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SAP: Rakete der Woche (KW 41) — Totgesagte rechnen länger

rakete.trade
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„KI frisst Software“ — mit diesem Satz wurde SAP binnen eines Jahres fast halbiert. Seit dem Tief im Sommer hat sich die Aktie um 45 Prozent erholt, liegt aber noch immer im Minus. Die Zahlen passen nicht zum Untergang: Der Cloud-Auftragsbestand wächst um ein Viertel. Der Markt beginnt das zu bemerken.

 

Der Ausverkauf

 

Vor einem Jahr kostete eine SAP-Aktie über 240 Euro. Im Sommer 2026 waren es zeitweise nur noch 127,50 Euro. Kein Skandal, keine Gewinnwarnung, kein Absturz der Umsätze — sondern ein Satz, der durch die Märkte ging: „KI frisst Software.“

 

Die Sorge dahinter: Wenn künstliche Intelligenz in Form selbstständig arbeitender Agenten die Buchhaltung bucht, die Bestellungen auslöst und die Lagerbestände plant, braucht ein Unternehmen weniger Mitarbeiter, die vor einer SAP-Maske sitzen. Und SAP wird traditionell danach bezahlt, wie viele Menschen das System nutzen. Für Softwarehersteller mit Abo-Modell bekam das Szenario sogar einen eigenen Namen: die „SaaS-Apokalypse“.

 

Das DAX-Schwergewicht wurde daraufhin behandelt wie ein Auslaufmodell.

 

Was die Zahlen sagen

 

Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Im zweiten Quartal 2026 setzte SAP 9,9 Milliarden Euro um, 9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (11 Prozent zu konstanten Währungen). Das Cloud-Geschäft, auf das SAP seit Jahren umbaut, wuchs um 22 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro (24 Prozent).

Am wichtigsten ist eine Kennzahl, die in die Zukunft zeigt: der Cloud-Auftragsbestand, also die bereits vertraglich zugesagten Cloud-Umsätze der nächsten zwölf Monate. Er stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Zum ersten Mal seit zwei Quartalen wuchs er wieder schneller als der Cloud-Umsatz selbst — ein Zeichen, dass das Wachstum nicht abreißt, sondern sich eher beschleunigt.

 

Für das Gesamtjahr erwartet SAP Cloud-Umsätze von rund 25,8 Milliarden Euro.

Eine Schwäche gab es: Die Kosten stiegen stärker als erwartet, weil SAP selbst kräftig in KI investiert — in neue Fachleute und in Rechenleistung für die eigene Entwicklung. Der Gewinn je Aktie blieb deshalb hinter den Schätzungen zurück.

 

Warum die Angst übertrieben sein könnte

 

SAP ist kein Programm, das man mal eben austauscht. In den Systemen von SAP stecken Buchhaltung, Einkauf, Lager, Personal und Produktion eines Unternehmens — oft über Jahrzehnte gewachsen und an tausend Stellen verknüpft. Ein KI-Agent, der bestellt, bucht oder plant, braucht genau diese Daten und genau diese Prozesse. Er ersetzt das System nicht, er arbeitet darin.

SAP setzt deshalb darauf, die Agenten selbst zu liefern — als Teil der eigenen Software. Ob sich damit genauso viel verdienen lässt wie mit den heutigen Nutzerlizenzen, ist die eigentliche Frage der nächsten Jahre. Die Auftragsbücher deuten bisher darauf hin, dass die Kunden SAP diesen Weg zutrauen.

Was der Kurs sagt

 

Die Aktie steht bei 185,20 Euro. Seit dem Tief sind das 45 Prozent mehr, seit Jahresbeginn aber immer noch 11 Prozent weniger. Zum Hoch vor einem Jahr fehlen rund 25 Prozent.

 

Zeitraum Veränderung
Eine Woche +0,1 %
Ein Monat +1,9 %
Drei Monate +31,5 %
Sechs Monate +24,9 %
Seit Jahresbeginn −11,1 %
Ein Jahr −19,5 %

 

Die Analysten von Morningstar schätzen den fairen Wert auf 265 Euro und vergeben fünf von fünf Sternen. Das ist eine Einzelmeinung, aber sie zeigt, wie weit Zahlen und Kurs bei SAP in diesem Jahr auseinandergelaufen sind.

 

Einordnung

 

Dafür: ein Cloud-Auftragsbestand, der um mehr als ein Viertel wächst, ein Kerngeschäft, das tief in den Abläufen der Kunden verankert ist, und ein Kurs, der trotz Erholung noch deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegt. Der Markt hat SAP für ein Szenario bestraft, das sich in den Zahlen bisher nicht zeigt.

Dagegen: Die KI-Frage ist nicht beantwortet, nur vertagt. Die Kosten für den eigenen Umbau drücken auf den Gewinn, das klassische Wartungsgeschäft schrumpft, und eine Konjunkturdelle — etwa durch den Konflikt im Nahen Osten — würde neue Aufträge verzögern.

 

Totgesagte leben länger, sagt man. Bei SAP rechnen sie offenbar auch länger.

 

Keine Anlageberatung.

 

Was mich an der Aktie stört

 

Mich stört, dass die Angst nicht widerlegt ist, sondern nur vertagt. Wenn KI-Agenten eines Tages die Arbeit erledigen, für die heute Hunderte Mitarbeiter eine SAP-Lizenz brauchen, dann schrumpft genau das, wofür SAP bezahlt wird. Noch zeigen die Zahlen davon nichts. Aber der Markt hat einmal gezeigt, wie schnell er diese Geschichte glaubt.
Dazu: Die Kosten steigen schneller als geplant, weil SAP selbst kräftig in KI investiert. Im zweiten Quartal blieb der Gewinn je Aktie deshalb hinter den Erwartungen zurück.

 

Kennt meine Oma Frieda die Aktie?

 

Natürlich. „Die aus Walldorf, mit den Computern.“ Oma Frieda kennt SAP so, wie man Siemens oder Daimler kennt — als etwas, das immer schon da war. Was die eigentlich machen, weiß sie nicht genau. Muss sie auch nicht: Wenn an der Supermarktkasse der Bon kommt, die Rente pünktlich auf dem Konto ist und das Paket rechtzeitig ankommt, läuft dahinter mit einiger Wahrscheinlichkeit irgendwo SAP.
Dass die Aktie zwischenzeitlich fast halbiert wurde, weil Computer bald selber denken sollen, hält sie für typisch Börse. „Die haben doch selber Computer.“ Sie würde kaufen — und behalten.

1 ANTWORT

xox
Experte ★★★
503 Beiträge

Kurz in der  5 Minuten Analyse Terrine:

 

die 3 white Soldiers haben den Kurs weiter getragen.

Der Kurs müsste zu 207€ und hat dazu 12-14 Handelstage Zeit. Dann rate ich zur Vorsicht. Sollte sich dieses Szenario nicht erfüllen haben wir eine weitere Chance auf weit aus höhere Kurse.

Charttechnik wird hier ja nur belächelt aber ich gehe fest davon aus, dass eben nur diese Charttechnik das Auf und Ab der Kurse erklären kann.