am 16.08.2026 09:58
Jetzt muss ich am Sonntag, getriggert durch einen aktuellen Anlass mal was Grundsätzliches schreiben.
Und das ist jetzt nicht immer zwingend ganz diplomatisch...
Was mich massiv an der Comdirect - eine Marke der Commerzbank AG stört, ist die Denk- und Handlungsweise der Bank.
Die Bank könnte - ohne große Anstrengung - deutlich besser sein wenn sie nur wollte. Wenn das Mindset stimmen würde.
Damit bin ich noch nicht einmal bei "schwierigen" Themen wie Gebühren o.ä.
An erster Stelle bin ich mal "nur" bei der Kommunikation (und schiele auch immer auf die Prozesse der Bank)
Was ich jetzt über die Kommunikation schreibe gilt daher auch analog und im Grundsatz für die Prozesse.
Eine Aussage des Kundeservice (gepostet in einem anderen Thread - es ist nur der "schriftliche Nachweis" über das, was ich schon seit längerem kritisiere) war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
Das Problem bei der Aussage der comdirect, man weise „grundsätzlich nicht gesondert auf technische Störungen hin, wenn diese nur einzelne Aspekte betreffen“ ist dermaßen bezeichnend und von einer Sichtweise geprägt, dass ich es aufgreifen muss. Daher hangle ich mich mal an diesem Beispiel entlang.
Die Comdirect betrachtet nahezu alles in der Regel aus ihrer Prozess- und Systemsicht:
„Es ist nur ein Teilbereich betroffen. Die Kernprozesse laufen. Also kein Grund für eine allgemeine Information.“
Oh Wunder - der Kunde betrachtet das aber naturgemäß anders:
„Ich möchte gerade etwas mit meinem Depot machen – und eine dafür wesentliche Funktion funktioniert nicht.“
Und genau das ist der entscheidende Unterschied.
Dem Kunden ist es völlig egal, ob intern ein einzelnes System, ein Subsystem, eine Schnittstelle oder ein externer Dienstleister ausgefallen ist. Ihn interessiert auch nicht, ob aus Sicht der Bank noch 97 % aller Funktionen funktionieren.
Wenn genau die Funktion ausfällt, die er gerade benötigt, ist seine Handlungsmöglichkeit eingeschränkt.
Das sollte der Maßstab für die Bank sein. Für den Kunden IST das der Maßstab!
Die Bank kann nicht jedes Problem komplett ausschließen/verhindern. Dafür hat der Kunde, zumindest wenn ich es bin, in einem gewissen Rahmen durchaus Verständnis.
So auch im aktuellen Fall: Der Kursdatenlieferant, externer Dienstleister, der auch andere Marktteilnehmer versorgt fällt temporär aus. Das kann passieren. Dafür mache ich der comdirect auch keinen Vorwurf.
Was ich aber erwarte, ist eine vernünftige Kommunikation.
Keine seitenlange Erklärung, keine minutengenauen Prognosen und auch keine Entschuldigung dafür, dass ein externer Dienstleister gerade Probleme hat.
Einfach nur die Information: Wir wissen davon.
Stattdessen bekommt der Kunde, der dafür den Kundenservice kontaktieren muss, erklärt, dass technische Störungen bei „einzelnen Aspekten“ grundsätzlich nicht gesondert kommuniziert werden.
Sorry, aber das ist für mich die falsche Denkrichtung.
Nicht die Frage „Wie groß ist die Störung aus Sicht unserer internen Prozesse?“ sollte entscheiden, ob informiert wird.
Sondern die Frage:
„Ist der Kunde dadurch in seinen Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt?“
Wenn ja: informieren.
Das ist keine Forderung nach einer perfekten IT, keine Forderung jedes Problem binnen kürzester Zeit unter Aufwendung unnötig vieler/großer Mittel zu beseitigen.
Das ist schlicht Kundenservice.
Und genau da ist aus meiner Sicht noch ziemlich viel Luft nach oben!
Nehmt endlich mal die Sichtweise des Kunden ein, anstatt immer nur aus der Sicht der Commerzbank-Prozesslandschaft zu denken.
Himmel, A*sch und Zwirn!
Gruß Crazyalex
am 27.08.2026 10:14
Getty, zu deinem Tag:
Von guter Kritik kann es nie genug geben 😉
am 27.08.2026 10:55
Ich bewundere das Engagement von @Crazyalex sehr. Zumal es sich in meinen Augen um einen Kampf gegen Windmühlen handelt.
Kürzlich wurde ich von comdirect gefragt, warum ich mein Depot abziehe. Als Grund habe ich (neben vielen anderen) die komplizierten und wenig kundenorientierten Tagesgeldaktionen genannt. Das wurde zur Kenntnis genommen, mehr aber wohl auch nicht.
27.08.2026 11:04 - bearbeitet 27.08.2026 11:10
Vielen Dank für die Rückmeldungen!
Eine kleine Anmerkung zu meiner Sichtweise: ich sehe das eigentlich nicht als Kampf, sondern lediglich als engagiertes Aufzeigen von Verbesserungspotenzial - was ja prinzipiell sowohl im Interesse der Bank als auch der Kunden sein dürfte.
Dass das nicht immer ganz angenehm ist ist teilweise auch so gewollt - manchmal lernt man nur durch Schmerz 😉
Und damit kommen wir zum Bild des Kampfes: Wenn schon Kampf, dann nicht gegen Windmühlen. Dies ist nämlich kein Gegner (wobei ich auch die Bank nicht als Gegner sehe - vielmehr sollte sie Partner in der Geschäftsbeziehung sein - aber das Bild wollen wir mal aufrecht halten), sondern eine selbst eingebrockte Täuschung.
Der vermeintliche "Kampf" ist also nicht gegen Windmühlen, sondern nur gegen einen übergroßen "Gegner" - also eher David gegen Goliath.
Ich möchte mich jetzt aber doch wieder von den Begriffen "Kampf" und "Gegner" wieder distanzieren und das eher als Teil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses sehen, welcher leider nicht in der Intensität geführt wird, wie er in meinen Augen (und offenbar nicht nur in denen) geführt wird.
Gruß Crazyalex
27.08.2026 11:08 - bearbeitet 27.08.2026 11:13
Als "Gegner" sehe ich die Bank selbstverständlich auch nicht und habe deswegen die Verbindung nicht komplett aufgelöst. Schließlich kann ja irgendwann wieder eine deutliche Verbesserung eintreten und dann sieht man sich vielleicht wieder. Bis dahin ist sie für mich so etwas wie eine ex-Freundin, mit der ich noch Kontakt habe. 😉
am 27.08.2026 11:49
@FD774 schrieb:Als Grund habe ich (neben vielen anderen) die komplizierten und wenig kundenorientierten Tagesgeldaktionen genannt.
Ein Punkt, der zwar nicht ganz hier reinpasst - aber trotzdem auch damit zusammenhängt: Wertschätzung von Bestandskunden.
Das wäre eigentlich einen eigenen Thread wert...
Gruß Crazyalex