am 19.08.2026 09:49
Hallo zusammen, ich suche irgendwelche Input von betroffenen Personen, die in Deutschland leben, aber neben deutschen auch US-Staatsangehörigkeit haben.
kurze Vorgeschichte: Meine Tochter ist durch Geburt in den USA automatisch US-Bürgerin, obwohl sie nie dort gelebt hat. Hab jetzt erst so richtig begriffen, was das steuerlich bedeutet, und ehrlich gesagt – mir raucht der Kopf.
Es sind wohl drei Baustellen gleichzeitig:
• US-Steuererklärung (ab einer gewissen Ertragshöhe, komme nicht drumherum, es ist auch ok.
• FBAR – Meldepflicht sobald alle Konten zusammen über 10.000 $ liegen, unabhängig vom Einkommen
• PFIC – ganz normale europäische ETFs (MSCI World, Dividenden-ETFs, sowas) gelten aus US-Sicht als “PFIC” und lösen richtig nerviges Formularchaos aus, selbst bei ein paar hundert Euro Ertrag.
Das Bittere: genau die ETFs MSCI WORLD und SP500, die ich für sie anspare bis Volljährigkeit, sind betroffen. . Einzelaktien und Festgeld dagegen kein Problem.
Hat das schon jemand von euch durch? Selbst gemacht oder Steuerberater geholt? Und falls ja – kennt jemand eine Kanzlei, die sich wirklich mit sowas auskennt und nicht gleich 3000 € für den Antwort “kommt drauf an” verlangt? Bin für jeden Tipp dankbar, komm mir gerade ziemlich allein damit vor und ärgere mich, dass ich ihr die Probleme mit Depot bei Comdirect erst gemacht. Kein Depot-Kein Problem. Jetzt haben wir den Salat und müssen durch.
am 19.08.2026 19:30
Ich kann zu der konkreten Frage nichts sagen, finde es aber spannend, daß die comdirect in dieser Konstellation überhaupt ein Depot eröffnet.
Früher war das nicht möglich.
am 19.08.2026 21:33
Interessant. Normalerweise erlaubt die ComDirect bei US Bezug nur das Handeln mit Aktien aber nicht mit ETFs. Ist zumindenst bei uns so. Meine Kinder haben jeweils auch ein Junior Depot und aufgrund ihrer doppelten Staatsbürgerschaft (Deutsch/US) darf ich seit einigen Jahren für sie nur noch in Aktien investieren.
Immerhin erlaubt die Comdirect noch in Aktien zu investieren. Die meisten Banken in Deutschland lehnen Depots für US Personen direkt pauschal ab, da aufgrund von Regulation zu aufwendig und bei nur kleinen Fehlern erwartet den Banken sehr hohe Strafen. Das Risiko wollen viele Banken nicht eingehen.
am 19.08.2026 21:53
Ergänzung: Vor ein paar Jahren war das Invenstieren in ETFs noch möglich bei der Comdirect für US Personen. Irgendwann kam dann ein Brief, und ich musste alle ETFs unverzüglich verkaufen, selbst mit Verlusten. War nicht so prickelnd.
am 20.08.2026 08:45
Mich würde die Begründung interessieren, was die Amis dazu treibt, ihren Leuten solche Vorgaben zu machen. (und da sagt man, wir Deutschen mit unseren Regeln seien schlimm). Bankseitig kann ich verstehen, dass man sich nicht in ein Minenfeld begeben will, zumal es ja auch so Leute gibt, die als US-Bürger dich dann ins offene Messer laufen lassen, weil sie die Regeln bewusst kennen.
am 20.08.2026 09:40
@Floppy85 schrieb:Mich würde die Begründung interessieren, was die Amis dazu treibt, ihren Leuten solche Vorgaben zu machen.
'Die Amis' machen 'ihren Leuten' keine Vorgaben. Die US-Regierung praktiziert Verbraucherschutz auch im Ausland und verlangt von ausländischen Banken, die Konten für deren Staatsbürger führen, ähnliche Sorgfalts- und Berichtspflichten wie für amerikanische Inlandsbanken.
am 20.08.2026 09:57
Vielleicht kann ja @Fix1 etwas zu dem Thema sagen.
am 20.08.2026 09:59
@dg2210 schrieb:Ich kann zu der konkreten Frage nichts sagen, finde es aber spannend, daß die comdirect in dieser Konstellation überhaupt ein Depot eröffnet.
Früher war das nicht möglich.
Eröffnen ja, mich würde es aber nicht wundern, wenn die comdirect irgendwann sagt: "Alles, was nicht Aktie ist, sofort verkaufen!".
Siehe auch den Artikel vom "Fonds-Supermarkt" von 2022 .
am 20.08.2026 10:09
@dg2210 schrieb:
@Floppy85 schrieb:Mich würde die Begründung interessieren, was die Amis dazu treibt, ihren Leuten solche Vorgaben zu machen.
'Die Amis' machen 'ihren Leuten' keine Vorgaben. Die US-Regierung praktiziert Verbraucherschutz auch im Ausland und verlangt von ausländischen Banken, die Konten für deren Staatsbürger führen, ähnliche Sorgfalts- und Berichtspflichten wie für amerikanische Inlandsbanken.
Es geht den USA doch wohl eher darum, Ihre Bürger auch im Ausland zu besteuern. Diese Idee wurde bei uns auch mal diskutiert in Hinblick auf Steuerflüchtlinge (es gab und gibt ja genügend prominente Fälle), aber als zu aufwendig verworfen.
Grüße
Klever
am 20.08.2026 10:12
@Joerg78 schrieb:
@dg2210 schrieb:Ich kann zu der konkreten Frage nichts sagen, finde es aber spannend, daß die comdirect in dieser Konstellation überhaupt ein Depot eröffnet.
Früher war das nicht möglich.
Eröffnen ja, mich würde es aber nicht wundern, wenn die comdirect irgendwann sagt: "Alles, was nicht Aktie ist, sofort verkaufen!".
Siehe auch den Artikel vom "Fonds-Supermarkt" von 2022 .
Man findet ganz unterschiedliche Berichte im Netz, von 'Kündigung der gesamten Kontoverbindung / Ablehnung der Kontoeröffnung' bis 'Alles problemlos, lediglich Fonds-Handel ist eingeschränkt'.
Das hilft dem Fragesteller nur insoweit, als daß man sich nicht auf anonyme Berichte im Internet verlassen sollte, sondern professionellen Rat einholen muß.