Alle Fehler aus dem Bilderbuch gemacht - Long viel zu lang gehalten

zerozucker
Autor ★
Beiträge: 4
Mitglied seit: 22.01.2018

Hallo zusammen,

 

ich habe im Herbst 2017 (!!) zwei Faktor-Zertifikate gekauft (DAX long x15: CD6UFK, S&P long x15: MF1JTP) und danach sämtliche Anfänger-/Anleger-Fehler gemacht, die man nur machen konnte. :-) 

 

Keine Exit-Strategie gehabt, Pfadabhängigkeit unterschätzt, den Hals nicht voll bekommen, beim Drop nicht bzw. zu langsam reagiert etc. etc.

 

Bin von 100 % Ausgangsbestand auf 200 % hoch, dann kam der Crash und inzwischen dümpeln die Papiere bei 10-20 % (heute sogar unter 10) des ursprünglichen Kaufwertes.

 

Die große Frage jetzt: Was tun? Hektisch hin- und her traden scheidet aus. Verkaufen und komplett aussteigen im Grunde auch, der Restwert ist zu marginal.

 

Aussitzen und ein paar Jahre abwarten, bis ich zumindest einen Teil der Verluste wieder drin habe? Oder auf Short-Zertifikate switchen?

 

Freue mich auf konstruktive Rückmeldung. Ihr müsst mir nicht den Kopf waschen, das mach ich hier schon genug selber ;-) 

 

Vielen Dank und viele Grüße,
Stefan

 

Kaufkurs CD6UFK 1,97 €

Kaufkurs MF1JTP 17,27 € 

8 ANTWORTEN
Alex10
Autor ★★
Beiträge: 34
Mitglied seit: 04.02.2017

Halten und abwarten. Und in Zukunft bei solchen Produkten immer Stops setzen.

Experte ★★
Beiträge: 335
Mitglied seit: 08.05.2018

@zerozucker: Danke für deine ehrlichen Worte, so ruhig wie es heute in der Community war hat es sicher nicht nur Dich erwischt! Ich hab heute auch ordentlich auf die Mütze bekommen, meine Dax-Engagements sind wahrlich nicht vergnügungsteuerpflichtig...

 

Du könntest die Rohrkrepierer in ein kostenloses Zweitdepot schieben und einen seriösen Neustart wagen, zum Beispiel mit einem langfristigen ETF-Sparplan o.ä.

 

So habe ich das mit meinen Griechenland-Anleihen gemacht, da lohnt sich das verkaufen nicht und ich muss sie bis etwa 2040 liegen lassen, um mein Geld wieder zusehen. Aber es hilft psychologisch, das Zeug nicht mehr jeden Tag sehen zu müssen.

 

Gruß,

swolpoll

Experte ★★★
Beiträge: 706
Mitglied seit: 02.06.2017

Zu deiner jetzigen Situation kann und möchte ich auch nichts sagen, das sind nicht meine Art von Produkten, aber zu den Anfängerfehlern: Sei froh, dass du sie durch hast.

Das ist wie beim ersten Schnee: Die ersten Tage passiert auf den Straßen kaum was, weil alle vorsichtig und ängstlich fahren, aber nach einer Woche glauben alle, dass sie's drauf haben ... dann kracht's reihenweise. Katze (überglücklich)

 

Kopiere hier alles an Strategien, Erfolgen und Fehlern was du in die FInger bekommst, mache ich auch so. Auch deine Scheine werde ich mir nachher genauer ansehen und prüfen, ob das was für mch ist.

 

Ich mag Zertifikate nicht, die in sich so kompliziert sind, dass man allein schon nachdenken oder nachrechnen muss, um die Systematik zu durchdringen. Dann hat man (ich jedenfalls) keinen freien Kopf mehr für die wichtigen Dinge oder die Zwischentöne. Einfach muss es sein, ->dann klappt's auch mit dem Nachbarn.

 

Ich würde dir raten: Gutes Geld schlechtem nicht hinterherwerfen, Cash sammeln für den großen Ausverkauf, inzwischen mit leichten Short-Zertifikaten etwas Geld ansammeln, die Strategien unserer "Originale" kopieren und sich das beste heraussuchen.

 

hx.

 

 

Highlighted
Reno
Autor ★★
Beiträge: 25
Mitglied seit: 13.10.2017

Hallo @zerozucker,

als Comdirekt-Kunde beobachte ich seit Jahren diese Community. In den letzten Wochen schreibe ich auch häufiger. Und darin liegt auch mein Tipp. Das Schreiben zwingt die eigene Position exakter zu formulieren und damit Fehler zu vermeiden.

Legende
Beiträge: 5464
Mitglied seit: 23.07.2016

@zerozucker  schrieb:

Die große Frage jetzt: Was tun? Hektisch hin- und her traden scheidet aus. Verkaufen und komplett aussteigen im Grunde auch, der Restwert ist zu marginal.

 


Mein Beileid. Ich würde aber aus steuerlichen Gründen trotzdem über einen Verkauf nachdenken. Denn nur so entsteht ein steuerlicher Verlustvortrag, der dann in Zukunft etwaige Gewinne eine Zeitlang steuerfrei macht. Mit den Zertifikateverlusten kann man sogar Aktiengewinne kompensieren, umgekehrt nicht! Sollten die Faktor-Papiere hingegen irgendwann wertlos ausgebucht werden, besteht diese Möglichkeit nach derzeitiger Rechtslage nicht.

 

Nachtrag: Aufgrund der Pfadabhängigkeit von Faktor-Papiere, die Du ja selbst erkannt hast, empfehle ich nicht, die Papiere zu halten. Faktorpapiere sind aufgrund ihrer Konstruktion tödlich in Märkten, die stark schwanken. Hast Du ja selbst gemerkt.

 

Also mein Rat: Schlussstrich ziehen, alle Verlustpositionen verkaufen, dann abwarten, bis die Märkte sich stabilisieren, inzwischen neues Geld sparen und wieder neu einsteigen.

 

Kopf hoch: solche Fehler machen wir am Anfang alle. Aber nur wer nach deftigen Rückschlägen nicht aufgibt und auch wieder einsteigt, wird irgendwann nicht nur die anfänglichen Verluste wettmachen, sondern sogar dick im Gewinn liegen. Ich spreche aus Erfahrung der letzten 25 Jahre.

 

In Zukunft mehr Glück, und vielen Dank für den sehr ehrlichen Bericht, Kopf hoch

 

nmh (Coke-zero-Fan)

 

Mentor ★
Beiträge: 1145
Mitglied seit: 26.05.2017

Ich wusste gar nicht, dass es Faktor-Zertifikate mit Faktor 15 gibt. Sowas ist wirklich Teufelszeug; Faktor-Zertifikate sind schon mit weit geringerem Faktor völlig unberechenbar, wenn man sie nicht nur Stunden/Tage halten will.

 

Ich kann nmh hier nur Recht geben. Weg mit dem Zeug.

 

Aber mach dir keine allzu großen Vorwürfe, Fehler passieren hier jedem. Ich habe dieses Jahr auch mit Ethereum-Zertifikaten ca. 90% verloren (es war aber glücklicherweise von Anfang an nicht allzu viel Einsatz). Inzwischen spielt es vom Restwert her so gut wie keine Rolle mehr, ob verkaufen oder behalten. Ich werde die Position aber dennoch vor Jahresende verkaufen, weil ich dann durch den Verlust wenigstens noch eine ordentliche Steuererstattung bekomme.

 

Ergänzung: auch mein Gesamt-Depot liegt aktuell knapp 10% im Minus (einen guten Anteil daran hat obiges Zertifikat). Ich bin deshalb aber nicht nervös. Gut die Hälfte davon sind ETFs, die werden langfristig steigen. Der Rest Aktien und einige wenige Hebelprodukte, bei denen ich langfristig auch damit rechne. Ich habe ja erst vor rund 18 Monaten wieder mit Börsengeschäften angefangen und will jetzt auch dabei bleiben. Durch Gewinnsicherungsverkäufe und andere Geschäfte ist meine Jahresbilanz alles in allem sehr deutlich positiv.

zerozucker
Autor ★
Beiträge: 4
Mitglied seit: 22.01.2018

Wow! Ich danke euch allen für die hilfreichen und aufbauenden Kommentare! :-)

 

Ich werde mir in Ruhe überlegen, was ich weiter mache und für die Zukunft deutlich vorsichtiger und vorbereiteter anlegen. Danke Euch!

Experte ★★
Beiträge: 383
Mitglied seit: 11.10.2017

Ich möchte nochmal explizit dem zustimmen, was @nmh geschrieben hat (schon wieder): Die Zertifikate verkaufen und die Verluste hoffentlich später mit Gewinnen verrechnen. Wenn du Aktien im Depot hättest, könnte man die Halten-und-Hoffen-Taktik versuchen, bei Faktorzertifikaten sehe ich das aber nicht als sinnvoll an, vor allem bei dem hohen Hebel. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zertifkate immer weiter an Wert verlieren, je länger du wartest, ist meines Erachtens ziemlich hoch.

 

Viele Grüße

Weinlese