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Mein Abschied nach 12 Jahren comdirect - Die Geschichte einer Entfremdung

antlion
Autor ★★
12 Beiträge

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im nachfolgenden Text auf die Nennung des vollständigen Namens „comdirect - eine Marke der Commerzbank AG“ verzichtet.

 

Ich hatte im „comdirect 2.0“ Thread von @Crazyalex schon erwähnt, dass ich im Dezember entschieden habe die comdirect nach vielen Jahren endgültig zu verlassen. Während sich der Prozess der Girokontoauflösung bereits seit 20 Tagen hinzieht (kenne ich so von keiner anderen Bank, scheint aber ein Symptom der tieferliegenden Probleme zu sein), lasse ich gerade nochmal meine letzten 12 Jahre mit der comdirect und die schleichende Entfremdung Revue passieren. Vielleicht interessiert es den ein oder anderen (ansonsten den Thread bitte einfach ignorieren). Eventuell liest hier sogar jemand mit, der in der Lage ist vielleicht doch noch eine Richtungskorrektur bei der comdirect vorzunehmen.

 

Die Geschichte beginnt im Januar 2014. Ich weiß heute schon gar nicht mehr so genau, warum ich das Girokonto bei der comdirect überhaupt eröffnet habe. Vermutlich weil ich die comdirect für eine total coole und moderne Bank gehalten hatte. Das kann man sich heute zwar nicht mehr vorstellen, aber damals gab es noch keine hippen FinTechs wie man sie heute kennt und die comdirect hatte den traditionellen Banken tatsächlich noch etwas voraus. Es war jedenfalls von Anfang an nur als Zweitkonto gedacht. Ich hatte immer mal wieder Geld auf das Konto überwiesen und es hauptsächlich für alltägliche Kartenzahlungen genutzt. Das war damals noch die graue Girocard, Vorgängerin der silber/matten Girocard. Die hatte ich sehr gerne genutzt und sie hat immer zuverlässig funktioniert.

 

Nachdem ich schon seit Jahren bei einem anderen Broker ein Depot hatte und dort etwas Buy-and-hold von Einzelaktien betrieben hatte, habe ich aufgrund der anhaltenden Nullzins-Politik entschieden verstärkt in Wertpapiere zu investieren. Neben Einzeltiteln hauptsächlich in ETFs und das auch über entsprechende Sparpläne. Im Jahr 2018 habe ich deshalb bei der comdirect zusätzlich noch ein Wertpapierdepot eröffnet. Um jederzeit ausreichend Liquidität zu haben, habe ich in der Folge auch das comdirect Girokonto zum meinem Hauptkonto gemacht, sowohl die Gehaltszahlungen als auch sämtliche Abbuchungen hierhin verlagert, und auch den Großteil meines Tagesgeldbestands habe ich auf das TagesgeldPlus-Konto bei der comdirect verschoben, es gab ja anderswo auch kaum noch Zinsen.

 

Die erste große Ernüchterung kam schon ein Jahr später, als 2019 durch ein technisches Problem an einem bestimmten Tag sämtliche Lastschriften abgewiesen wurden, und zwar ohne dass der Kunde dies auf seinem Konto überhaupt selbst bemerkt hätte. Somit hat die comdirect für die erste und einzige Rücklastschrift in meinem Leben gesorgt und ich konnte das dann anschließend ausbaden, und bei AMEX nur noch darum bitten, mir dies nicht negativ auf meine Bonität und das (unbekannte) Verfügungslimit anzurechnen.

 

Der eigentliche Kipppunkt fiel dann zeitlich zusammen mit der Übernahme durch die Commerzbank. Ich denke es fing an mit der Visa Debitkarte, die man mir 2020 unaufgefordert zugeschickt hat (furchtbare Farbe und unglaublich billiges Plastik) und dem kurz darauffolgenden Austausch meiner silbernen Girocard gegen die neue grün/gelbe Karte im Jahr 2021. Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich dieses Gefühl von finanzieller Ohnmacht an der Ladenkasse verspürt. Noch nie zuvor hatte ich je auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass ich beim Bezahlen ein Problem bekommen könnte, weil die Karte nicht wie vorgesehen funktioniert. Die Nutzung der beiden unzuverlässigen Karten habe ich dann auch relativ schnell eingestellt und diese gleich komplett aus meinem Portemonnaie entfernt.

 

Etwas später habe ich dann nach und nach meine Wertpapieraktivitäten zu einem anderen Broker verlagert. Langsam hat sich das Depot durch Überträge und Verkäufe geleert. Das kam hauptsächlich dadurch, dass die comdirect offensichtlich nicht bereit ist an den Konditionen zu rütteln, egal wie sich der Markt entwickelt. Insbesondere die Sparplangebühren sind meines Erachtens nicht mehr wettbewerbsfähig. Dazu kommen noch die ganzen Eigenarten, die man so von keinem anderen Broker kennt, und gefühlt eigentlich immer nur einen zusätzlichen Griff in die Tasche des Kunden darstellen, auch wenn es von der Bank oft versucht wird so darzustellen als ob es nicht in ihrem Einflussbereich läge. Da wären z.B. die Clearstream-Gebühren, dann die selbst festgelegten Wechselkurse, die definitiv nicht zum Vorteil des Kunden sind. Da ist die Eigenart Zahlungen in Fremdwährung grundsätzlich zwei Bankarbeitstage hinauszuzögern, und anschließend dann noch nicht mal mit der korrekten Wertstellung zu buchen. Und da ist die gegenüber anderen Brokern oft extrem lange Dauer für die Umsetzung von Kapitalmaßnahmen, die den Kunden teils über mehrere Wochen handlungsunfähig zurücklässt, während er die neue Aktiengattung bei anderen Brokern bereits von Tag 1 an handeln kann. Schuld an allem sind hier dann aber natürlich immer die anderen.

 

Auf dem Tagesgeldkonto der comdirect hatte ich über Jahre hinweg durchgängig einen mittleren fünfstelligen Betrag geparkt - komplett unverzinst versteht sich. Als die EZB den Einlagensatz im Dezember 2022 bereits auf 2% erhöht hatte, bekam ich von der comdirect die Mitteilung, dass man sich freut mir zukünftig wieder 0,3% Zinsen zu bezahlen. Was für ein großzügiger Schritt, man hätte ja durchaus auch erstmal vorsichtig mit 0,1% anfangen können. Noch bevor die Zinserhöhung in Kraft getreten ist, habe ich das Konto abgeräumt und das Geld bei einem anderen Broker in einen Geldmarktfonds investiert. Unter keinen Umständen wollte ich nach dem Drama in 2022 mit den falsch berechneten Steuern, teils absurd hohen Steuerabzügen und der Unfähigkeit der Bank bis in den Herbst hinein überhaupt eine korrekte Steuerbescheinigung auszustellen, hier überhaupt noch einmal steuerpflichtige Kapitalerträge generieren. Und erst recht nicht für gönnerhafte 0,3% Zinsen. Das Tagesgeldkonto wurde von diesem Tag an nie wieder von mir genutzt. Was die Verzinsung angeht habe ich dadurch in den letzten Jahren auch definitiv nichts verpasst.

 

Im Jahr 2023 habe ich dann das Depot aufgelöst, weil es schon seit einiger Zeit leer war und ich wie gesagt unter keinen Umständen noch einmal steuerpflichtige Kapitalerträge bei der comdirect haben wollte. Außerdem kam ich mir schon länger etwas veralbert vor, nachdem man bestimmten Neukunden mittlerweile schon Konditionen analog Trade Republic einräumt (1 € pro Trade + Zinsen gekoppelt an EZB-Einlagensatz), während die langjährigen Bestandskunden die Party bezahlen sollen. Dazu die unsäglichen Fußnoten überall und die Werbung mit Angeboten, die angeblich kostenlos sein sollen, aber in Wirklichkeit gar nicht kostenlos sind. Weil 0 € bedeutet in der comdirect-Logik eben nicht, dass man auch 0 € bezahlt. Seriös sieht meines Erachtens anders aus.

 

Es blieb zuletzt noch das Girokonto übrig. Während ich den kartengestützten Zahlungsverkehr schon seit Jahren nur noch über die Kreditkarte (nicht comdirect) abgewickelt hatte, liefen die übrigen Umsätze weiterhin über das comdirect Girokonto. Mit der Zeit haben sich aber die Probleme im Zahlungsverkehr immer mehr gehäuft. Es gab immer wieder Probleme mit Daueraufträgen, mit Lastschriften, mit der regelmäßigen aber grundsätzlich nie angekündigten Deaktivierung von Echtzeitüberweisungen, teils über mehrere Tage hinweg. Irgendwann war auch mal über Stunden gar kein Login mehr möglich. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass die Bank nicht mehr in der Lage ist einen verlässlichen Zahlungsverkehr bereitzusstellen. Das hat bei mir zunehmend zu einem unguten Gefühl geführt, beim Thema Finanzen muss ich mich auf meinen Anbieter uneingeschränkt verlassen können. In der Folge habe ich mein Hauptkonto zu einer anderen Bank verlagert. Das comdirect Girokonto hatte ich dann zuerst durch drei Micro-Payments im Monat über ApplePay (meist 3 x 1€ an der SB-Waschanlage) kostenfrei gehalten, als mir das zu blöd wurde, durch monatlich 700€ Echtzeitüberweisung vom anderen Girokonto hin und direkt wieder zurück. Auch das war mit jetzt zu blöd, weil mir mittlerweile kein Grund mehr einfällt, für was ich dieses Girokonto noch benötigen könnte.

 

Die Kontoauflösung scheint bei der comdirect auch ein sehr eigenartiger Prozess zu sein, ich stelle mir zunehmend die Frage, welche Hebel dort im Maschinenraum jetzt erstmal der Reihe nach von unterschiedlichen Personen umgelegt werden müssen. Bei anderen Banken klickt man auf „Kündigen“, danach ist das Konto aufgelöst, der Zugang gesperrt und ein paar Tage später kommt per Post noch der Abschlusskontoauszug. Bei der comdirect zieht sich das jetzt seit 3 Wochen hin, ich kann bis heute auf mein Konto zugreifen. Folgendes ist bisher passiert:

 

20.12. (Tag 1)

Kündigung der Kundenverbindung im Persönlichen Bereich. Danach ist einfach mal 10 Tage lang gar nichts passiert, außer dass mir beim Login (bis heute noch) ein Hinweis angezeigt wird, dass meine Kündigung bearbeitet wird. Ich konnte weiterhin auf alle Funktionen des Giro- und Tagegeldkontos zugreifen, das Kontomodell wechseln, etc.

30.12. (Tag 11)

Ich erhalte ich die Kündigungsbestätigung im Postfach. Wie kann das so lange dauern ein Standard-PDF zu erzeugen? Die Deutsche Post kann da sicherlich nichts dafür.

01.01. (Tag 13)

Das Tagesgeldkonto verschwindet aus der Übersicht, Girokonto ist weiterhin da.

06.01. (Tag 18)

Es erscheint plötzlich ein vorgemerkter Umsatz in Höhe von 0,98 €.

07.01. (Tag 19)

Die 0,98 € werden gebucht, das Konto ist erstmals seit 12 Jahren im Soll (der Kontostand wird dann also rot angezeigt, interessant…). Laut Buchungstext handelt es sich um das Kontoführungsentgelt für den Zeitraum 01.01.2026 bis 06.01.2026.

Das Girokonto wird plötzlich zum "Verrechnungskonto", die Visa Debit erscheint als gesperrt, Überweisungen sind nicht mehr möglich.

08.01. (Tag 20)

Per Post erhalte ich den ausgedruckten Finanzreport für Dezember. Den Finanzreport hatte ich schon längst heruntergeladen und ich könnte ihn auch heute noch selbst herunterladen.

Über Nacht wurde das Girokonto bei der Schufa gelöscht.

 

Ich habe keine Ahnung, was da passiert, es scheint aber symptomatisch für die Prozesse der Bank zu sein, die offensichtlich noch aus dem letzten Jahrtausend stammen. Interessant finde ich auch, dass man mir Kontoführungsgebühren für den Januar in Rechnung stellt, obwohl ich das Konto bereits Mitte Dezember gekündigt hatte. Es liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich, dass das Konto im Januar überhaupt noch existiert. Und es ist für mich auch gar nicht möglich die Vorraussetzungen für das kostenlose Konto im Januar noch zu erfüllen. Wer geht das Risiko ein 700 € auf ein Konto zu überweisen, das sich im Auflösungsprozess befindet? Jetzt bin ich gespannt, ob die comdirect 0,95 € Porto in die Hand nimmt (zzgl. Umschlag, Papier und Druckkosten) um die 0,98 € bei mir einzutreiben. Ich könnte es mir mittlerweile durchaus vorstellen.

18 ANTWORTEN

TutsichGut
Mentor ★★★
2.380 Beiträge

Vielen Dank @antlion , dass du dir noch die Mühen gemacht hat, diese Geschichte zu schreiben.

LG TutsichGut
DiskLeimEimer:Ich bin nicht dafür verantwortlich für Das, was mein Bauch von sich gibt.

CurtisNewton
Legende
5.036 Beiträge

Vor mir ebenfalls Danke, sachliche und unaufgeregte Schilderung zum dem Thema "nicht jede große Liebe kann ein Happy End haben"

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"I am a dwarf and I'm digging a hole. Diggy diggy hole, diggy diggy hole. I am a dwarf and I′m digging a hole. Diggy diggy hole, digging a hole" - Wind Rose

Crazyalex
Legende
9.527 Beiträge

@antlion 

Vielen Dank auch von mir für Deinen Bericht.

 

Mein vollstes Verständnis für Dein Agieren!

 

Du listest da einige Dinge auf, von denen man in der Community immer wieder gelesen hat.

 

Du beschreibst hier keine „Einzelfälle“, sondern ein Muster, das viele von uns aus der Community nur zu gut kennen – nur selten so klar, chronologisch und konsequent auf den Punkt gebracht. Genau diese Gesamtschau fehlt in der Betrachtung seitens der Bank fast immer.

 

Würde man das mal offen und ehrlich mit einer größeren Flughöhe betrachten - so wie Du das machst - würde auch seitens der Bank klar werden: da liegt was im Argen und sollte korrigiert werden.

 

Stattdessen wird über die Moderation meist fragmentiert reagiert: ein Vorfall hier, eine Störung dort – möglichst klein, möglichst temporär, möglichst folgenlos. Dass sich daraus über Jahre hinweg ein massiver Vertrauensverlust aufbaut, wird entweder nicht erkannt oder bewusst ausgeblendet.

 

Gerade Dein Schildern des Kündigungsprozesses wirkt dabei fast wie ein Sinnbild für den Zustand der internen Abläufe: langsam, intransparent, widersprüchlich – und am Ende eher irritierend als professionell. Nicht dramatisch, aber genau deshalb so ernüchternd.

 

Was die Commerzbank mit den verbliebenen Überresten der comdirect noch vorhat, wissen wir nicht. Ob überhaupt noch etwas vorhat, ist inzwischen eine berechtigte Frage.

 

Ich wünsche Dir bei und mit Deiner neuen Bank genau das, was hier schleichend verloren gegangen ist:
Zuverlässigkeit, Transparenz, klare Prozesse – und das Gefühl, als Kunde ernst genommen zu werden. Also ein angenehmes Erlebnis als Kunde - wie man es von früher bei der Comdirect auch gekannt hatte.

 

 

Gruß Crazyalex

 

 

 

 

 


An alle Neueinsteiger: Appell an alle Neueinsteiger und Interessenten.
ETF-Anfänger: Bitte intensiv durcharbeiten... ETF-FAQ. .................Danke!

uhirth
Autor ★★
21 Beiträge

Zustimmung in vielen Punkten. Auch bei mir hat sich das Verhältnis zur codi im Lauf der Jahre von "begeistert" zu "ach Leute" entwickelt. Was mich in letzter Zeit massiv gestört hat, war die Nicht-Verfügbarkeit von immer mehr Aktien aus "regulatorischen Gründen". Dazu kommt die Regungslosigkeit bei der Preispolitik in einem stark veränderten Marktumfeld. 

 

Ich war letztes Jahr schon im "Abflug", aber inzwischen mache ich wieder fast alles über codi. Der angedachte Nachfolger der codi (nennen wir ihn "TR") ist mir mit aufdringlichen und bedrohlichen Fragen zur Herkunft meines Vermögens auf den Geist gegangen. Leider kann ich die Herkunft meiner über Jahrzehnte aufgebauten Ersparnisse nicht mehr so genau aufschlüsseln. Bei der codi hatte ich da nie Probleme. Auch wenn ich mal größere Beträge zwischen codi und anderen Banken hin und her jongliert habe. Und der Kundenservice war, wenn es mal ein Problem gab (eher selten), stets erreichbar. 

 

Darf ich fragen, wohin die Reise geht? Ich schaue mir gerne andere Angebote an. Und würde mir nach wir vor wünschen, dass die codi die Kurve kriegt und wieder zu den Taktgebern im Onlinebanking wird. 

 

Kritikerin66
Experte ★★
309 Beiträge

Danke für deinen sachlichen Bericht.

 

Ich setze einfach @SMT_Service mal mit auf die „ Leseliste“

 

 

dg2210
Legende
7.846 Beiträge

@Crazyalex  schrieb:

 

Ich wünsche Dir bei und mit Deiner neuen Bank genau das, was hier schleichend verloren gegangen ist:
Zuverlässigkeit, Transparenz, klare Prozesse – und das Gefühl, als Kunde ernst genommen zu werden. Also ein angenehmes Erlebnis als Kunde - wie man es von früher bei der Comdirect auch gekannt hatte.


Ich glaube nicht, daß sich eine solche Bank in Deutschland leicht finden lässt. Ich bin aus (geschäftlichen/juristischen) Gründen Kunde bei einem knappen Dutzend Banken, aber von diesen ist eigentlich nur die comdirect als 'Universalbank' geeignet. Die Anderen machen Vieles richtig oder besser, haben aber z.T. gravierende Probleme mit anderen Dingen. (Wer die Beiträge des dg-teams schon länger verfolgt, wird festgestellt haben, daß meine Liebe zu Coutts nach dem Brexit auch etwas abgekühlt ist)

 

Im Übrigen verweise ich auf die Stellungnahme des Comdirect-Vorstandes ('footer').

Bettina Orlopp : „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ (Focus online 24.06.2025)

Crazyalex
Legende
9.527 Beiträge

@dg2210  schrieb:

Im Übrigen verweise ich auf die Stellungnahme des Comdirect-Vorstandes ('footer').


@dg2210 

 

Wenn man das bekannte Zitat von Bettina Orlopp „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“ nimmt, dann ist das theoretisch  eine bemerkenswert ehrliche Aussage.

 

Wie Du ja ebenfalls schon mal angemerkt hattest: Das Umsetzen ist Aufgabe des Vorstands.

...oder genauer gesagt: die Voraussetzungen dafür zu schaffen, Prioritäten zu setzen und Verantwortung wirksam zu delegieren.

 

Die eigentliche Frage ist m.E. allerdings eine vorgelagerte:
Ist die zugrunde liegende Erkenntnis überhaupt die richtige?

 

Natürlich ist es völlig normal, dass sich Kunden- und Vorstandsperspektive nicht in allen Punkten decken. Das war nie anders. Kritisch wird es aber dann, wenn aus Sicht vieler Kunden über Jahre hinweg dieselben Probleme benannt werden – Zuverlässigkeit, Transparenz, Prozesse – und diese intern offenbar entweder anders eingeordnet oder nicht als ausreichend relevant wahrgenommen werden.

 

Dann liegt das Problem möglicherweise nicht (nur) in der Umsetzung, sondern bereits in der Bewertung dessen, was eigentlich umgesetzt werden sollte. 

 

Oder anders gesagt:
Man kann sehr effizient Dinge umsetzen – und trotzdem an den Erwartungen der Kunden vorbeiarbeiten.

 

Gruß Crazyalex


An alle Neueinsteiger: Appell an alle Neueinsteiger und Interessenten.
ETF-Anfänger: Bitte intensiv durcharbeiten... ETF-FAQ. .................Danke!

Porsche991
Autor ★★★
69 Beiträge

bin Kunde seit 2005. codiert war meine sogenannt erste Bankverbindung. war immer sehr zufrieden. Inzwischen ist die Liebe deutlich abgekühlt. Habe inzwischen ein weiteres Konto bei der ing und 2 weitere bei

neobrokern.

Nutze nur noch das Girokonto und ein paar Restbestände im Depot.

Die Gründe sind hiermit Forum ausreichend diskutiert.

 

dg2210
Legende
7.846 Beiträge

@Crazyalex  schrieb:

Natürlich ist es völlig normal, dass sich Kunden- und Vorstandsperspektive nicht in allen Punkten decken.

 


Wahrscheinlich ist das sogar notwendig für den Erfolg; dazu gibt es einige wichtige Aussagen z.B. von Steve Jobs.

Insbesondere, weil 'die Kunden' keine homogene Gruppe sind.

 

Seit einiger Zeit ist die Vorstandsperspektive auf das Thema 'Italien' verengt, was ich nachvollziehen, aber nicht gutheißen kann.

Aus Kundenperspektive kann mir das egal sein: falls das Prinzip 'Regression zur Mitte' Bestand hat, wäre es nach den aus Kundensicht

nachteiligen Übernahmen (Dresdner durch Commerz, Post durch Deutsche, meine lokale Volksbank durch einen Mega-Genossenschaftsbankkonzern) an der Zeit für eine Übernahme, die den Kunden nutzt.  

 

 

 

Bettina Orlopp : „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ (Focus online 24.06.2025)