am 05.01.2024 15:14
@colabaer schrieb:Hallo zusammen,
mir ist aufgefallen, dass bei manchen ETFs die "Laufenden Kosten", die bei comdirect angegeben werden, nicht mit der "Gesamtkostenquote (TER)", wie sie direkt bei iShares angegeben ist, übereinstimmt.
Trotzdem sind beide Werte für private Anleger irrelevant. Im Grunde fallen sind beide Werte in die Kategorie "Rauschen".
Für Privatanleger relevant ist der Tracking Error, also die Netto-ETF-Performance im Vergleich zum abgebildeten Index.
am 21.05.2026 16:36
Am Beispiel des hausInvest (https://kunde.comdirect.de/inf/fonds/detail/uebersicht.html?SEARCH_REDIRECT=true&REDIRECT_TYPE=WHITE...) kann man sich das wie folgt verdeutlichen:
Die "laufenden Kosten" kommen aus dem gesetzlichen BIB (3,47%; https://online.stockselection.de/simplifiedprospectus2/2578796.pdf ). Sie enthalten aber nicht die (geschätzten) laufenden Transaktionskosten aus den Immobilien, können also noch deutlich (marktphasenabhängig) übertroffen werden.
Insofern ist die TER (VVG, Gesamtkostenquote im Factsheet; beim hausInvest zuletzt 0,84%; kürzlich gesenkt auf 0,64%; https://www.comedia.cloud/m/271537f9d05a2937/original/hausInvest_Factsheet_DE.pdf ) nur ein (im vorliegenden Fall kleiner) definitorischer Kostenbestandteil der "laufenden Kosten".
Es bleibt die Frage tatsächlich im Raum stehen, ob die comdirect hier eine Zusatzdienstleistung im Informer freiwillig erbringt oder von der Aufsicht dazu genötigt wurde, hier mehr Transparenz zu bringen. Transparenz ist prima - aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt?
Insofern widerspreche ich der hier im Forum vertreten Auffassung, dass die Angabe von "laufenden Kosten" im Informer der comdirect "schlicht sinnfrei" ist! Ganz im Gegenteil: Sie ist extrem sinnvoll, da ökonomisch sehr bedeutend (zumindest ex post)! Und an der Kennzahl "laufende Kosten" kann man hervorragend die Problematik von bestimmten Fonds erkennen (Cost matters-Hypthese; vgl. Vanguard etc.).
Schade jedenfalls, dass nicht die Gesamtsumme aus laufenden Kosten und Transaktionskosten im Informer gemäß BIB aggregiert genannt werden - auch wenn es sich teilweise (der Nicht-TER-Anteil) um Schätzungen handelt (hoffentlich handwerklich solide).
Jedenfalls wird so am Beispiel der offenen Immobilienfonds (OIFs) deutlich, warum die langfristige Zukunft dieses Konstrukts ("deutscher Sonderweg"; gescheiterte Fristentransformation; chronische Liquiditätsschwierigkeiten) kritisch zu hinterfragen ist. Daran dürften auch die neuen Liquiditätsmanagement-Tools nichts ändern. Alte Grundregel im Asset Management: Niedrige Liquidität von Assets kann man durch Verpackung nicht liquider machen. Und jede zusätzliche, künstliche Liquidität kostet den Anlegern schlichtweg Geld bzw. den Fonds Performance. Und ganz wichtig: Ein Fonds ist keine Bank! Das wird der deutsche Regulierer auch noch lernen - trotz aller neuer Liquiditätsmanagement-Tools, die ein Fondsmanager nun per Cherry Picking auswählen darf (niedrige Mindestanzahl erforderlich). Auch das hat alles Kostenimplikationen.
Am Ende des Tages muss man die "Frage aller Fragen" beantworten, warum OIFs deutscher Machart (Regulatorik) in den USA schlichtweg verboten sind... (ein Randargument sicherlich: fehlende Kostentransparenz!)
Aber vielleicht regt die Diskussion um die "laufenden Kosten" (Kostenanstieg bei hohen Turnovers der Assets bei Liquiditätsschwierigkeiten, um die gesetzlichen Liquiditätsanforderungen zu erfüllen) nun zum Denken an...