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Vorabpauschale (aktualisiert für 2025)

Joerg78
Mentor ★★★
3.231 Beiträge

Nachdem in den letzten Jahren der für die Berechnung der Vorabpauschale relevante Basiszinssatz negativ war, schaut das in diesem Jahr anders aus. Da immer wieder Fragen zur Vorabpauschale (Was ist das? Wie wirds berechnet? Was wird wann abgezogen?) auftauchen, möchte ich versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen auf ein paar Punkte einzugehen.

Disclaimer: Dies ist keine Steuerberatung o.Ä., ich führe hier mein persönliches Verständnis der Vorabpauschale auf. Bei steuerlichen Fragen sollte immer der Steuerberater kontaktiert werden, in der Community können und dürfen wir keine Beratung zu Steuerthemen vornehmen!

 

Die Vorabpauschale wurde mit der Reform des Investmentsteuergesetz 2018 eingeführt; sie gilt für Investmentfonds und sollte die bis dahin geltende Ungleichheit der Besteuerung unterschiedlicher Fonds-Typen beseitigen, denn gerade bei ausländischen thesaurierenden Fonds gab es einen Steuerstundungseffekt.

Jetzt gilt für alle Fonds: Abhängig von der Wertsteigerung des Fonds, des Basiszinssatzes und ggf. Ausschüttungen wird eine Vorabpauschale ermittelt, die versteuert werden muss. Wie war berechnet wird, wird im schönsten Juristendeutsch in §18 InvStG "erklärt"; dort steht in Absatz 1 u.a. das hier:

 

Die Vorabpauschale ist der Betrag, um den die Ausschüttungen eines Investmentfonds innerhalb eines Kalenderjahres den Basisertrag für dieses Kalenderjahr unterschreiten. Der Basisertrag wird ermittelt durch Multiplikation des Rücknahmepreises des Investmentanteils zu Beginn des Kalenderjahres mit 70 Prozent des Basiszinses nach Absatz 4. Der Basisertrag ist auf den Mehrbetrag begrenzt, der sich zwischen dem ersten und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis zuzüglich der Ausschüttungen innerhalb des Kalenderjahres ergibt.

 

Schön, nicht?

Dröseln wir das mal auseinander, beginnend mit Satz 2, nämlich dem Basisertrag: Der berechnet sich aus dem Fondswert zu Beginn des Jahres (also jetzt 2023), multipliziert mit 70% des Basiszinses; der wurde für 2023 auf 2,55%, für 2024 auf 2,29% und für 2025 auf 2,53% festgelegt.

 

Nehmen wir also mal einen nicht-ausschüttenden Fonds XY, der hat fiktiv zum 1.1.2025 einen Wert von 100€ gehabt.

Der Basisertrag pro Fondsanteil liegt dann bei 100 * 70% * 2,53% = 1,771€ (100 * 0,7 * 0,0253).

 

Am Jahresende kommt dann der Jahresendwert ins Spiel - daraus wird die Wertsteigerung berechnet und Satz 3 kommt ins Spiel: Ist die Wertsteigerung höher oder gleich dem Basisertrag (=> Rücknahmepreis eines Fondsanteils >= 101,771€), bleibt der Basisertrag unverändert; ist die Wertsteigerung geringer (Fondsanteil < 101,771), dann entspricht der Basisertrag dieser Wertsteigerung (bei einem Rücknahmepreis von 101€ am 31.12.2025 wäre der Wertzuwachs 1€ => Basisertrag = 1€).

 

Vereinfacht wird angenommen, dass innerhalb des Jahres keine Käufe oder Verkäufe stattgefunden haben - dann wird zum Jahresende der Basisertrag mit der Anzahl der gehaltenen Fondsanteile multipliziert: Das Ergebnis ist dann die persönliche Vorabpauschale, die dann versteuert werden muss (mehr dazu unten).

 

Bei einem ausschüttenden Fonds werden vom Basisertrag noch die Ausschüttungen (pro Anteil) abgezogen - und damit sind wir bei Satz 1 des o.g. Gesetzes: Sind die Ausschüttungen geringer als der Basisertrag, wird dennoch eine Vorabpauschale besteuert!

 

Zu beachten ist auch: Die Vorabpauschale kann nie negativ werden!

 

 

Hier mal 5 Berechnungen für 2025 ("gute Wertentwicklung" bzw. "schlechte Wertentwicklung" dient hier nur der Vergleichbarkeit!).

 

1. thesaurierender Fonds - gute Wertentwicklung

 

Jahresanfangswert je Anteil100€
Jahresendwert je Anteil102€
Wertzuwachs2€
Basisertrag1,771€ (100€ * 0,7 * 0,0253)
Vorabpauschale pro Anteil1,771€

 

 

2. thesaurierender Fonds - schlechte Wertentwicklung

 

Jahresanfangswert je Anteil100€
Jahresendwert je Anteil101€
Wertzuwachs1€
Basisertrag1,771€ (100€ * 0,7 * 0,0253)
Vorabpauschale pro Anteil
1€ (Wertzuwachs geringer als Basisertrag)

 

 

3. ausschüttender Fonds - gute Performance

 

Jahresanfangswert je Anteil100€
Jahresendwert je Anteil101€
Ausschüttung je Anteil2€
Wertzuwachs3€ (1€ aus Kursdifferenz zzgl. 2€ Ausschüttung)
Basisertrag1,771€ (100€ * 0,7 * 0,0253)
Vorabpauschale pro Anteil
0€ (Basisertrag abzgl. Ausschüttungen)

 

 

4. teil-ausschüttender Fonds - gute Performance

 

Jahresanfangswert je Anteil100€
Jahresendwert je Anteil102€
Ausschüttung je Anteil1€
Wertzuwachs3€ (2€ aus Kursdifferenz zzgl. 1€ Ausschüttung)
Basisertrag1,771€ (100€ * 0,7 * 0,0253)
Vorabpauschale pro Anteil
0,771€ (Basisertrag abzgl. Ausschüttungen)

 

5. ausschüttender Fonds - schlechte Performance

 

Jahresanfangswert je Anteil100€
Jahresendwert je Anteil100€
Ausschüttung je Anteil1€
Wertzuwachs

1€ (1€ aus Ausschüttung)

Basisertrag1,771€ (100€ * 0,7 * 0,0253)
Vorabpauschale pro Anteil
0€ (Wertzuwachs geringer als Basisertrag => 1€, abzgl. Ausschüttung = 0€)

 

 

 

Wie wird besteuert?

Es wird die Vorabpauschale (Berechnung s.o.) mit der Anzahl der gehaltenen Fondsanteile multipliziert und dann mit der Kapitalertagssteuer + Soli + ggf. Kirchensteuer besteuert. Je nach Fondsart greifen aber auch hier Teilfreistellungen (z.B. bei Aktienfonds 30%). Auch ein Freistellungsauftrag wird berücksichtigt. Es wird also nicht der Wert der Vorabpauschale an sich als "zu versteuernder Betrag" festgesetzt, sondern die Vorabpauschale selbst wird mit der Steuer belegt!

 

Wann wird besteuert?

Die Besteuerung erfolgt Anfang des folgenden Kalenderjahres, denn: Die Vorabpauschale für 2025 gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen. Somit greift die Besteuerung im Jahr 2026 (und eine Belastung des Sparerfreibetrages ebenfalls im Jahr 2026).

 

Wird mir die Vorabpauschale gutgeschrieben?

Nein, es handelt sich um eine vorgezogene Besteuerung, daher erfolgt der Zufluss der Vorabpauschale als "fiktiv".

 

Wie wird beim Verkauf besteuert?

Beim Verkauf eines Wertpapieres wird der Veräußerungsgewinn besteuert - abzüglich bereits festgesetzter Vorabpauschalen (ansonsten hätte man eine Doppelbesteuerung), siehe §19 Abs. 1 InvStG .

 

Ich habe einen Fondsanteil im Laufe des Jahres verkauft - wird dennoch eine Vorabpauschale erhoben?

Nein, zum Jahresende nicht mehr gehaltene Fondsanteile unterliegen keiner Vorabpauschale (die Besteuerung erfolgte ja bereits durch den Verkauf).

 

Ich habe im Laufe des Jahres Fondsanteile gekauft - wird wird hier die Vorabpauschale berechnet?

Die Vorabpauschale wird anteilig berechnet, und zwar ab dem Monatsersten, in dessen Monat entsprechende Anteile gekauft wurden (wurden Fondsanteile am 30.11. eingebucht, so werden dennoch volle 2 Monate berücksichtigt!); in die Berechnung fließt nichtsdestotrotz immer der Jahresanfangswert ein! Dies kann zur interessanten Konstellation führen, dass trotz Buchverlust eine Vorabpauschale einbehalten werden kann (Beispiel: Jahresanfangswert 100€, Jahresendwert 104€, Kaufkurs im November 106€).

 

Wie wird die Steuer eingezogen?

Normalerweise wird die Steuer vom Verrechnungskonto der depotführenden Bank eingezogen; reicht das Guthaben nicht aus, wird ein ggf. eingeräumter Dispositionskredit (Vorsicht: Überziehungszinsen!) ausgenutzt. Reicht auch das nicht aus (weil kein Dispo vorhanden oder bereits ausgeschöpft), wird die Steuer nicht einbehalten und das Finanzamt informiert.

 

Gibt es nicht auch einen Rechner, der mir die konkrete Höhe der zu bezahlenden Steuer berechnet?

Den gibt es, beispielsweise wurde bei Finanzfluss ein entsprechender Rechner programmiert (danke an @digitus für den Link!); dieser berücksichtigt (wie alle anderen von mir gefundenen Rechner) allerdings keine unterjährigen Zukäufe.

 

 

Ich hoffe, dass das Thema "Vorabpauschale" und dessen Besteuerung etwas klarer geworden ist.

 

Am Ende nochmals der Hinweis (man muss sich ja rechtlich absichern): Dies war keine Steuerberatung, nur mein persönliches, niedergeschriebenes Verständnis der entsprechenden Themenblocks.



Letzte Bearbeitung: 13.12.2025, Ergänzung/Anpassung für Vorabpauschale 2025

 

 

270 ANTWORTEN

Quave
Beobachter
2 Beiträge

Guten Tag, ich habe mich gerade gewundert, dass bei meinem ausschüttenden ETF (WKN: A12CX1) eine Vorabpauschale abgebucht wurde. Dabei hat der eine Ausschüttungsrendite von (laut vanguard aktuell) 1,38 %. Aus der Abrechnung von comdirect geht hervor, dass die im letzten Jahr gezahlte Steuer auf die Ausschüttungen überhaupt keine Berücksichtigung gefunden hat, jedenfalls ist nichts dergleichen ersichtlich. Ich bin total verwirrt und dachte immer, dass auf einen halbwegs normal ausschüttenden ETF keine Vorabsteuer fällig wird. Die Abrechnung der comdirect kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Ist es realistisch, dass man bei der genannten Ausschüttungsrendite überhaupt noch was zahlt?

SlowTrader
Autor ★★
125 Beiträge

Hmm, 2,53% mal 0,7 sind 1,77%.

Da sind die 1,38% natürlich zu wenig und der Rest wird dann fällig.

Quave
Beobachter
2 Beiträge

Das ist ja ärgerlich, naja, aber die aufgezeigte Rechnung macht Sinn und ist deutlich einfacher zu verstehen, als vieles, was man zur Vorabsteuer liest. Vielen Dank!

Torquemada
Experte ★
151 Beiträge

Dieser Vorabpauschalenquatsch gehört radikal vereinfacht. Ist doch ein Witz wenn schon ein Neobroker schreibt: "Da die Höhe von verschiedenen Faktoren abhängt, können wir den Betrag vorab nicht bestimmen."  Wenn die das nicht können, wie soll das der Depotinhaber centgenau?

 

Von der Comdirect habe ich vor paar Tagen eine Abrechnung für einen ETF erhalten, für den anderen nicht. Hab mehre Onlinerechner im Internet ausprobiert... da kommen teilweise ganz andere Zahlen heraus die sich allenfalls der Comdirect-Abrechnung annähern. Ich nehme an, jeder einzelne Sparplankauf müsste da separat verrechnet werden. Was für ein Unding... 

 

Dann noch so kluge Hinweise, man solle genug Geld aus dem Verrechnungskonto vorhalten weil es sofort verbucht wird. Da sollte es mindestens eine Woche Abstand geben. 

Floppy85
Mentor ★
1.405 Beiträge

@Torquemada  schrieb:

 

Dann noch so kluge Hinweise, man solle genug Geld aus dem Verrechnungskonto vorhalten weil es sofort verbucht wird. Da sollte es mindestens eine Woche Abstand geben. 


Deshalb gibt es ja noch den Freistellungsauftrag.

Joerg78
Mentor ★★★
3.231 Beiträge

@Floppy85  schrieb:
Deshalb gibt es ja noch den Freistellungsauftrag.

Je nach Depotgröße reicht dieser allerdings nicht aus (insbesondere dann im nächsten Jahr, wenn vermutlich auch Ausschütter betroffen sind).

Manche Depotbanken schicken vorab einen groben Schätzwert (wobei der im Fall von Scalable schon ziemlich zu hoch gegriffen war), andere lassen es wohl darauf ankommen.

 

@Torquemada Ja, jeder Sparplankauf muss separat berechnet werden, es zählen dabei immer ganze Monate, die man den entsprechenden Fonds besitzt.

 

Viele Grüße,

Jörg

 

microsparer
Experte ★★★
560 Beiträge

@Floppy85  schrieb:

Deshalb gibt es ja noch den Freistellungsauftrag.


ich hätte es ja auch eigentlich nicht für möglich gehalten, aber den kann ein ein Stop Loss auch Mitte Januar aufgebraucht haben. 😉

GetBetter
Legende
8.162 Beiträge

@Joerg78  schrieb:

Ja, jeder Sparplankauf muss separat berechnet werden, es zählen dabei immer ganze Monate, die man den entsprechenden Fonds besitzt.


Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden: der Monat des Kaufs zählt dabei mit.

Für im November gekaufte Anteile sind also 2 Monate anzusetzen.

Fix1
Experte ★★★
533 Beiträge

Moin, Leute!

Eine Frage an die Experten hier: Von wo holt ihr möglichst unkompliziert die maßgeblichen Wertpapierkurse (in EUR)  der 0815ETF zum Jahresbeginn (und -ende)? Ich habe da so ein paar ETF in meiner Familie und will die von der comdirect berechneten Vorabpauschalen möglichst Cent-genau nachvollziehen können, um meinen inneren Monk zu befriedigen. Betrachtet es deswegen bitte als eine akademische Diskussion. 🙂

Nehmen wir mal als Bespiele folgende ETF (für die habe ich nämlich schon die Abrechnungen):
LYX0AG
A2PKXG

Mit den von der jeweiligen Fondsgesellschaft ermittelten NAV-Werten komme ich bei den o.g. Fonds auf Differenzen. Käufe innerhalb des letzten Jahres haben dabei naürlich nicht stattgefunden. Das kann also nicht der Grund sein. 

Danke schön!

Lukas

Pramax
Legende
3.801 Beiträge

Hallo @Fix1 

 

Probier's mal über den folgenden Link:

 

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Gruß, Pramax

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Wenn schon Unsinn, dann muss es ein Kaiserschmarrn sein.