am 02.03.2026 00:06
Ich versuche mal die Blick als "Praktiker": Ich bin 62 und habe immer meine finanzielle Seite im Blick gehabt. Eins ist mir im Laufe des Lebens aber bewusst geworden: Leben tut man nur einmal und Geld braucht man eben vor allem, wenn man jung ist (20 - 40 Jahre). Wenn man es also schafft, in jungen Jahren dennoch immer etwas auf die Seite zu legen, dann hat man immer Alter keine Probleme.
Zum Thema "Versorgungslücke": Meines Erachtens passt das Wort überhaupt nicht. Tatsächlich hängt doch mein verfügbares Vermögen (im Alter) vorrangig davon ab, wie viel und wie viele Jahre ich gut verdient habe. Wenn ich im Laufe des Lebens zu wenig verdient habe, dann kann ich gleichzeitig ja gar nichts auf die Seite legen "für das Alter". Wenn ich aber immer ausreichend gut verdient habe und deshalb Vermögen ansammeln kann, dann werde ich im Alter immer genügend Rücklagen haben, weil meine Ansprüche so ab >60 Jahre deutlich geringer ausfallen als mit 30 Jahren (war zumindest bei mir so).
P.S. Was 'ausreichend gut verdient' heißt, darf jeder für sich selbst festlegen.
am 02.03.2026 10:53
grundsätzlich hast Du schon recht. Wenn man in jungen Jahren (bis 40) nur soviel verdient dass man gerade so über die Runden kommt, wird’s wirklich schwierig.
Die grössere Herausforderung sehe ich darin, selbst wenn das Einkommen ausreichend ist, sich dazu aufzuraffen und paar Euros für später, sprich Rentenalter, zu investieren.
Quasi wie die sprichwörtliche schwäbische Hausfrau, mit dem Unterschied statt dem Kopfkissen den Aktienmarkt zu wählen.
Es gibt genügend Beispiele an prominenten Persönlichkeiten und solcher die sich dafür halten, welche zeigen wie man es schafft viel Geld zu verdienen und im Alter oder bei Krankheit das sozialsystem in Anspruch nehmen zu müssen. Vom Filmstar bis zum Spitzensportler.
Es kommt auch auf die persönliche Situation darauf an, Nein! Nein! Keine Ausrede.
Wer Familie mit Kinder hat, braucht keine Ausreden 😉
Nicht jeder kann diesem Tim Schäfer (Blogger) hinterher eifern. Der hat weder Frau noch Kind.
Jetzt bitte nicht falsch verstehen, denn das starke Geschlecht ist meistens nicht das Problem sondern eher die Lösung.
Für die Damen wird’s dann eher noch schwieriger die noch größere Rentenlücke auszugleichen, durch die viel diskutierten und für mich fragwürdig schlecht bezahlten Teilzeitjobs oder wenn der Göttergatte lieber einen dicken Fahruntersatz fährt als ein angemessenes Auto, oder noch nie was von dieser sprichwörtlichen schwäbischen Hausfrau gehört hat, oder das Beissl um die Ecke so verlockend ist.
Meine Rentenlücke ist relativ klein und sollte mit Depot locker ausgeglichen sein. Da fühle ich mich relativ bevorteilt.
Long story short: Gebe nie mehr Geld aus als rein kommt und achte darauf dass am Ende des Geldes kein Monat übrig ist.
gruss ae
am 02.03.2026 12:23
diesen Zeilen ist nichts hinzuzufügen,
hier wurde ein lebensnaher Beitrag eingestellt.
Grüße
Daniel & Vaddern
am 02.03.2026 13:00
@Debianer schrieb:.., weil meine Ansprüche so ab >60 Jahre deutlich geringer ausfallen als mit 30 Jahren (war zumindest bei mir so).
...
Ich bin ja erst in den 50ern, kann aber nicht feststellen dass meine Ansprüche geringer ausfallen.
Die waren nämlich immer sehr niedrig und ich habe trotzdem ein für mich erfülltes und gutes Leben bisher gehabt.
Außerdem weiss man ja auch nicht was noch kommt. Ich denke da so eher in die Richtung Pflegefall.
Da muss man schon sehr sehr gut finanziell aufgestellt sein um selbstbestimmt dann entscheiden zu können (bezgl. Unterbringungskosten etc.)
Gruß Morgenmond
am 02.03.2026 15:38
@Joerg78 schrieb:In diesem Thread möchte ich mal fragen, wie ihr eure Versorgungslücke im Alter berechnet bzw. welche Annahmen ihr der Berechnung zugrunde legt.
Um ehrlich zu sein bin ich da eher pragmatisch als wissenschaftlich unterwegs.
Es gibt derart viele Einflussfaktoren die alle nur geschätzt werden können, so dass am Ende eine höchst unsichere Zahl rauskommt. Das größte Problem ist, dass man bei der Bestimmung des Zielbetrages meist den Normalfall annimmt, vereinfach ausgedrückt also einen Lebensstil wie man ihn kennt, nur mit mehr Freizeit. Der liege (um nur beispielhaft eine Zahl zu nennen) bei 3.000 €, wovon man seine als gesichert betrachteten Ansprüche aus der gesetzlichen oder der betrieblichen Rentenversicherung abzieht und schwupps, steht eine Zahl auf dem Papier.
Der größte Unsicherheitsfaktor ist aber nicht die Inflationsrate, eventuelle Steueranpassungen oder Rentenerhöhungen. Der größte ist eine nicht vorhergesehene Abweichung des Lebensstils, sei es aufgrund von Pflegebedürftigkeit, Todesfall des Partners oder auch Trennung. Ich habe mir abgewöhnt anhand wackeliger Annahmen eine Pseudosicherheit erzielen zu wollen, bei der es um die Frage geht ob die Lücke nun 500 €, 800 € oder 1.200 € beträgt, wenn auf der anderen Seite quasi über Nacht eine neue Situation entshehen kann und wir plötzlich über 3.000 € oder 4.000 € reden.
Einfacher Ansatz: Alles was ich derzeit nicht brauche kann zur Seite gelegt werden. Mein aktuelles Gefühl sagt mir, das dadurch entstehende Polster dürfte bis zum entscheidenden Moment dick genug sein. Ob ich dabei eventuell sogar übers Ziel hinausschieße ist mir relativ egal, da ich dafür im Hier und Jetzt keine schmerzhaften Einschnitte aushalten muss.
Es gilt die alte Devise "haben ist besser als brauchen" und ohnehin weiß ich nicht wann dieser entscheidende Moment kommen wird. Es soll schon Leute gegeben haben, die ungeplant vor dem Regelrentenalter aus der Bahn geworfen wurden, so dass sich deren vorher prognostizierte Rest-Ansparphase schlagartig auf Null verkürzt hat. Auch das will bedacht sein.
am 02.03.2026 17:06
Versorgungslücke?
Ein Kunstbegriff, um tausenden schwarzer Schafe der Finanzindustrie ihr monatlichen Auskommen zu sichern.
Die größten Deppen haben die größten Lücken, siehe Haushaltslücken des Bundes oder die Berliner sind da sogar noch besser.
Wenn sich eine Lücke auftut, muss man sie stopfen. Genau, irgendwie und wenn es denn sein soll, muss man auch mal die eigenen Ansprüche runterschrauben können.
Wer das nicht schafft, hat nix im Leben gelernt!
Es tut echt weh zu sehen, was von der BAV oder einer Direktversicherung an Steuern und Krankenkassenbeiträgen verschwindet. Das wusste man vorher schon, aber wenn fällig wird, tut es doch weh.
Die Sache mit der Pflege....
Besser nicht in Pflege gehen müssen.
am 02.03.2026 17:40
> Die größten Deppen haben die größten Lücken ...
> Wer das nicht schafft, hat nix im Leben gelernt!
Die Aussagen sind für eine größere Zahl von Menschen gemein und defamierend. Es gibt eben Menschen, die sehr gut mit Geld umgehen können, weil sie die mathematischen Hintergründe verstehen. Wenn man bedenkt, dass annähernd 50% der deutschen Bevölkerung deutliche Probleme mit Mathematik hat, zudem eine größe Zahl von Menschen Legasteniker sind, dann muss ich feststellen, dass es eben nicht jedem gegeben ist, die eigenen Finanzen zu überblicken oder auch Verträge in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen. Zynisch daran ist also eher, dass solche Menschen als leichte Beute der Finanzbranche gesehen werden.
am 02.03.2026 17:50
@Debianer schrieb:Wenn man bedenkt, dass annähernd 50% der deutschen Bevölkerung deutliche Probleme mit Mathematik hat, zudem eine größe Zahl von Menschen Legasteniker sind, dann muss ich feststellen, dass es eben nicht jedem gegeben ist, die eigenen Finanzen zu überblicken oder auch Verträge in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen.
Hast Du für die 50% eine Quelle?
am 02.03.2026 17:55
Die Aussage von @TutsichGut war vielleicht ein wenig pauschal und bewusst provozierend.
Finanzielle Armut - ich beschränke mich mal hier auf Deutschland - hat selten nur eine einzelne Ursache.
Meistens sind mehrere Gründe zusammen dafür verantwortlich - und nicht für jeden kann ein Betroffener zwingend was.
Jedoch ist die Anzahl der Leute, welche es besser haben könnte - wenn man sich nur entsprechend engagieren würde - auch nach meiner größer als man gemeinhin denkt.
Das hat aber auch sehr viel mit wirklich wollen und dem inneren Schweinehund zu tun.
Wenn diese Voraussetzung vorhanden ist, und man nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, gibt es - nach heutigem Stand - immer eine Chance zumindest nicht arm zu sein. Jedenfalls dauerhaft.
Es kann schon sein, dass Betroffene das nicht von heute auf morgen ändern können - dass eine positive Änderung auch mal Jahre braucht. Aber dazu bedarf es auch der notwendigen Ausdauer - wenn man das klar gesteckte (und nicht unrealistische) Ziel erreichen will.
Das kann (und wird oft) ein steiniger Weg sein - aber wer diesen Weg geht wird immer gewinnen: manchmal vielleicht nur an Erfahrung. Oft aber auch deutlich mehr als man vorher erwartet hätte.
Gruß Crazyalex
am 02.03.2026 18:02
@Ali Konkret schrieb:
@Debianer schrieb:Wenn man bedenkt, dass annähernd 50% der deutschen Bevölkerung deutliche Probleme mit Mathematik hat, zudem eine größe Zahl von Menschen Legasteniker sind, dann muss ich feststellen, dass es eben nicht jedem gegeben ist, die eigenen Finanzen zu überblicken oder auch Verträge in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen.
Hast Du für die 50% eine Quelle?
Eine berechtigte Frage!
...aber ich würde mich gar nicht an dieser Zahl festklammern wollen: Mathematik ist eine Geisteswissenschaft.
Man muss in der Schule nicht zwingend gut darin gewesen sein, um im späteren Leben zurechtzukommen.
Aber man sollte eben im späteren Leben bereit sein, das was man in der Schule nicht gelernt hat ggf. sich selber nochmal anzueignen.
Ist nicht immer einfach - aber es ist auch nicht unmöglich.
Das Gehirn passt sich doch auch den Anforderungen an. Salopp und provokant formuliert: Ich habe die Wahl, ob ich RTL2 oder das Telekolleg in ARD alpha anschaue - und wo ich dabei "mitdenke" 😉
(...oder natürlich auch jede andere Bildungsmöglichkeit - da gibt es ja heutzutage extrem viele Möglichkeiten - man muss sie nur nutzen!)
Gruß Crazyalex