09.08.2026 14:40 - bearbeitet 09.08.2026 15:03
Hallo Commmunity, hallo @nmh,
am Freitag haben wohl viele interessierte Leserinnen und Leser den beeindruckenden sommerlichen Börsennewsletter eines nicht mit mir in Geschäftsbeziehung stehenden Absenders erhalten. Dieser scheint Substantiiertes insbesondere zu den aktuellen Börsenentwicklungen zu enthalten und könnte ein wertvolles Bildungstool sein. Der Hinweis auf die Kreislauffinanzierung bei einigen US-Werten der KI-Branche ist beispielsweise etwas, was die Tagespresse fast vollständig ignoriert.
Die Lagefeststellung zu den geopolitischen Risiken ist meiner Einschätzung nach viel Besser ist als das was die meisten Gesprächspartner eines Köln-/Berliner-Nachrichtensender abliefern.
Dennoch möchte ich auf diesem Weg - ohne den Verfasser zu rügen - eine leicht ungeschickte Formulierung richtigstellen. Es geht hier um die Behauptung von Mistrades. Zitat: "Diese passieren besonders häufig bei Lang & Schwarz".
Als Beispiel wird ein sehr kleiner Wert genommen, der bei einer Verkaufsorder nach Süden getickt sei. Bei sehr hohen Volatilitäten sind die Grenzen zwischen sofortiger Ausführung und zu hohem Kursverlust natürlich fließend.
Dennoch kann ich sagen, dass ich beim Börsenplatz Lang & Schwarz noch nie einen Mistrade erlebt habe. Weder über die normale Ordermaske bei comdirect, noch bei komplexeren Transaktionen.
Zusätzlich gibt es eine institutionelle, einprogrammierte Absicherung innerhalb der Gestaltung des Ordersystems beispielsweise für das Social Trading bei der wikifolio AG, Wien.
So sieht eine Stop Loss Order für das"Musterdepot" aus, das dann von der Lang &Schwarz AG bei einigen sorgfältig kuratierten Musterdepots als Zertifikat herausgegeben wird. Und meiner Einschätzung nach ein seriöses Vorbild des Copy Trading ist, was über bestimmte Videoplattformen leider auch nicht geprüft staatlich genehmigt angeboten zu werden scheint. Da ich keine Vertriebslizenz habe beziehe ich mich ausdrücklich nicht auf das direkt abgeleitete Zertifikat "Der Drachenturbo" (WKN: LS9VUC). Ich weise daraufhin, dass ich Initiator dieses Musterdepots bin (Disclaimer).
Quelle: Ordersystem wikifolio, wird abgebildet auf daraus abgeleiteten Derivaten
Dieser Orderbeleg ist nur ein Symbolbild, den Wert wollte ich weiter halten. Wie wir also sehen, können wir das Folgende tun: Bei einer Stop Order sowohl das Stop-Limit eingeben, als auch eine Art unteren Boden unter dem nicht verkauft wird. Die Verkaufsorder wird bei Erreichen vom Stop Limit normalerweise zu "bestens". Bei diesem Ordersystem kann man aber zusätzlich das Limit für die dann entstehende Order eingeben, sodass das zu weite "Ticken" nach Süden ausgeschlossen werden kann. Dann haben wir eine ganz normale Verkaufsorder mit Limit.
Mit Rücksicht auf unterschiedliche Spreads lassen sich auch Wochenendtage oder Uhrzeiten ausschließen. Ich halte Lang & Schwarz für sehr zuverlässig.
Wer Lust hat und dies am lebenden Musterdepot bzw. dem von Lang & Schwarz abgeleiteten Zertifikat nachvollziehen will, der kann das sichere Watchlisting abonnieren:
https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf28888882
In den Trades kann der Nutzer ein bisschen nach hinten blättern und Kurse abgleichen. Mir sind keine Mistrades aufgefallen.
In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn wir alle bei den großen und kleinen Börsenplätzen bleiben, um den Wettbewerb zu erhalten.
Liebe Grüße
Gluecksdrache
Gelöst! Gzum hilfreichen Beitrag.
10.08.2026 09:32 - bearbeitet 11.08.2026 11:25
10.08.2026 09:32 - bearbeitet 11.08.2026 11:25
Ich habe mal die Datenbank meines Nachbarn nmh, der mehrere tausend Trades pro Jahr durchführt und daher über belastbares Datenmaterial verfügt, geplündert und folgendes gefunden:
nmh hatte in den letzten Jahren genau 91 reklamierte Mistrades, den letzten erst am 3.08.2026 bei Quotrix. Über den hat er ja in seinem Newsletter berichtet. Die Mistrades teilen sie wie folgt auf:
Lang & Schwarz: 55 ( 60%) Mistrades, davon 44 ( 80%) erfolgreich reklamiert
Baaaaaader: 21 ( 23%) Mistrades, davon 19 ( 90%) erfolgreich reklamiert
Société Générale: 13 ( 14%) Mistrades, davon 13 (100%) erfolgreich reklamiert
sonstige: 2 ( 2%) Mistrades, davon 2 (100%) erfolgreich reklamiert
Im Ergebnis hat L&S 6 von 10 reklamierten Mistrades produziert. Das ist statistisch durchaus relevant. Interessant ist auch, dass man bei L&S gleichzeitig am häufigsten auf Granit beißt, wenn es um eine Reklamation geht. nmh ist der Meinung, dass das nicht mehr im Bereich des Zufalls liegt. Es bleibt bei der deutlichen Warnung vor L&S für unlimitierte Stop Loss-Orders. Gegen einen Direkthandel (sofortiger Kauf oder Verkauf) über L&S spricht dagegen nichts, denn manchmal bietet L&S im Vergleich zu den beiden anderen bessere (jedoch vorher bekannte) Preise.
Gleichzeitig ist L&S auch im Bereich der sog. "Wikifolio-Zertifikate" aktiv. nmh warnt schon seit längerem deutlich vor dem Kauf von Zertifikaten auf Wikifolien, u.a. auch im Newsletter. Dabei führt er vor allem vier Gründe, hier sortiert nach Gewichtigkeit, an:
1. Dividenden aus US-Aktien kassiert der Emittent L&S vollständig, angeblich aus steuerlichen Gründen (sog. Sec. 871m). Die Investoren, die die Zertifikate halten, erhalten keinerlei Ausgleich dafür. Dadurch gehen gerade bei dividendenstarken Aktien hohe Summen ersatzlos verloren. Bei ETF und bei sog. Delta-1-Zertifikaten (Indexzertifikate) und auch bei Turbozertifikaten (siehe dazu große Auswertung im Newsletter Anfang 2026) werden die Dividenden nach Abzug der Steuern angerechnet, kommen also den Anlegern zu Gute.
2. Wikifolio berechnet eine erfolgsabhängige Gebühr, die zwischen 5 % und 30 % des erzielten Erfolgs liegt. Die Gebühr fällt an, wenn das Wikifolio einen neuen Höchststand (High-Watermark) innerhalb des aktuellen Kalenderjahres (!!!) erreicht. Sie wird also nur auf den tatsächlich neu erwirtschafteten Gewinn (die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Höchststand) berechnet. Dumm nur, dass die High-Watermark jedes Kalenderjahr neu festgelegt wird. Es genügt für die Gebühr also bereits, dass das Zertifikat im laufenden Jahr im Plus liegt, auch wenn man als Anleger zuvor jahrelang riesige Verluste gemacht hat.
3. Auch wenn ein Wikifolio viele unterschiedliche Aktien enthält, genügt es, dass eine einzige davon nicht handelbar ist, dass für das Zertifikat keine handelbaren Kurse mehr gestellt werden. Dieser Zustand geht nicht selten wochen- oder monatelang so. Man kann dann die Zertifikate nicht kaufen oder verkaufen. Gerne passiert das auch bei Kapitalmaßnahmen, z.B. Split oder Spin Off.
4. Nach Auskunft der Wikifolio-Website sind die Zertifikate besichert. Allerdings ist die juristische Konstruktion dahinter eher klapprig. Die Zertifikate sind kein Sondervermögen, sondern gehören zum Fremdkapital von L&S. Das bedeutet, wenn L&S die Hände heben muss, wären auch die Zertifikate Teil der Insolvenzmasse. Zwar gibt es eine "Besicherung", aber wie die juristisch genau funktioniert und warum sie im Insolvenzfall gerade das Vermögen der Anleger in den Zertifikaten schützen soll, verrät L&S auch auf Nachfrage nicht im Detail. Laut Wikifolio-Website gibt es einen Treuhänder, der die Wertpapiere im Falle einer Insolvenz verwertet und dann an die Inhaber der Zertifikate auszahlt. Das wäre jedoch eine Verletzung des Verbots der Ausschüttung aus der Insolvenzmasse und daher juristisch unzulässig: Bei Insolvenz dürfen nicht einzelne Gläubiger bevorzugt werden (mit gewissen Ausnahmen, die hier nicht zutreffen, wie z.B. Arbeitnehmer oder der Fiskus). Diesen Punkt hatte auch @haxo vor einigen Jahren in einem Thread zur Diskussion gestellt.
Es bleibt bei der deutlichen Warnung vor Wikifolien und vor allem L&S-Zertifikaten darauf.
Hochachtungsvoll
der Nachbar von nmh
am 10.08.2026 20:27
@FakeAccount schrieb:
Es bleibt bei der deutlichen Warnung vor Wikifolien und vor allem L&S-Zertifikaten darauf.
Da kann ich nur zustimmen!
11.08.2026 13:14 - bearbeitet 11.08.2026 13:16
11.08.2026 13:14 - bearbeitet 11.08.2026 13:16
Hallo @FakeAccount,
hallo Community,
in aller Freundlichkeit und mit der gebotenen Zurückhaltung weise ich auf die erheblichen Reputationsrisiken hin, mit denen die Formulierungen in deinem Beitrag verbunden zu sein scheinen.
Einem renommierten Wirtschaftsprüfer ein sehr nachlässiges bis evtl. Falschtestat aus dem Blickwinkel des Nicht-Profis zu unterstellen scheint meiner subjektiven Meinung nach eine heftige Grenzverletzung zu sein. Damit verbundene Prozessrisiken sind Aufwand in Geld und Zeit - das Zweitgenannte liegt schwerer.
Einer Behörde, die eine fünfstellige (!) Anzahl Produkte geprüft hat, könnte der Verfasser zudem komplette Untätigkeit unterstellen. Das Ganze liest sich in Kurzfassung so: München-Bogenhausen ist schlau, alle anderen nicht.
Auf die positiven Aspekte der Gebührenmechanik und wie viele junge Menschen kostenlos an die Märkte herangeführt werden, gehst du 0,0 ein.
Zu den weiteren Punkten können IT-ler wesentlich besser Stellung nehmen, wenn angeblich 60 Prozent der Transaktionen nicht den Usancen und allgemeinen Stndards entsprechen sollten. Hier empfiehlt sich die eigenen Systeme und/oder Wahrnehmungen feinzujustieren. Der erste wertvolle Hinweis hierfür kann sein, dass die Orders wohl eine individuelle Kalkulation erfordern. Dies ist in Stuttgart etc. oft auch so.
Meiner persönlichen Meinung ist und bleibt dieser offene Frontalangriff auch geschmacklos, die comdirect Community könnte der falsche Ort sein. Sollte der Verfasser das wirklich klären wollen so würde ich einen Termin beim Börsenplatz empfehlen.
Bei der behaupteten, nicht substantiierten Anzahl an Trades sollte es für den Verfasser wertvoll sein diesen Tag einzuplanen.
@FakeAccount schrieb:Ich habe mal die Datenbank meines Nachbarn nmh, der mehrere tausend Trades pro Jahr durchführt und daher über belastbares Datenmaterial verfügt, geplündert und folgendes gefunden:
In der juristischen Würdigung könnte es von Bedeutung sein, ob der Beitrag einmal geschrieben wird, freiwillig editiert wird oder ob der Verfasser noch mal nachlegt. Oder ob die Bank aus Frankfurt wegen den damit verbundenen Risiken bei diesem Beitrag den Stecker zieht. Was die eleganteste und effizienteste Lösung zu sein scheint.
In diesem Sinne wünsche ich dem Verfasser alles Gute bei seinen Börsengeschäften und bitte ihn herzlich etwaige, weitere Fragen direkt den beteiligten Unternehmen zu stellen.
Alles Gute für deine Zukunft!
Liebe Grüße
Gluecksdrache