(Wie sehr) wird Comstage ausschüttend?

istalix
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Hallo @SMTcomdirect,

Im Thread "ETF124 verschmilzt mit ETF060 - Risiken?" hat ein Anleger von der Comstage-Hotline erfahren, dass die Comstage versehentlich die "alten" "wesentlichen Informationen" zum ETF060 verschickt und nicht nur die beiden ETF verschmelzen, sondern auch von thesaurierenden zum ausschüttenden ETF werden.

Inzwischen gibt es auf www.comstage.de seit 1.12.2017 eine aktualisierte Produktbeschreibung und ein neues Fact-Sheet - beide weisen den ETF060 aber weiterhin als thesaurierend aus. Da die Verschmelzung mit ETF124 aber erst zum 21.12.2017 geschehen soll, könnte sich auch das ja noch schnell ändern...

Im Thread "ETF Top-Preis-Konditionen ab 2018" hat @Aktienreiter nun ebenfalls gerade von der Comstage-Hotline erfahren, dass in Q1 2018 "aus steuerlichen Gründen" alle thesaurierenden Comstage-ETFs zu Ausschüttern werden sollen.

Ich hoffe bzw. vermute, dass da nur etwas an der Hotline und in der Anlegermitteilung der Comstage durcheinander gekommen ist.
Beispielsweise stellen einige Anbieter ihre Swap-ETF zunehmend auf physische Replikation um, je nach konkreten Aktienverhältnis könnte das beim Steuerrecht ab 2018 auch hilfreich sein, um von höheren Teilfreistellungssätze zu profitieren. Möglicherweise plant die Comstage ähnliches und die Comstage-Hotline hat da "nur" etwas verwechselt.

Könntet ihr bitte mit den Comstage-Kollegen klären, ob der ETF060 nun zum Ausschütter wird (das könnte man aus der "Mitteilung an die Anteilhaber" der Comstage lesen, es wurde aber nicht explizit darauf verwiesen und widerspräche auch dem aktuellen Fact-Sheet vom 1.12.2017)?

Ferner: sollen tatsächlich in naher Zukunft bislang thesaurierende Comstage-ETF auf "ausschüttend" geändert werden?

Für diese Aussage spräche aus meiner Interpretation der Investmentsteuerreform nur folgender Punkt: thesaurierende inländisch aufgelegte Investmentfonds haben bislang die Abgeltungssteuer/Soli/Kirchensteuer direkt abgeführt, zukünftig sollen die depotführenden Stellen diese Beträge vom Anleger einziehen (ggf. auch mit Dispo...). Der Anleger kann so ggf. Freibeträge geltend machen, muss aber ggf. immer etwas Steuer-Kleingeld auf dem Verrechnungskonto halten - und der Aufwand für die depotführende Stelle wird vermutlich steigen. Möglicherweise möchte die Fondsgesellschaft ihren Partnern diesen Aufwand durch Umstellung auf "ausschüttend" ersparen (das Fondsdomizil zu verlagern wäre vermutlich weniger einfach).

Betreffen würde das aber wohl nur den einzigen thesaurierenden Comstage-ETF, dessen ISIN mit "DE" beginnt: den ETF701 (die anderen "DE"-ETF ETF9xx sind nach oberflächlicher Kontrolle bereits ausschüttend).

Eine aufklärende Recherche jenseits der widersprüchlichen Informationen und zwei möglicherweise nicht ganz korrekten Hotline-Aussagen wäre hier sehr hilfreich.

Danke!
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Hallo @istalix,  

 

auf unsere Anfrage bei Comstage haben wir folgende Auskunft erhalten. Wir zitieren:  

 

"

- Natürlich sind es keine „alten“ Anlegerinformationen zu ETF060, sondern die Aktuellen. In diesen WA (Wesentliche Anlegerinformationen*) wird der aktuelle Stand (= thesaurierend) dargestellt.

 

- Die Luxemburger Finanzaufsicht hat uns jedoch gebeten, dass wir in der Verschmelzungsinformation schon den Hinweis geben, dass beim ETF060 eine Umstellung auf „ausschüttend“ in der nahen Zukunft geplant ist. Hierzu werden die Investoren nach Genehmigung gesondert angeschrieben und über den Zeitplan informiert. Aktuell erwarten wir die Umstellung für Ende Q1/2018.

 

- Hintergrund für die Umstellung in 2018 auf „ausschüttend“ ist das neue Investmentsteuergesetz, welches ab 1.1.2018 gültig ist. Aus unserer Sicht wird die bei thesaurierenden Fonds anfallende Vorabpauschale bei den meisten Anleger zu einem erheblich bürokratischen Aufwand führen.

 

- Es ist geplant, im Q1/2018 sämtliche ComStage ETFs von „thesauriend“ auf „ausschüttend“ umzustellen. Dies wird nicht nur den ETF701 betreffen, sondern auch sämtliche LU-Fonds. So jedenfalls die aktuelle Planung. - Die indirekt replizierenden ComStage ETFs auf einen „long“ Aktienindex werden allesamt eine steuerliche Klassifikation als „Aktienfonds“ aufweisen. Detaillierte Informationen sind auf http://www.comstage.de unter Eingabe der WKN im Feld „Fondstyp nach InvStG“ zu finden.  

 

"  

 

Ich hoffe, dass deine Fragen damit umfänglich beantwortet sind.  

 

Gruß aus Quickborn

Erik

 

* Anmerkung von mir


Der gute Ton macht die Musik. Wie im Leben, so in der Community.
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istalix
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Danke für die Recherche und die ausführliche Antwort, @SMT_Erik!
Bushfeind
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Guten Tag,

 

ist dieser Schritt auf ausschüttende Erträge in Stein gemeißelt und unabwendbar? Das fände ich sehr bedauerlich, denn gerade der durch die Thesaurierung entstehende steuerliche Vorteil hat mich damals (erst danach kamen die günstige TER und das gute Tracking) von Comstage überzeugt und deren Abschaffung würde nun zu der Veräußerung sämtlicher meiner Comstage ETFs führen.

 

Im Übrigen finde ich die Begründung ("Aus unserer Sicht wird die bei thesaurierenden Fonds anfallende Vorabpauschale bei den meisten Anleger zu einem erheblich bürokratischen Aufwand führen.") etwas hanebüchen. Das erneute Anlegen der ausgeschütteten Erträge für jeden einzelnen ETF ist deutlich aufwändiger und viel kostenintesiver als einmal im Jahr für das gesamte Depot Cash für die Besteuerung der Vorabpauschalen vorzuhalten. Es verwundert mich, dass Sie glauben solche Kunden zu haben, oder diese es tatsächlich so sehen, dass diese nun neu entstehenden Nachteile plus die steuerlichen Nachteile nicht viel gravierender sein werden im Vergleich zu dem "erheblich[en] bürokratischen Aufwand", aktuell unter 1% der gesamten ETF-Anlage am Jahresanfang in Cash zu haben...

 

MfG

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@Bushfeind, ich befürchte, du bist hier ein bißchen an der falschen Adresse. Deine Fragen und Anregungen richten sich ja eher an Comstage.

Wie es klingt, hat Comstage sich aber schon entschieden. Das wird sicher nicht ohne ausführliche interne Diskussion und Rücksprache mit (Groß-)Kunden abgelaufen sein; insofern ist es unwahrscheinlich, daß sie sich noch umstimmen lassen.

Wegen eines eventuellen Umstiegs auf andere Fonds würde ich noch abwarten. Es scheint mir nämlich nicht abwegig, daß auch andere Gesellschaften schon eine solche Umstellung planen oder zumindest erwägen.
istalix
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Ich kann dir nur zustimmen, @chi - ergänze aber gern noch um ein paar weitere Aspekte. Auch ich halte die Erklärung zur "Bürokratie für den Anleger" ein vorgeschobenes Argument und sehe darin eher "Bürokratie für den Broker" (=der direkte Kunde von Comstage).

 

Im Grundprinzip zahlt man seine Steuern nach der Investmentsteuerreform nur "anders". Neben der steuerlichen Korrektur im Handling ausländischer Fonds wird das dann fürs Finanzamt transparenter/einfacher, für Fondsgesellschaft und Depotbank hat es aber mehr Auswirkungen.

 

Bei ausschüttenden Fonds hat bislang die Fondsgesellschaft die Erträge "unversteuert" an den Broker (=Comdirect) weitergeleitet, damit dieser dann eventuelle Freistellungsaufträge anrechnet und die anfallenden Steuern im Namen des Kunden abführt.

 

Bei thesaurierenden Fonds hatte bislang die Fondsgesellschaft die Steuern abgeführt. Bei inländischen und ausländischen Fondsgesellschaften lief das jeweils ein wenig unterschiedlich, war mit etwas Bürokratie und Daten-Weiterleiten verbunden. Der Anleger bekam davon aber direkt nichts mit (nur als Zeile auf der Steuerbescheinigung) und nahm ggf. auch an, dass diese Erträge gar nicht versteuert würden (was so nicht korrekt ist).

 

Ab 2019 wird (für das Steuerjahr 2018) die Besteuerung thesaurierender Fonds so geändert, dass die Steuern für den Vorjahresertrag nicht mehr von der Fondsgesellschaft, sondern "vom Anleger selbst" zu zahlen sind, d.h. die depotführende Bank (=Comdirect) soll diese Erträge einziehen und als Steuer abführen.

 

Aus Sicht der Depotbanken ist das eine Variante ausschüttender Fonds, bei der dem Anleger letztlich 0 EUR Ertrag ausgezahlt werden (der Ertrag thesauriert ja im Fonds), für den Anleger aber die Steuern abzuführen sind. Nach dem Gesetztestext soll die Bank allerdings auch von allen anderen EInlagenkonten inklusive Ausschöpfen eines Dispo- oder Überziehungskredits die Steuern einziehen. Erst, wenn auch diese Kreditlinien des Anlegers ausgeschöpft sind, darf die Bank die säumigen Steuern dem Finanzamt melden.

 

Jetzt kann man sich verschiedene Situationen vorstellen, in denen das für Anleger und Depotbank maximal unbequem werden kann.

 

Im Extremfall hat ein "schlafender" Anleger etwa bei einem Onlinebroker ohne weitere Bankleistungen eine Einmalanlage aus thesaurierenden Fonds gemacht. Das Depot ist kostenlos geführt, das Verrechnungskonto leer. Da er diese Fonds erst in Jahrzehnten verkaufen möchte und bislang von "Steuern fallen ja erst beim Verkauf an" ausging, hat er auch keinen Freistellungsauftrag eingereicht (oder: eventuell reicht der Freistellungsauftrag nicht).

 

Aus den Erträgen der Fonds fallen im Januar 2019 Steuern an, die die Depotbank "für den Kunden" abführen soll: "gesetzlich verpflichtet" gerät so das leere Verrechnungskonto ins Minus und die Bank wird dafür Zinsen erheben, was auch die Gesamtrendite seines Depots deutlich reduzieren oder sogar negativ werden lassen kann. Der Anleger wird ziemlich sauer sein, die Depotbank hat (gesetzlich verpflichtet) aber keine großartig andere Wahl.

Die Depotbank könnte das Risiko reduzieren, wenn sie alle Kreditlinien von Verrechnungskonten auf Null setzt, damit alle säumigen Steuern aus übermäßig thesaurierenden Depots direkt ans Finanzamt geschickt werden und das Finanzamt diese (mit Zinsen) eintreibt. Bereits die Reduktion der Kreditlinie kommt bei vielen Anlegern nicht positiv an ("bin ich etwa nicht mehr kreditwürdig?"), aber auch die Finanzämter werden sich so einem Outsourcing nicht willkommen heißen.

 

Stellt nun eine Fondsgesellschaft einen Teil ihrer thesaurierenden Fonds auf ausschüttend um, werden den Verrechnungskonten der Anleger (versteuerte) Erträge zufließen, aus denen auch die Steuern thesaurierender Fonds gezahlt werden können. 

 

Die Depotbank kann dem Anleger regelmäßig eine gute Nachricht ("Ausschüttung, es gibt Geld!") schicken und hat gleichzeitig das Anlegerkapital, um die Steuern abzuführen. Das Finanzamt hat keinen Stress mit dem Eintreiben von Steuern, die Fondsgesellschaft hat weniger Steuerarbeit zu leisten.

 

Soweit meine (nicht ganz unplausible) Theorie. Comstage hat bereits im letzten Jahr eine Reihe von ETF auf ausschüttend umgestellt und so vielleicht etwas die Anlegerreaktion "getestet". Thesaurierende Fonds sind z.B. im Ausland weniger verbreitet, von daher ist es auch eine gewisse Marktanpassung.

 

Für mich persönlich ist es gut, wenn möglichst viel von meinem Depot identisch behandelt werden kann. Wenn ich wenige Ausschütter habe, sammelt sich nur Kleingeld auf dem Konto an, das für sich kaum gut angelegt werden kann.

 

Ich habe viel in Comstage-ETF, und wenn diese nun mehr oder weniger gemeinsam umgestellt werden, kann ich mich damit gut arrangieren und die Ausschüttungen sind dann hoffentlich groß genug, um eben ein-zweimal im Jahr gezielt reinvestieren (oder im Alter als zusätzliches Einkommen verbucht zu werden). Von daher habe ich nichts gegen eine allgemeine Umstellung der Comstage, sie kommt mir sogar fast schon gut gelegen.