Nachhaltig investieren - sinnvoll?

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Hallo,

 

nach @swolpollThread nebenan habe ich mir doch noch ein wenig Gedanken zu nachhaltigem Investieren gemacht, wollte aber seinen Thread nicht (weiter) zumüllen damit Smiley (fröhlich).

 

Ich habe dazu einen Beitrag von finanztest gelesen (den es hier bei ampega auch im Volltext gibt*). Dort werden auch interessante Fonds vorgestellt (zB GreenEffects NAI-Wertefonds IE0005895655: gezielte Auswahl von Unternehmen, statt nur dem üblichen "alles außer"-Ansatz).

 

Die andere, weniger obskure, Variante wäre zB die von @istalix im anderen Thread genannten SRI-ETFs beizumischen (also zB den MSCI World Anteil aufsplitten auf 70% MSCI und 30% MSCI SRI).

 

Was ich mich bei alldem aber Frage: Was bringt es? Welchen Vorteil hat eine Firma, wenn ich über einen Fonds in sie investiere (oder gegenteilig: welcher Nachteil entsteht einer Firma, wenn ich mich aus einem Fonds zurückziehe der in sie investiert)? Wird die Welt davon wirklich besser? Oder wäre es nicht sinnvoller normal zu investieren und dafür den Performancegewinn als Spende der Deutschen Wildtierstiftung o.ä. zukommen zu lassen?

 

Hierzu würden mich mal eure Gedanken interessieren, gerne auch mit anderen Vorschlägen für Investitionsvehikel.

 

- Necoro

 

*) Na ob das erlaubt ist...

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Was ich mich bei alldem aber Frage: Was bringt es? Welchen Vorteil hat eine Firma, wenn ich über einen Fonds in sie investiere (oder gegenteilig: welcher Nachteil entsteht einer Firma, wenn ich mich aus einem Fonds zurückziehe der in sie investiert)? Wird die Welt davon wirklich besser? Oder wäre es nicht sinnvoller normal zu investieren und dafür den Performancegewinn als Spende der Deutschen Wildtierstiftung o.ä. zukommen zu lassen?

 



@Necoro: Super Initiative! Und danke für den verlinkten Artikel, er ist zwar schon etwas älter, aber dort ist das Thema gut aufbereitet.

 

Was bringt es? Ich finde viel.

 

- Warum gibt es in Deutschland keine Käfigeier mehr zu kaufen? Weil die Verbraucher Druck gemacht haben.

- Warum gibt es mittlerweile sogar bei Aldi ein umfangreiches Bio-Sortiment? Weil die Verbraucher Druck gemacht haben.

- Warum ist Bakkafrost (A1CVJD) so erfolgreich? Weil die Verbraucher bereit sind, hohe Preise für Bio-Lachs zu zahlen

- Warum kümmert sich H&M plötzlich um die Einhaltung von Arbeitsschutznormen in seinen Zuliefererbetrieben? Weil die Verbraucher es wollen.

- Warum zieht sich die Allianz aus der Kohlefinanzierung zurück? Weil die Investoren es so wollen.

 

Erstmal passiert zwar gefühlt nicht viel, aber bei vielen Themen ist schnell eine kritische Masse erreicht und es findet ein Umdenken statt. Wie Du siehst, gibt es zahlreiche Beispiele dafür.

 

Wenn sich Investoren also von bestimmten Firmen zurückziehen, wird das irgendwann einen Effekt haben. Warum konnte Monsanto von Bayer aufgekauft werden? Weil alle Monsanto hassen. Und Bayer wird den Namen Monsanto so schnell es geht aus den Geschichtsbüchern tilgen.

 

Ich denke also, jeder Investor kann einiges tun. Und wenn es dann noch nicht einmal Rendite kostet, wie @istalix uns vorgerechnet hat, umso besser!

 

Gruß, swolpoll

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@swolpoll  schrieb:

Was bringt es? Ich finde viel.

 

- Warum gibt es in Deutschland keine Käfigeier mehr zu kaufen? Weil die Verbraucher Druck gemacht haben.

- Warum gibt es mittlerweile sogar bei Aldi ein umfangreiches Bio-Sortiment? Weil die Verbraucher Druck gemacht haben.

- Warum ist Bakkafrost (A1CVJD) so erfolgreich? Weil die Verbraucher bereit sind, hohe Preise für Bio-Lachs zu zahlen

- Warum kümmert sich H&M plötzlich um die Einhaltung von Arbeitsschutznormen in seinen Zuliefererbetrieben? Weil die Verbraucher es wollen.


Das sind aber alles Verbraucher-Themen, inwiefern spielen da (passive) Aktieninvestoren rein?

 

Zu Monsanto: Naja, aber durch den Kauf durch Bayer ändert sich ja nichts an den Praktiken, die Monsanto erst in den Verruf gebracht haben. Nur Kosmetik.

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Zu der Frage des Vorteils für ein Unternehmen: Die Nachfrage nach seinen Aktien erhöht sich bzw. das verfügbare Angebot sinkt (da der ETF die einmal gekauften Aktien langfristig hält), somit steigt in der Tendenz der Kurs. Zum einen ist das psychologisch günstig. Zum zweiten kann sich das Unternehmen dann im Bedarfsfall besser und günstiger über eine Kapitalerhöhung weiter finanzieren.

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Ich sehe es wie @chi

 

Die Unternehmen sind immer wieder auf der Suche nach zuverlässigen Investmentfonds. Je größer der Fonds ist, desto größer ist auch das Interesse des Unternehmers vom Fondsmanager bedacht zu werden.

 

Der von mir favorisierte Fonds für mein Gutes-Gewissen-Investment hat folgende Kritierien:

  • keine Devisenspekulationen
  • keine Investition in Wertpapiere von emittierenden Unternehmen, die ihren Sitz aus steuerlichen Gründen in eine Steueroase verlegt haben
  • keine Investition in Rohstoffe und Nahrungsmittel
  • ständiges Monitoring und Unternehmensdialog
  • aufwändiger Researchprozess mit menschlichen Einzelfallentscheidungen statt starrer Bewertungssysteme
  • nur Unternehmen mit einem besonders nachhaltigen Kerngeschäft

Durch den letzten Punkt sind Tabak, Rüstung etc. ausgeschlossen.

Die Bank, die hinter dem Fonds steht ist glaubwürdig nachhaltig und trotzdem nicht weltfremd. Habe das Management auch schon im persönlichen Dialog kennengelernt. Ich mag Banken nicht - aber wenn ich denn mal eine mögen müsste, dann wohl diese noch am ehesten. ;-)

 

WKN per DM. Will mir hier nicht den Vorwurf anhören Kurse zu pushen Lachender Smiley

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WKN per DM. Will mir hier nicht den Vorwurf anhören Kurse zu pushen Lachender Smiley


@akh: Das ist aber sehr höflich und zurückhaltend :-) Ich persönlich finde das nicht schlimm hier WKNs zu posten, solange es sachlich formuliert ist, zum Thema gehört und (ganz wichtig!) man offenlegt, ob man selber investiert ist oder nicht. Sonst wäre dieses Forum ja wenig erquicklich. Gruß, swolpoll

 

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@Necoro  schrieb:

 

Was ich mich bei alldem aber Frage: Was bringt es? Welchen Vorteil hat eine Firma, wenn ich über einen Fonds in sie investiere (oder gegenteilig: welcher Nachteil entsteht einer Firma, wenn ich mich aus einem Fonds zurückziehe der in sie investiert)? Wird die Welt davon wirklich besser? Oder wäre es nicht sinnvoller normal zu investieren und dafür den Performancegewinn als Spende der Deutschen Wildtierstiftung o.ä. zukommen zu lassen?

 

Hierzu würden mich mal eure Gedanken interessieren, gerne auch mit anderen Vorschlägen für Investitionsvehikel.

 

- Necoro

 

*) Na ob das erlaubt ist...


So mache ich es. Smiley (fröhlich)

 

Ich erlaube mir, an dieser Stelle Werbung für ein aktuelles Projekt des NABU zu machen:

 

https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/spenden/24633.html

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@NordlichtSH

das ist auf jeden Fall auch gut und wichtig. Ich unterstütze zB LobbyControl. Es gibt viele Organisationen, die Gutes tun und von denen ich mir wünsche, dass es sie auch morgen noch gibt.

 

Ein nachhaltiger Fonds/ETF (egal welcher) hat für mich aber noch einen anderen Vorteil: Wir können einen Signal setzen!

Der Kapitalmarkt (inkl. des Kapitalmarkt-Journalismus) ist riesengroß und ziemlich fleißig, wenn es darum geht Trends zu erkennen oder Prognosen herzuleiten. Ein wichtiges Signal ist zB, dass ehtische Investments a) performen können und sich b) wachsender Beliebtheit erfreuen.

 

Es ist mir als Privatanleger nicht egal, wenn Konzerne in Steueroasen fliehen, während die Staaten allesamt nicht wissen wie sie ihre Haushalte finanzieren sollen. Ich bin mir auch bewusst, dass meine drei Aktien einen Konzern nicht zum umdenken bewegen. Ich gebe auch zu an Unternehmen beteiligt zu sein, die eine Finance B.V. in NL betreiben, oder eine Shell, die sich natürlich auch geopolitisch interessiert. Aber ich habe eben auch zwischen 5 und 10 Prozent meines Depots nachhaltig/ ethisch investiert. Es ist ein Kompromiss.

istalix
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@Necoro  schrieb:

 

Die andere, weniger obskure, Variante wäre zB die von @istalix im anderen Thread genannten SRI-ETFs beizumischen (also zB den MSCI World Anteil aufsplitten auf 70% MSCI und 30% MSCI SRI).

 

Was ich mich bei alldem aber Frage: Was bringt es? Welchen Vorteil hat eine Firma, wenn ich über einen Fonds in sie investiere (oder gegenteilig: welcher Nachteil entsteht einer Firma, wenn ich mich aus einem Fonds zurückziehe der in sie investiert)? Wird die Welt davon wirklich besser? Oder wäre es nicht sinnvoller normal zu investieren und dafür den Performancegewinn als Spende der Deutschen Wildtierstiftung o.ä. zukommen zu lassen?

 


Das "Beimischen" aus MSCI World "mit und ohne SRI/ESG" ist letztlich eine gewisse Form von Greenwashing: man investiert schon in "den breiten Index", gewichtet so aber nachhaltige Firmen etwas über. Auf die Performance sollte es rein nach MSCI quasi keine Auswirkung haben, da die verschiedenen ETF-Anbieter abereben doch immer etwas vom Index abweichen (und die UBS-SRI-ETFs hier leider etwas schlechter abschneiden), wäre das so ein gewisser Kompromiss.

 

Von ishares/Blackrock gibt es beispielsweise auch eine Liste von SRI/ESG- und Impact-ETFs, die gezielt in "bessere" Firmen investieren (justetf). Wer den "normalen" MSCI World wegen seinem 60%-"US-Übergewicht" nicht mag, kann sich auch aus den ishares-MSCI-SRI für USA/Europa/Japan/Emerging Markets sein individuell gewichtetes Portfolio basteln. Mit einer TER von 0,3-0,35% sind diese ETFs auch auf Augenhöhe mit vielen "normalen" ETFs.

 

 

Zum Thema "was bringt es": die großen ETF-Anbieter haben durchaus einiges Gewicht, immerhin halten diese Firmen nennenswerte Firmenanteile und bekommen so quasi jederzeit einen Gesprächstermin in der jeweiligen Chefetage. Wenn der Trend in Richtung "nachhaltig" geht, werden die Firmen zum einen von den ETF-Anbietern in diese Richtung "beraten", zum anderen sorgen Gewichtungsansätze wie "Best in Class" dafür, dass sich Firmen darum bemühen, zur "besseren Hälfte" zu gehören, damit die entsprechenden Investments quasi automatisch bei ihnen landen.

 

An die Öffentlichkeit dringen diese Dinge eher selten und versteckt. Nach dem Parkland-Amoklauf haben beispielsweise einige US-Supermärkte angekündigt, das Mindestalter für Waffenkauf auf 21 Jahre zu erhöhen. Wirtschaftlich dürfte das für diese Unternehmen kaum einen Unterschied machen, die Ankündigungen kamen aber doch eher unerwartet. Woher könnte das gekommen sein:  lt. WSJ haben ETF-Anbieter wie  Vanguard "im Hintergrund" auf die Firmen eingewirkt, um deren Waffen-Verkaufs-Policies zu überarbeiten - was etwa zum erhöhten Mindestalter geführt haben könnte.

 

Und der ETF-Anbieter Blackrock/ishares hat wenige Wochen später noch nachgelegt und angekündigt, "waffenfreie" Fonds aufzulegen und dieses Kriterium auch auf bestehende Fonds anzuwenden. Das wiederum könnte dazu führen, dass besagte US-Supermärkte wie z.B. Walmart & Co. aus einigen "normalen" iShares/Blackrock-ETFs verschwinden und das (sicherlich über einige Zeit verteilte) Überangebot  an Walmart-Aktien den Walmart-Aktienkurs etwas einbremsen kann - was wiederum der Firma nicht so recht sein kann. 

 

 

 

Im Mai gab es dann auch noch eine beachtete Hauptversammlung eines Waffenherstellers: kurz zuvor haben einige Nonnen sich Aktien eines Waffenherstellers gekauft, um auf der Hauptversammlung den Antrag zu stellen, nach denen der Hersteller mehr öffentliche Transparenz zeigen soll - unter anderem auch  Blackrock unterstützte diesen (angenommenen) Antrag.

 

Der Markt an "nachhaltigen" Investments ist seit Jahren am Wachsen, relativ gesehen aber immer noch recht klein. Im Vergleich zur Größe sind solche "Nebenwirkungen" also durchaus schon beachtenswert.

 

 

ur Alternative "normal investieren, anschließend den Performancegewinn spenden": nachhaltige, breit gestreute ETFs (also keine Branchenwetten auf Wald, Solar oder Wasser) zeigen eine ähnliche Performance wie die "normalen" ETFs. 

 

In der Theorie sind die "nachhaltigen" ETFs auch etwas weniger anfällig für Kurseinbrüche, da sie weniger in "riskante" Geschäfte investiert sind. Beispielsweise halbierte sich nach dem Unfall von Deepwater Horizon der Aktienkurs von BP, auch die restliche Ölbranche sank um 14% und bis heute vermeldet BP immer wieder Milliardenschwere Vergleiche. In der Praxis reicht die breite Diversifizierung über Hunderte von Firmen aus, um die Kurseinbrüche einzelner Firmen zu streuen (z.B. hat BP im MSCI World nur einen Anteil von 0,32%).