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Comdirect im Wandel der Zeit...

Crazyalex
Legende
9.844 Beiträge

...oder: Manchmal ist das Einzige, was von einem guten Ruf übrig bleibt, dass Leute ihn noch vermissen.

 

So geht es mir inzwischen mit der comdirect.

 

Viele von uns sind nicht wegen einer einzelnen Aktion oder Gebühr enttäuscht, sondern wegen eines schleichenden Wandels. Die comdirect war einmal mehr als „eine Bank mit günstigen Konditionen“. Sie hatte ein klares Profil – und vor allem eine klare Haltung gegenüber ihren Kunden.

 

Was war früher anders?
Die „alte comdirect“ war nicht perfekt, aber sie war berechenbar. Preise waren nicht immer niedrig, dafür aber verständlich. Aktionen waren selten juristisch verklausuliert, sondern so formuliert, dass man als normaler Privatanleger wusste, woran man ist. Wenn „Top-Preis-ETF“ draufstand, wusste man ziemlich genau, was am Ende auf der Abrechnung landet – ohne dass man drei Dokumente gegeneinander lesen musste.

 

Dazu kam eine gewisse Nähe zum Kunden: Produktentscheidungen wirkten so, als seien sie aus der Sicht von Kunden gedacht worden, nicht primär aus Marketing-, Ertrags- oder Konzernsicht. Man hatte den Eindruck, dass Transparenz kein notwendiges Übel war, sondern Teil der DNA.

 

Was war früher vielleicht auch schlechter?
Ja, comdirect war nicht immer unbedingt die günstigste Bank - aber immer mit einem Kosten-Nutzen-Verhältnis, bei dem man als Kunde im Großen und Ganzen einverstanden war.

Manche Prozesse waren träger als bei heutigen reinen Neobrokern, manches wirkte konservativ. Aber man bekam dafür Stabilität, Verlässlichkeit und das Gefühl, fair behandelt zu werden. Viele haben das bewusst in Kauf genommen.

 

Und heute?
Heute ist comdirect formal immer noch comdirect – faktisch aber klar als Marke der Commerzbank positioniert. Das merkt man an vielen kleinen Stellen: stärker fragmentierte Preisbestandteile, Aktionen mit sehr enger, juristisch sauberer, aber kundenfern formulierter Logik sowie eine zunehmende Diskrepanz zwischen Werbeaussage und Kundenerlebnis.

Kosten/Nutzen betrachtetn manche inzwischen weniger als das "Kosten/Problem-Verhältnis". Ebenso: wie "ehrlich" ist die Bank zu mir?

 

Die aktuelle Diskussion um „0-€-ETFs“ ist dafür ein gutes Beispiel: rechtlich korrekt, kommunikativ unglücklich und emotional enttäuschend. Nicht, weil 2,90 € existenzbedrohend wären, sondern weil sie symptomatisch für den Wandel stehen.

 

Und das ist exemplarisch für Den eigentlichen Bruch
Der eigentliche Verlust ist nicht eine Gebühr, sondern das Vertrauen, dass eine Bank auch ohne Nachrechnen im PLV fair agiert. Früher hatte man das Gefühl, comdirect möchte verstanden werden. Heute hat man häufiger den Eindruck, man müsse sich absichern.

 

Was hätte die Commerzbank von der comdirect lernen können?
Eigentlich ziemlich viel! Z.B. dass Transparenz langfristig wertvoller ist als kurzfristige Ertragsoptimierung, dass ein guter Ruf ein strategischer Vermögenswert ist, dass Privatanleger sehr wohl differenzieren – und sich erinnern.

Stattdessen wirkt es oft so, als habe sich die comdirect stärker an die Konzernlogik angepasst als umgekehrt. Dies war ja leider zu erwarten und wurde auch teilweise in der Community vorhergesagt.

 

Warum viele trotzdem noch bleiben – und vielleicht zu viele?
Trotz all dieser Punkte sind viele langjährige Kunden noch immer bei comdirect. Das hat Gründe – und auch die sollte man fair benennen.

Zum einen gibt es eine starke historische Bindung. Wer über Jahre oder Jahrzehnte bei einer Bank war, sein Depot dort aufgebaut, Prozesse verinnerlicht und Vertrauen entwickelt hat, wechselt nicht leichtfertig. Gerade bei Geldangelegenheiten ist Trägheit nicht nur Bequemlichkeit, sondern auch ein Sicherheitsbedürfnis.

Zum anderen bleiben viele, weil comdirect im Kern weiterhin als „große, etablierte Bank“ wahrgenommen wird. Diese Wahrnehmung speist sich weniger aus der aktuellen Erfahrung als aus der Vergangenheit. Denn im Alltag zeigen sich inzwischen durchaus wiederkehrende Probleme: Karten, die zeitweise oder gar nicht funktionieren, Buchungen, die verzögert oder fehlerhaft angezeigt oder vorgenommen werden - sofern der Auftrag überhaupt ausgeführt wird, technische Störungen in App und Web, die früher eher Ausnahme als Thema waren. Nichts davon ist für sich genommen existenziell – in der Summe untergräbt es jedoch genau das Vertrauen in Zuverlässigkeit, das einst zu den größten Stärken der comdirect zählte.

Hinzu kommt: Viele vergleichen nicht mehr aktiv. Wer die comdirect noch als „gute Bank“ abgespeichert hat, prüft neue Konditionen oft nur punktuell – oder verlässt sich darauf, dass es schon passen wird. Genau hier wirkt der alte Ruf bis heute nach.

 

Aber genau darin liegt auch die kritische Frage: Bleiben viele, weil die Bank heute noch überzeugt – oder weil sie es früher getan hat?
Und weitergedacht: Bleiben vielleicht sogar zu viele aus Gewohnheit, während sich das Angebot schleichend von ihren ursprünglichen Erwartungen entfernt?

 

Werfen wir mal einen Blick in die Zukunft: Wenn comdirect den eingeschlagenen Weg fortsetzt, könnte sich der schleichende Vertrauensverlust weiter verstärken. Kunden, die früher wegen Transparenz, Verständlichkeit und Service geblieben sind, könnten zunehmend die Erfahrung machen, dass „die Bank von früher“ nicht mehr existiert. Marketingversprechen wie „0-€-ETF“ werden dann nicht als nettes Extra wahrgenommen, sondern als Beispiel für systematische Entkopplung von Werbung und Realität.

 

Auf der anderen Seite wäre die Situation durchaus umkehrbar. Würde comdirect wieder stärker auf klare Kommunikation, nachvollziehbare Gebühren und konsistente Abläufe setzen, könnten sie nicht nur Vertrauen zurückgewinnen, sondern sich auch als moderne, digitale Bank mit Verlässlichkeit positionieren – und damit aus der eigenen Geschichte lernen, anstatt von ihr überholt zu werden.

 

Die entscheidende Frage bleibt: Werden die Entscheidungen der Bank in Zukunft eher den Kunden oder den kurzfristigen Ertragsinteressen folgen? Wie viele werden bleiben, weil sie "müssen" (also zu träge sind für einen Wechsel) – und wie viele aus Überzeugung?

 

Gruß Crazyalex


An alle Neueinsteiger: Appell an alle Neueinsteiger und Interessenten.
ETF-Anfänger: Bitte intensiv durcharbeiten... ETF-FAQ. .................Danke!
10 ANTWORTEN

Crazyalex
Legende
9.844 Beiträge

@X25 

Vielen Dank für Deine Worte!

 

Das "Problem" an der Sache ist, dass sie Problematik mehrstufig ist - und es an jeder Stufe scheitern kann:

Die Kritik will formuliert werden

Die Kritik sollte gehört werden

Die Kritik sollte verstanden werden 

Die Kritik sollte Verbesserungen auslösen . 

 

Ein Prozess der bei einer kleinen Comdirect ggf. recht schnell und recht gut funktioniert hatte.

 

Jetzt sind wir aber bei der Comdirect - eine Marke der Commerzbank AG. Das sind komplett andere Voraussetzungen.

Diesen Fakt muss man akzeptieren.

...man muss es deswegen aber noch lange nicht gut finden!

 

Steter Tropfen höhlt den Stein. 

Und eine Commerzbank wird ohne Druck von außen nichts zum Positiven ändern.

Wenn Worte von Kunden nichts bewirken hilft es nur noch abzuwarten bis die Zahlen deutlich genug sprechen . 

Das ist unterm Strich für die Bank teurer und schlechter - aber oftmals der ausschlaggebende Punkt.

 

Gruß Crazyalex 


An alle Neueinsteiger: Appell an alle Neueinsteiger und Interessenten.
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