für die Thesaurierer, die ich nach Erreichen der Zielgröße dieses Pseudo-Ausschütters bespart habe, hätte mein Freibetrag noch etliche Jahre ausgereicht für die Vorabpauschale - ganz ohne, dass ich echtes Geld für fiktive Gewinne aus meinen laufenden Einnahmen nachschießen muss oder Sparraten reduzieren muss, um irgendwelche Fantasiesteuern zu bezahlen (unter der Prämisse, dass ich sie jetzt eben liegen lasse und wieder auf Ausschütter setze). Da Amundi nun aber entschieden hat, meinen strategisch gewählten ETF in eine Wundertüte zu verwandeln, muss ich künftig sehen wie ich mit meinem Freistellungsauftrag jongliere. Na danke dafür.
Besten Dank fürs Luftablassen. Falls sich hier noch jemand anschließen möchte, immer raus damit. Kann doch nicht sein, dass ich die Einzige bin, die sich über diese Willkür ärgert?
Liebste Grüße 😉
am 26.02.2026 19:01
Hallo zusammen,
nochmal: Es ist mir völlig egal, ob er etwas weniger ausgeschüttet hat. Das Ärgernis ist, dass ein reiner Ausschütter im Zuge des Emittentenwechsels zu einem Ausschütter ODER Thesaurierer wurde. Ja, das ist mir beim Übergang bereits aufgefallen und hat mich irritiert und wenig begeistert. Bisher hat er aber wie vorher auch ausgeschüttet, deshalb habe ich dem zunächst keine weitere Beachtung geschenkt. Dieses Jahr hingegen, hat Amundi das zum ersten Mal anders gemacht. Und dabei haben sie sich nicht für die reine Thesaurierung entschieden, sondern sie haben einen Teil ausgeschüttet und den Rest thesauriert. Das hat mich doch sehr überrascht - dass hier auch eine Mischung aus beiden Varianten möglich ist, wusste ich nicht.
Ende Dezember kam die Ausschüttung, damit war das Thema LYX0AG für 2025 für mich abgehakt. Nun wollte ich bei der Codi meinen Freistellungsauftrag gestern etwas anpassen, da ich in meinem Zweitdepot ein paar Aktienanteile mit Gewinn verkaufen wollte und dafür dort meinen Freistellungsauftrag erhöhen wollte. Als ich dann hier in meine Steuerübersicht geschaut habe, habe ich ganz schön gestaunt, dass bereits über 350 € meines Freistellungsauftrags verbraucht waren - überschlagsweise hätten es nur etwas mehr als 100 € sein dürfen. So ist mir das überhaupt nur aufgefallen. Ja, vielleicht habe ich die Info zu erwarteten Vorabpauschale im Dezember übersehen, hätte aber an der Tatsache nichts geändert.
Und das fiel nun zusätzlich noch mit meiner derzeitigen Überlegung zusammen, meine Strategie von Thesaurierern wieder auf Ausschütter zu lenken - aus verschiedenen Gründen. Den einen hat @GetBetter richtig verstanden: Die Vorabpauschale kann bei hohen Depotständen unter Umständen irgendwann richtig reinhauen. Das muss z.B. für eine Privatière-Phase einige Jahre vor der Rente mitgeplant werden, denn die Steuer muss dann nun mal bezahlt werden - und zwar am besten aus der laufenden Liquidität. Das gleiche wenn ich klassisch Coast FIRE nur noch für meine Fixkosten und Versicherungen arbeite. Ein zweiter Grund bei meiner Überlegung ist der, dass ein Thesaurierer für mich am Ende des Tages eine ziemliche Black Box darstellt. Ich kann nicht (oder nur mit größtem Aufwand?) nachvollziehen, ob meine bereits geleistete Steuer beim Verkauf von Anteilen korrekt berücksichtigt wird. Nicht, weil ich den Banken nicht traue, aber es kommt nun mal de facto bei Dingen wie z.B. einer Umstellung von IT Systemen durchaus mal zu Fehlern. Oder lasst einen oder mehrere Depotüberträge hinzukommen, weil man später (FIFO vs. LIFO) die Steuern optimieren möchte. Ein Ausschütter ist da transparenter. Das mag bei manueller Reinvestition am Ende des Tages (=Ende der Sparphase) ein paar Euro "Verlust" gegenüber einem Thesaurierer einfahren, dafür hat man aber mehr Transparenz über die geleisteten Steuern und ich weiß auch nicht, ob das ab einer gewissen Depotgröße (die wir hoffentlich alle erreichen) noch von großer Relevanz ist, ob das jetzt ein paar Euro fuffzig mehr oder weniger sind.
Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt über die "zu geringe Ausschüttung" geärgert - ich verbrauche den Freistellungsauftrag sowieso und reinvestiere Ausschüttungen zu 100%. Aber ich denk halt wie @Morgenmond und sage, dass für mich keine ETFs von Amundi mehr in Frage kommen. Dass denen die Privatanleger am Ende des Tages völlig egal sind und die sich ausschließlich für ihre eigene Finanzplanung und institutionelle Großanleger interessieren ist mir ja völlig klar. Aber ich muss für mich trotzdem schauen was ich daraus mache - ich muss die Karten halt spielen wie sie ausgeteilt werden.
Da ich gerade plane mein Core Invest vom MSCI World auf einen All World umzustellen, ist das gerade ein guter Zeitpunkt sich um alle diese Dinge (Ausschütter oder Thesaurierer, welche Fondsgesellschaft) Gedanken zu machen. Also Amundi raus, Vanguard (genossenschaftlich organisiert) rein sozusagen. Man wird ja nie zu 100% auf der sicheren Seite sein, aber dadurch lässt sich das Risiko der hier gerade erlebte Willkür wahrscheinlich schon etwas reduzieren.
Ich hoffe, es ist nun etwas klarer geworden. Es geht a) darum wie man manchmal als Privatanleger der Willkür solcher Fondsgesellschaften ausgesetzt ist und b) sehr gerne um einen Austausch mit euch über Strategien in der Finanzplanung 🙂
am 26.02.2026 19:38
@Infinity schrieb:
Ich hoffe, es ist nun etwas klarer geworden. Es geht a) darum wie man manchmal als Privatanleger der Willkür solcher Fondsgesellschaften ausgesetzt ist
Ich sehe das genau entgegengesetzt: der Emittent ist der "Willkür" der Kunden ausgesetzt, die jederzeit auf ein Konkurrenzprodukt wechseln können. Darum muß der Emittent sein Angebot ständig an die wechselnden Kundenwünsche anpassen.
am 26.02.2026 20:42
Das sehe ich - in Bezug auf die kleinen Privatanleger - genau umgekehrt. Die wissen ganz genau, dass die "in der Falle" sitzen, denn wenn sie (aus ihrer Sicht) einigermaßen nennenswerte Bestände halten, würden sie beim Wechsel auf einen anderen Anbieter ein größeres Steuerereignis auslösen. Und daran haben die Privatanleger, insbesondere in der Ansparphase, kein Interesse. In Bezug auf institutionelle Großanleger gebe ich Dir teilweise Recht. Das ist genau, was ich denke, was hier passiert ist, ich sehe zwei mögliche Gründe: Amundi lässt es sich offen, ob sie ausschütten oder thesaurieren, um im Falle eines Falles ihre eigene Liquidität zu optimieren (wir reden hier ja auch noch von einem Swapper, d.h. es fließen keine "echten" Dividenden der Aktien auf die Konten von Amundi, da sie diese nicht physisch halten, sondern sich nur den Wert sichern lassen - das Geld für Ausschüttungen kommt also aus Amundis "Portokasse" und da ist mal mehr, mal weniger drin). ODER aber sie beugen sich dem Druck von Großanlegern, die - warum weiß ich nicht - hier keine oder keine vollständige Ausschüttung wollten. Über das Warum kann ich aber nicht mal spekulieren, denn ich habe nicht die geringste Ahnung, sonst hätte ich wahrscheinlich einen Job in dem Bereich.
am 27.02.2026 01:41
@Infinity schrieb:Das sehe ich - in Bezug auf die kleinen Privatanleger - genau umgekehrt. Die wissen ganz genau, dass die "in der Falle" sitzen, denn wenn sie (aus ihrer Sicht) einigermaßen nennenswerte Bestände halten, würden sie beim Wechsel auf einen anderen Anbieter ein größeres Steuerereignis auslösen.
In diesem Szenario liegt das Problem auf Anlegerseite. Wer signifikante Bestände eines einzelnen ETFs/Fonds im Privatvermögen hält, hat ein viel größeres Problem als eine schwankende Ausschüttung.
In Bezug auf institutionelle Großanleger gebe ich Dir teilweise Recht.
Der Amundi ist für Kleinanleger konzipiert. Ich bezweifle, daß es eine signifikante Anzahl von institutionellen Anlegern under den Kunden gibt.
am 27.02.2026 02:05
@dg2210 schrieb:In diesem Szenario liegt das Problem auf Anlegerseite. Wer signifikante Bestände eines einzelnen ETFs/Fonds im Privatvermögen hält, hat ein viel größeres Problem als eine schwankende Ausschüttung.
Welches Problem sollte bestehen wenn ich 5 Mio in einem MSCI oder FTSE World halte? 😞
am 27.02.2026 02:25
Wegzugsbesteuerung würde mir spontan einfallen
am 27.02.2026 02:35
@CurtisNewton schrieb:Wegzugsbesteuerung würde mir spontan einfallen
Das ist doch Unsinn.
Bei einem üblichen MSCI World der 20 Mrd schwer ist müsstest du schon 1% halten um überhaupt betroffen zu sein.
Also 200 Mio.
Damit hat man dann ganz andere Probleme. 🙂
am 27.02.2026 06:18
Das ist doch Unsinn, es langen Anschaffungskosten von 500.000€
am 27.02.2026 08:05
Ich kann den Ärger von @Infinity durchaus nachvollziehen und verstehen. Würde mich in so einem Fall auch nerven.
Auch wenn es im Endeffekt wahrscheinlich nur minimale Unterschiede in der Performance ausmacht. Wenn ich einen Ausschütter kaufe , dann möchte ich auch dass dieser ausschüttet und nicht ja, nein, vielleicht doch ein bisschen.
Wenn ich beim Bäcker des Vertrauens eine Butterbrezel kaufe möchte ich dass da Butter drauf ist und keine Butter zum selber schmieren oder noch schlimmer eine dieser ekligen Mayonnaisen drauf.
Und betreff der Willkür der Kleinanleger, welcher die ach so armen Etf Emittenten, angeblich, ausgesetzt sind, hält sich mein Mitleid sehr wohl in Grenzen 😉
gruss ae
am 27.02.2026 09:43
@dg2210 Hä? Wo habe ich denn geschrieben, dass das Problem NICHT auf Anlegerseite liegt? Es geht genau darum, DASS das Problem auf Anlegerseite liegt 😉 Wieso hat jemand mit "signifikanten" Beständen in einem ETF ein Problem? Ich sprach explizit von signifikanten Beständen "aus der Sicht kleiner Anleger". Wenn ich ein, sagen wir, Depot in Größe von 200.000 € besitze und davon 50.000 € aus Wertzuwachs eines bestimmten ETFs bestehen, dann ist das für mich sehr wohl problematisch, wenn ich das nun verkaufen würde, denn durch das vorzeitig ausgelöste Steuerereignis wirft das meine mühsamen Bestrebungen irgendwann ein paar Jahre vor der Rente vielleicht mal die finanzielle Freiheit zu erreichen, zurück. Und nochmal: Es geht nicht um die "schwankende Ausschüttung" - drücke ich mich da wirklich so unklar aus?
Der LYX0AG ist als Swapper ein Dickschiff mit einem Fondsvolumen von 9,5 Milliarden Euro doch nicht vorrangig für Privatanleger konzipiert. Solche Volumina sammelt man nicht ein, weil ein paar zehntausend deutsche Privatanleger beschließen, ihren Steuerfreibetrag zu optimieren. Solche Summen entstehen, weil Profis hunderte Millionen auf einen Schlag dort parken.
@ae Ja, super Beispiel 😉 Es wird halt einfach nicht geliefert wie bestellt. Und retournieren oder umtauschen geht halt nicht so ohne Weiteres, da der Versender die Versandkosten der Rücksendung nicht übernimmt, haha