am 29.07.2026 13:45
OK, vielleicht bin ich hier ja schief gewickelt, aber mich würden mal Meinungen der Community hier zum Thema "Kosten des Aktienerwerbs" (vulgo "Tradingkosten") interessieren.
Ich trade gerne auch Einzelaktien - nur immer weniger bei der comdirect. Und als ich gerade mal wieder hier einen Trade aufmachen wollte, und die Kosten sah überkam mich die unbändige Lust hier einen Post zu machen.
Fakt:
Inzwischen gibt es Neobroker welche teilweise auch den Handel mit einer Aktie (!) zu Bruchteilen der hier noch im klassischen Depot aufgerufenen Provisionen, Gebühren und Börsenplatzentgelten ermöglichen.
Ich lasse die Sinnfrage hier mal bewusst weg - ja, ist schon klar das hier teilweise Leute unterwegs sind die für ein Stück Mercedes sich in der Einkaufspassage (bei Hermés natürlich) nicht bücken werden.
Ist "eine Aktie nicht ein bissl zu wenig? Was will man denn damit?" könnte man jetzt natürlich fragen. Kommt darauf an, ob ich eventuell 18 und im Studium/Ausbildung/Schüler bin und mir das Taschengeld zur seite legen will. Kaufe ich eine Aktie in der Woche, habe ich 52 nach einem Jahr usw usf. Just saying.
Vielleicht will die comdirect diese Zielgruppe nicht (außerhalb dem "Pure"-Depot) ansprechen?
Ich will jetzt keinen generellen Vergleich Neobroker vs. comdirect - obwohl dieser in 2026 nicht ganz unangebracht ist, wenn ihr um "junge Zielgruppen" werben wolltet... wollt ihr das? Vielleicht liege ich daneben und man hat das genau in der MaFo schon abgebügelt weil die Zielgruppen alle bei den neobrokern und am Handy rumhängen (wo die Comdirect auch kein gutes Gesamtbild mit der App abgibt, schade).
Hier ein ganz zufällig gewähltes Beispiel für einen "Mini Trade":
Ich will bei DEUTZ einsteigen, habe aber keine Tausende verfügbar, plane also mit dem Kauf von erst mal 10 Stück... dieses Beispiel wählte ich weil es knapp 100 € verfügbares Kapital benötigt (aktuell 98 € für 10 Stück)
Nur... der Trade kostet dann bei comdirect leider ca. 110,40 €, weil die comdirect, egal wie groß der Posten ist natürlich keine Staffelpreise für kleinere Posten hat, sondern knallhart die Standardpreise abrechnet.
In so einem Fall würde ich den Trade natürlich entweder anders erledigen oder nicht machen.
Gehen wir mal auf 100 Deutz AG. Das dann immer noch 1,2% statt 12% (!) Kosten nur für den Spaß bei euch zu traden.
Mag sein dass es ein "Pure"-Depot gibt - aber was machen diese Neukunden, die dann auf den Geschmack kommen und uU kleinere Trades wie diesen hier machen würden? Was machen die Kunden nach drei Jahren im Einsteiger-Depot? Weinen oder gehen, wenn sie eure Normalstaffelpreise das erste mal sehen und ggfs. vom Stuhl (oder in der Bahn und im mobile trading vom Sitz) kippen?
Der gewitzte Fuchs kann natürlich einen Sparplan anlegen für den Trade... wird doch bestimmt gern gesehen intern? 😉
Oder noch gewitzter: der Fuchs geht einfach woanders hin?
Daher die ernstgemeinte Frage:
Gibt es irgendwelche Pläne, eure Kostenmodelle mal auf den Prüfstand zu stellen (falls sich überhaupt jemand dazu äußern will, darf oder kann) - oder ist man als langjähriger Kunde, welcher auch andere Depots benutzt und die Kosten bei sehr vielen "anderen" kennt einfach besser dort aufgehoben mit dem Gesamtdepot für seine Trading-Ambition?
Die Profitabilität einzelner Trades wird durchaus auch bei 1-2% Kostenanteil für Tradinggebühren berührt wenn man eben nicht 1000er-Lots traded sondern auch mal kleinere Posten oder in Staffeln kauft.
Mich würden hier auch mal die Meinungen der anderen Community-Teilnehmer interessieren - vielleicht bin ich ja der "aussätzige" weil ich so eine "Er-hat-Jehova-gesagt"-Frage stelle und darf mich unter 1000er Lots gar nicht hier mit so einer Armutsfrage melden? 😀
29.07.2026 14:00 - bearbeitet 29.07.2026 14:25
Die Comdirect braucht ihr Angebot nicht zu rechtfertigen: letztendlich entscheidet der Kunde bei welchem Broker er handelt.
Gruß Crazyalex
am 29.07.2026 14:36
Am Wort "rechtfertigen" aufhängen, so kann man das natürlich machen. Danke aber für die Antwort.
am 29.07.2026 14:37
Das Preismodell der Comdirect wird hier regelmäßig thematisiert.
Solange die Zahlen passen (für die Bank - d. h. Kundenzahl, Umsatz, Gewinn etc.), gibt es fürs Management vermutlich wenig Gründe, hier Abstriche zu machen.
am 29.07.2026 14:47
Ja, ich vermute das auch so, danke für die Meinung bzw. Antwort.
Mit den aktuellen Übernahme-Avancen durch die italienische Konkurrenz UniCredit könnte ich mir denken dass man sich vielleicht etwas attraktiver machen könnte (sollte?), auch für die Kundschaft die erst seit 2020 aktiv tradet.
Die Preisstrukturen sind natürlich immer pro und contra (eventueller "Service" vs Kosten und Leistungen) und Stammkunden sind behäbig - ich arbeitete auch selbst in Bereichen wo man sich immer wundert, warum manche anscheinend zu faul zum Wechseln von Verträgen sind - es ging da immerhin um 20-30% Vergünstigung für Leute die noch rechnen können... entweder ist es also egal oder um beim Beispiel hier zu bleiben sind die Kosten dann im "wen juckt's"-Bereich.
Die 50€ für größere Lots sind vermutlich schon in den ersten Tagen wieder drin weil natürlich alle immer den Preisboden kaufen 😉
am 29.07.2026 19:23
@Rincemac schrieb:
Fakt:
Inzwischen gibt es Neobroker welche teilweise auch den Handel mit einer Aktie (!) zu Bruchteilen der hier noch im klassischen Depot aufgerufenen Provisionen, Gebühren und Börsenplatzentgelten ermöglichen.
Auch Broker ohne Neo haben inzwischen attraktive(re) Konditionen.
@Rincemac schrieb:
Ich lasse die Sinnfrage hier mal bewusst weg - ja, ist schon klar das hier teilweise Leute unterwegs sind die für ein Stück Mercedes sich in der Einkaufspassage (bei Hermés natürlich) nicht bücken werden.
Naja, gerade das sind doch die größten Sparbrötchen wenn es um Alltagsdinge geht 😉
@Rincemac schrieb:
Der gewitzte Fuchs kann natürlich einen Sparplan anlegen für den Trade... wird doch bestimmt gern gesehen intern? 😉
Oder noch gewitzter: der Fuchs geht einfach woanders hin?
Hmm, also es gibt hier sehr viele, auch mit Legendenstatus, die mehrere Depots haben oder gar nicht mehr bei der comdirect sind. Lass Dich da mal durch die Forenpräsenz nicht täuschen.
Wie meine Vorredner auch schon schruben, niemand zwingt die Bank uns ein Angebot zu machen, egal wie gut oder schlecht es ist, und niemand zwingt uns es anzunehmen. Es gibt durchaus Dinge bei denen die comdirect konkurrenzfähig ist (der comdirect ETF ohne Ordergebühren, Auslandsorder, die Zertifikateaktionen, das extrem große Angebot an handelbaren Publikumsfonds, der cominvest Robo ist meiner Meinung nach auch besser als sein Ruf) und eben Dinge bei denen andere Broker günstiger sind. Wo dann die Grenze liegt zwischen "ich bekomme mehr geboten, dafür zahle ich auch mehr", "ich bekomme das Gleiche woanders günstiger", und "geiz ist geil" muss dann jeder für sich selbst entscheiden.
Das mag jetzt empathielos klingen, die Diskussion um die Ordergebühren flackert hier aber seit Jahren immer mal wieder auf, meist ohne Ergebnis ("man beobachte den Markt"), selten kommt mal etwas wie das Pure Depot (das für Bestandskunden nicht verfügbar ist)
Also, Du bist mit Deiner Einschätzung nicht alleine, und es spricht auch nichts dagegen einfach noch ein zweites Depot zu eröffnen (man muss ja nicht gleich das alte Depot kündigen), und sich die Rosinen rauszupicken. Machen andere auch 😉
am 29.07.2026 19:39
Eben!
Der geübte Heimwerker hat eine gut gefüllte Werkzeugkiste - und greift sich einfach das passende Werkzeug für die jeweilige Aufgabenstellung.
Man muss als Bank nicht Marktführer sein, wenn man nicht will, selbst wenn man es ggf. mal war.
Man muss nur akzeptieren, dass die jeweils andere Partei eben so agiert, wie sie es für angemessen und für sich geeignet hält.
Gruß Crazyalex
am 29.07.2026 19:57
Also ich handele hier für 3,90€ Provision plus ggf. Spesen. Meistens komme ich mit 6,40€ davon.
Das ist noch etwas günstiger als damals Onvista und damit bin ich doch sehr zufrieden. 🙂
Deshalb tue ich mir doch keinen Neobroker ohne Support an.
Nun ja, vorgestern hatte ich die Ausführung einer Auslandsorder in Sydney.
Dafür durfte ich gut 26€ an Gebühren abdrücken. 😞
Nicht so lustig. Aber es hilft ja nichts.
Andere Banken bieten das gar nicht an oder es ist ähnlich teuer.
am 29.07.2026 20:35
Hey @CurtisNewton - danke für die ausführliche, differenzierte Antwort - ich hoffe @Crazyalex wird nicht neidisch dass du auf die Frage richtig eingegangen bist statt es mit nem schlechten One-Liner abzubügeln.
Ich bin ja sowieso schon "weg" von der codi für das etwas "ausgefallenere" beim Trading. Insofern war es für mich nur mal interessant, was hier so an Gedanken/Meinungen kommt.
Ist natürlich korrekt, dass andere (auch solche ohne "Neo" im Broker) ebenfalls an der Kostenschraube gedreht haben.
Liegt vermutlich bei mir auch daran dass ich eben schon seit quasi dem Start der CoDi als sie eben noch ein echter Disruptor mit Online-Brokerage und Banking waren dabei bin und mich nur wundere dass Bestandskunden - wie fast überall heutzutage - gerne mal "liegen gelassen" werden.
Das fing damals bei den "Einlagegebühren" an und hört dann damit auf dass es ein "Pure"-Depot mit günstigen Konditionen fürs Trading gibt, weil sie die Konkurrenz von den Neobrokern eben doch "merken" bei der Neukunden-Akquise in der jungen Zielgruppe.
Der Bestandskunde nutzt dann wie du so schön sagst den Werkzeugkasten.
Meiner bei der CoDi schaut inzwischen fast so aus wie der erste den man von den Eltern geerbt hat bei dem schon 80% der Schraubschlüssel in den Äonen verloren gingen 😉
Ehrlicherweise hat sich - zumindest für mich - gefühlt auch der Support (für den man eigentlich mal hier war) auch arg verschlechtert. Der Zahn der Zeit nagt auch am Chatbot usw. usf. - die Antworten die ich auf eine zugegebenermaßen "Spezialfrage" mal erhalten hatte war auch eher im Bereich "hättste auch bei der Sparkasse ums Eck anfragen können - evtl. wäre es dort sogar besser beantwortet worden"...
@CurtisNewton schrieb:Das mag jetzt empathielos klingen, die Diskussion um die Ordergebühren flackert hier aber seit Jahren immer mal wieder auf, meist ohne Ergebnis ("man beobachte den Markt"), selten kommt mal etwas wie das Pure Depot (das für Bestandskunden nicht verfügbar ist)
Also, Du bist mit Deiner Einschätzung nicht alleine, und es spricht auch nichts dagegen einfach noch ein zweites Depot zu eröffnen (man muss ja nicht gleich das alte Depot kündigen), und sich die Rosinen rauszupicken. Machen andere auch 😉
Ach "Empathie" - ja, kann man so auffassen, aber ich bin ja erwachsen. Ich fand die Antwort von deinem Vorredner (er weiß schon, wer gemeint ist) da deutlich "empathieloser". Ich nehme es ohnehin mit Humor - und bei den Kosten (siehe mein Screen) braucht die CoDi natürlich nicht glauben, dass man damit viele Trades vom Zaun bricht. Ich freue mich, dass zumindest (meistens) die Steuerabrechnerei noch einigermaßen klappt - das scheint bei den Neos das große Gezeter zu sein wenn ich mich da so umhöre. Die Vielfalt an Instrumenten ist hier in der Tat noch sehr groß, aber eben auch teuer bezahlt in vielen Fällen inkl. elend viel zu hohen "Auslandsgebühren" falls man mal sowas exotisches kaufen will wie einer der Vorredner hier in Australien (kann schon mal passieren weil es da viele gute Einzelwerte gibt die gerade in der jetztigen Makro-Situation sehr interessant sind... diese Auslandsaktien trade ich übrigens alle aus genau dem Grund fast nicht mehr hier @Silver_Wolf
am 29.07.2026 20:39
Geht bei mir leider nicht bei Einzelaktien - denke mal es könnte am Alter des Depots liegen (?) oder was auch immer, mit 6,90 € für Aktientrades könnte ich sogar sehr gut leben. Hast ja gesehen was in meinem Screen steht für 10 Stück. Guter Witz auf jeden Fall seitens CoDi.
Auslands-Trades mache ich (fast) keine mehr aus genau diesem Grund hier mit den mMn unverschämt hohen Auslandsentgelten/Gebühren etc.
Die Australien-Titel sind teils ja sehr interessant geworden aufgrund des jetzigen Makro/Geopolitik - kosten aber teils natürlich unter 5 AUD das Stück... wenn man da 30 Euronen latzt kann man gleich 10-30 mehr von manchen kaufen. Das Geschäft bekommt von mir inzwischen ein weniger gieriger Broker, der's verstanden hat.