am 01.05.2019 12:27
Hallo zusammen,
durch die die aktuelle Folge des „On the way to new work“ Podcasts bin ich auf den neu aufgesetzten „proud@work“ Fonds gekommen (WKN: A2JF9B). Der wurde von den Gründern der ehemaligen Werbeagentur „Springer&Jacoby“ ins Leben gerufen. Sie sind überzeugt davon, dass die Unternehmen am erfolgreichsten sind (und vor allem Krisen schneller überstehen), deren Mitarbeiter besonders „stolz“ sind, für das Unternehmen zu arbeiten.
Das Konzept finde ich persönlich sehr interessant, z.B als Beimischung zu einem MSCI World / EM Sparplan, allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher, was ich von der Kostenstruktur halten soll: bei einer negativen Entwicklung bzw. einem Wachstum bis zu 3% fallen gar keine Kosten an. Auf alle Erträge über 3% (und so lange der Fonds sich dabei auf einem Höchststand innerhalb der letzten fünf Jahre befindet), werden auf alle weiteren Renditen 50% Provision fällig.
Was haltet ihr von diesem Modell?
Gelöst! Gzum hilfreichen Beitrag.
am 01.05.2019 22:20
Ganz ehrlich? Ich bin der Meinung, dass das ein weiterer verzweifelter Versuch der Fonds-Industrie ist, den Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen.
- Ist das proud@work Konzept so innovativ und ertragreich, dass Du damit eine Überrendite gegenüber deinen klassischen, kostengünstigen, breit gestreuten ETF erzielen wirst? Ich halte das für ausgeschlossen.
- Selbst wenn wir mal annehmen, dass dieser Fonds mehr als die 8% p.a. erzielen wird, die deine ETF langfristig schaffen werden: Alles über 3% wird zu 50% abgeschöpft. Spricht, bei 8% wandern 2,5% an den Fondsmanager, bei 10% Rendite 3,5% usw. Ich halte alles über 2% Kosten bei aktiv gemanagten Fonds für eine gewaltige Frechheit.
- Arbeit hat der Fondsmanager ja nicht wirklich viel: Er kauft einfach die Unternehmen, die den Stempel "great place to work" haben. Die Arbeit, diesen Stempel zu vergeben, hat ein anderer gemacht.
- Viele dieser tollen Unternehmen sind ohnehin nicht börsennotiert, an denen kannst Du Dich nicht beteiligen (z.B. dm)
- Der Fonds ist mit 6 Mio. EUR winzig klein. Ich glaube kaum, dass dieses Nischenprodukt langfristig bestehen wird.
Mein Fazit wäre daher: Finger weg.
Gruß,
swolpoll
am 02.05.2019 10:56
Hallo @swolpoll ,
vielen Dank für deine Einschätzung, die letztlich auch genau meine Bedenken widerspiegelt. Auch wenn die geringe Größe des Fonds natürlich auch damit zusammenhängt, dass er erst gestern gestartet ist...
Letztlich könnte man auf Basis des Konzepts ja auch einfach einen wesentlich günstigeren ETF aufsetzen (Börsennotierte Unternehmen auf Basis der Daten von "great place to work" aufnehmen). Steckt tatsächlich nicht besonders viel aktives Management dahinter...
am 02.05.2019 11:48
@gaddagah: Ja, oder Du könntest mal in den Fonds-Bericht schauen und Dir Unternehmen raussuchen, in die Du dann selbst direkt investierst. Wenn Dir die Investment-Idee gut gefällt, kannst Du so davon profitieren ohne hohe Gebühren zu zahlen...
am 05.07.2026 09:43
@gaddagah schrieb:
Letztlich könnte man auf Basis des Konzepts ja auch einfach einen wesentlich günstigeren ETF aufsetzen (Börsennotierte Unternehmen auf Basis der Daten von "great place to work" aufnehmen). Steckt tatsächlich nicht besonders viel aktives Management dahinter...
Interessanterweise gibt es den Fonds seit Kurzem, nämlich seit Mai 2026 als ETF:
proud(at)work ETF (DE000A41ZZJ4) PROUD(AT)WORK UCITS ETF (A41ZZJ)
Zuvor waren schon zwei Anteilsklassen mit geringerer Kostenbelastung ("classic" und "pur") als der ursprüngliche Fonds ("purpose") aufgelegt worden.
Zeit für einen Vergleich (bei fondsweb,de) mit einem MSCI World ETF:
Der ETF und die Anteilklasse "pur" haben aktuell fast keine oder nur wenig Historie, darum der Vergleich nun ohne sie:
https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/ansicht/isins/DE000A2JF9B6,DE000A2PRZX5,IE00B4L5Y983
Die Kostenbelastung des ursprünglichen Fonds "purpose" ist einfach zu hoch, aber "classic" konnte mit dem MSCI World ETF gut mithalten und liegt aktuell sogar vorne (das ist natürlich nur eine Momentaufnahme).
Als ETF mit geringeren Kosten als klassische Fonds dürfte proud(at)work sogar noch besser laufen, wobei auch der ETF im Vergleich zu den passiven Standard-ETFs immer noch höhere Kosten hat.
Trotzdem vielleicht als Beimischung eine Überlegung wert.
Grüße
Klever
05.07.2026 18:21 - bearbeitet 05.07.2026 18:22
05.07.2026 18:21 - bearbeitet 05.07.2026 18:22
Hallo @gaddagah, hallo @Klever, hallo @swolpoll,
danke für die interessante Frage nach einem Fondsvergleich. Die von dir zitierte Anlageidee verwendet die in den Wirtschaftswissenschaften oftmals verifizierte Hypothese, dass eine hohe Mitarbeiter Motivation zu höheren Erträgen führen sollte. Allerdings ist dies ein 1-faktorielles Modell: Sprich ich vergleiche Unternehmen gleicher Branche und Ausgangsposition miteinander und stelle erhebliche Unterschiede in ROI und Wachstum fest. Allerdings brauchen die Fondsmanager wohl noch ein bisschen Inspiration und eine noch glücklichere Hand.
Ich stelle das zuerst einmal mit dem Grafiktool hier von comdirect dar, leider berücksichtigt dieses nicht wenn Fonds zu einem ungleichen Zeitpunkt starten. Aber alleine mit der okkularen Regression (dem genauen Hinsehen mit dem menschlichen Auge - den Begriff verwendet Thorsten Roland Wegener sehr gerne) zeigt sich. Der comdirect ALL world ETF scheint dieses Konstrukt outzuperformen. Ich schau gleich mal noch nach einem anderen Chart-Tool.
Deshalb erst einmal die "Vorspeise":
Quelle: comdirect Musterdepot/Charttool, abgerufen am 05.07.2026
Über einen 6-Monats-Zeitraum performed also das comdirect gebrandete Produkt besser, ich schaue mal nach weiteren Zeiträumen.
Quelle: comdirect Website, abgerufen am 05.07.2026
Dann gibt es noch die wikifolios der Sortimentserweiterung vom 26.05.2026 und alle anderen wikifolio Musterdepots, die als Zertifikat abgebildet werden. Dort werden nach Erreichen der jeweiligen High-Watermark eines Jahres lediglich insgesamt 5 bis 15 % zusätzliche Performancegebühr zwischen Lang & Schwarz AG, wikifolio AG und dem Initiator aufgeteilt. 50 % Erfolgsprovision sind schon heftig. Vielleicht magst du ja die wesentlichen Positionen eines wikifolio Musterdepots zuhause nachbauen. Erst auf Papier, dann real bei comdirect traden?
Ich schau mal ob ich ein Chart-Tool mit 3 Monaten finde, was noch exakter abbildet. Das ist perfekt zu einem Sonntagabendkaffee. Bis gleich.
Liebe Grüße
Gluecksdrache
05.07.2026 18:36 - bearbeitet 05.07.2026 18:37
05.07.2026 18:36 - bearbeitet 05.07.2026 18:37
Hallo @gaddagah,
nun noch ein Vergleich zu der ausschüttenden Variante (wohl etwas unter 1 Prozent - deshalb bitte beim Vergleich mit der Allianz noch mal nachrechnen) und weiteren Anlageformen. Die langfristige Variante über mehrere Jahre sieht in diesem Chart-Tool deutlich aus:
Quelle: comdirect Webseite, abgerufen am 05.07.2026
Es scheint also so zu sein, dass die Abschöpfung von 50 % der Mehrerträge über der positiven Steigung von 3 % den Anstieg glätten würden, in kurzen Rezessionsphasen nicht.
Danke für den interessanten Beitragsbaum, @gaddagah!
Liebe Grüße
Gluecksdrache