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Rentenversicherung für Rentner empfohlen?!

microsparer
Experte ★★★
669 Beiträge

Ich erzähle mal von der Mutter von einem Freund, eine Rentnerin...die hat tatsächlich im Jahr 2019 mit damals 68 3/4 Jahren eine Rentenversicherung abgeschlossen. Fünfstellige Einmalzahlung, Rentenbeginn 2031, keine Begünstigten "außer den gesetzlichen", also niemanden explizit angegeben (was steuerlich wohl einen gewissen Charme hätte gehabt haben können, wie ich gehört gehabt habe). Immerhin garantiert die Police 1:1 den Betrag in 2031, also will es schaffen, 12 Jahre lang das Geld optisch nicht weniger werden zu lassen. Ich wünsche dem Freund, dass die Mama 100 wird, damit sie von dieser Rente, die sie dann mit 81 bekommt, noch dem Institut die lange Nase zeigen kann. Auf meinen Rat hin wird mein Freund beim nächsten Treffen dem Bankberater wohlmeinenden Altersabsicherer gepflegt die Klöten eintreten hochleben lassen. Ich hoffe, dass die nächste Generation der wohlmeinenden Altersvorsorgedepotfachberatungsabteilungsseniormitarbeitenden ihre Blicke nicht zu sehr auf die Konten der unbedarft vor-sich-hin-rentnernden Gutabgesicherten lenken, um sie mit "ungeahnten Möglichkeiten" in "völlig neue und staatlich ganz anders geförderte" Strukturen zu steuern.

 

[nach Hinweis von @Krügerrand aus dem thread zum Altersvorsorgedeopt herausgelöst]

5 ANTWORTEN

CurtisNewton
Legende
5.840 Beiträge

Wahnsinn. Bevor Dein Freund zu alternativen Methoden der Bestrafung greift, ich denke so was kann man auch mal der Bafin melden. Im schlimmsten Fall passiert gar nix und man hat paar Minuten Zeit versenkt, im besten Fall darf der Vorstand einen Besuch durch die Behörde organisieren. Was für jeden der in einer Bank mehr als den Posteingang zu sortieren erledigt die Höchststrafe ist.

 

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"Video meliora proboque, deteriora sequor"

Krügerrand
Mentor
997 Beiträge

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar zu sein. Rentnerinnen brauchen keine Rentenversicherung mehr.

 

Aber schauen wir uns das ganze - soweit möglich - etwas genauer an.

 

2019 war noch Niedrigzinsen und Guthabengebühr war das Unwort des Jahres (nicht das offizielle).

 

Das Produkt und das es geht. Eine private Rentenversicherung mit Beitragsgarantie gegen Einmalzahlung, die aus dem versteuerten Einkommen gezahlt wird.

Diese Produkte bieten eine laufende Überschussbeteiligung sowie einen Schlussüberschuss. Sie kosten so ungefähr 4% der Beitragssumme.

Ablaufleistung ist entweder eine Einmalzahlung oder eine lebenslange Rente oft mit Wahlrecht am Laufzeitende.

Bei Tod vor Laufzeitende geht sie an die Erben, bei Tod während der Rente, wird diese weitergezahlt, bis die Rentengarantiezeit erfüllt ist.

Steuerlich gefördert ist das ganze bei der Ablaufleistung. Eine Einmalzahlung muss nur die Hälfte des Gewinns mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden, wenn die Laufzeit 12 Jahre war, und die versicherte Person über 62 ist. Eine Leibrente wird immer mit dem Ertragsanteil und dem persönlichen Steuersatz versteuert. Je älter man bei Ablauf ist, desto geringer ist er.

 

Sollte man die Versicherung vorher auflösen, was immer möglich ist, müssen die Gewinne komplett mit der Abgeltungssteuer versteuert werden. 

 

Diese Produkte wurden oft als Ersatz für festverzinsliche Wertpapiere oder Einlagen genommen. Also ein bisschen zweckentfremdet. Ich fand das aber nie attraktiv, da die Kosten relativ hoch sind und die Verzinsung recht undurchsichtig. Vid allem bei vorzeitiger Auflösung oder Entnahme.

Dennoch kann es je nach Vorgabe der Anlegerin eine adäquate Möglichkeit gewesen sein, eine positive nominale Rendite zu erwirtschaften und Guthabengebühren zu vermeiden.

 

Das gute ist: Für diese Form der Anlage ist zwingend ein Beratungsprotokoll und eine Kostenaufstellung vorhanden.

 

Mein Urteil ist also: So richtig schlimm ist das nicht, ich persönlich halte private Rentenversicherungen generell für zu teuer und intransparent

#TANSTAAFL "There ain't no such thing as a free lunch."

CurtisNewton
Legende
5.840 Beiträge

@Krügerrand  schrieb:

 

Dennoch kann es je nach Vorgabe der Anlegerin eine adäquate Möglichkeit gewesen sein, eine positive nominale Rendite zu erwirtschaften und Guthabengebühren zu vermeiden.

 


Das passt aber nicht ganz zu der getroffenen Aussage 

 

Immerhin garantiert die Police 1:1 den Betrag in 2031, also will es schaffen, 12 Jahre lang das Geld optisch nicht weniger werden zu lassen

 

Meine Lesart: Garantiert wird eine nach Inflation negative Rendite, der Rest ist ein kann aber kein muß. Das dürfte aber ein Problem dieser Produkte generell sein, unabhängig vom Alter.

Ich habe auch noch so eine Altlast am Bein, aber auch nur weil damals mit Anfang 20 die Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit attraktiv erschien,

 

 

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"Video meliora proboque, deteriora sequor"

Krügerrand
Mentor
997 Beiträge

Nominal= vor Inflation

Real = nach Inflation 

 

Kein Widerspruch in meiner Aussage.

#TANSTAAFL "There ain't no such thing as a free lunch."

diewakus
Autor ★★★
53 Beiträge

Hallo @Krügerrand ,

 

herzlichen Dank für Deine sachliche Analyse.

 

Viele Grüße 

diewakus