Leoni AG - übersehe ich was?

Kelevra
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Irgendwie werd ich daraus nicht so ganz schlau... Klar der Autosektor leidet derzeit schon ziemlich und Leoni ist betroffen, aber wenn ich mir mal folgende Unternehmensmeldung anschaue:

 

"Sechs-Monats-Umsatz erreicht mit 2,7 Mrd. Euro neuen Höchstwert - Bereinigtes EBIT steigt trotz höherem F&E-Aufwand auf 128 Mio. Euro - Umsatzprognose für 2018 auf mindestens 5,1 Mrd. Euro angehoben."

 

"Dank des anhaltend lebhaften Geschäfts mit Bordnetz-Systemen, Kabelsätzen und Spezialleitungen für die Automobilindustrie erhöhte sich der Konzernumsatz von April bis Juni um 7 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro (Q2/2017: 1,2 Mrd. Euro). Aus eigener Kraft wuchs das Unternehmen um 9 Prozent. In den ersten sechs Monaten nahm der Konzernumsatz um 8 Prozent auf einen neuen Halbjahreshöchstwert von 2,7 Mrd. Euro zu (H1/2017: 2,5 Mrd. Euro). Damit lag die Umsatzentwicklung im bisherigen Jahresverlauf leicht über den Erwartungen."

 

5,1 Mrd € Umsatz - knapp 250 Mio € bereinigtes EBIT und somit Marge von 4,8%.

Dem gegenübergestellt ein Börsenwert von knapp 1,23 Mrd €.

Ein KGV von knapp 8,1 (lieg ich da richtig?).

 

Das Unternehmen zahlt auf derzeitigem Kurs auch eine schöne Dividende von knapp 3,8%.

 

Kann mir bitte jemand auf die Sprünge helfen? Wenn ich das zusammenfassend so sehe, finde ich keinerlei Gründe warum eine langfristige Investition in Leoni ein Fehler sein könnte. Die Produkte werden weiterhin gebraucht und die Umsätze steigen recht solide von Jahr zu Jahr.

 

Bitte helft mir auf die Sprünge, hier gibt es ja massig Börsengurus Smiley (fröhlich)

 

Grüße

15 ANTWORTEN
SparSchwabe
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Hallo @Kelevra.

Ich habe mich auch schon mit der Aktie befasst und @nmh nach seiner Meinung dazu gefragt.

Momentan sind Automobilwerte nicht gerade die Aktien die sehr gut laufen.  Europäische Aktien laufen im Gegensatz zu denen aus USA gerade generell eher schlecht.

Wieso sollte Leoni jetzt gerade anfangen zu steigen? Klar das Unternehmen ansich ist nicht schlecht. Aber leider gibt es keinen Grund dass die Aktie jetzt auf einmal steigen soll. Elektroautos und vernetzte Fahrzeuge werden jetzt doch auch schon gebaut. Wieso sinkt die Aktie dann trotzdem?

 

Aktien die fallen soll man nicht kaufen (Schau mal in der Suche nach Tieffliegern/ ins fallende Messer greifen...). Kaufen sollte man Aktien im Aufwärtstrend.

 

Grüße

Kelevra
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Die Tiefflieger-Theorie ist mir bekannt und ich sehe das ähnlich, allerdings finde ich, dass Ausnahmen die Regel bestätigen Smiley (fröhlich)

 

Ich rede bei Leoni bewusst von langfristig. Ich kann mir bei den Zahlen und Fakten auf lange Sicht nicht vorstellen, dass Leoni dieses Level halten wird und würde mich gerne eines besseren belehren lassen (Trends mal außen vor)  

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@Kelevra: Das fragen sich ja gerade viele, ob „der Markt“ in den Geschäftszahlen ein verstecktes riesiges Problem erkannt oder ob er schlicht überreagiert hat.

 

Die Unternehmensmitteilung ist natürlich PR und versucht, die Zahlen in möglichst gutem Licht darzustellen. Es kommt für die Kursentwicklung auch nicht unmittelbar auf den Vergleich mit dem Vorjahr oder Vorquartal an, sondern auf den Vergleich mit den erwarteten Werten, die schon eingepreist waren. Und es wird nach ungünstigen (Teil-)Entwicklungen geschaut.

 

Beispielsweise ist die Umsatzprognose zwar erhöht worden, das liegt aber vor allem am gestiegenen Kupferpreis, ist also kein echter Fortschritt. Und die Kabelsparte hat kein gutes Ergebnis erzielt, auch wenn das auf Konzernebene durch die Bordnetze ausgeglichen wurde.

 

Entsprechend haben auch die Analysten überwiegend ihre Kursziele gesenkt. Nur eben nicht so drastisch, wie der Kurs selbst reagiert hat. Und damit sind wir wieder bei der Ausgangsfrage.

 

Persönlich habe ich mich übrigens für die Deutung „Übertreibung“ entschieden und nachgekauft – also „in das fallende Messer gegriffen“. Ob ich es am Griff oder an der Klinge erwischt habe, muß sich noch herausstellen.

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Die Zahlen sehen auf den ersten Blick toll aus, im historischen Gesamtbild ist die ausgedehnte Seitwärtsphase der letzten Jahre aber nicht so verwunderlich. Der Gewinn von 2017 bzw. 2018 steht etwa auf demselben Niveau wie 2011 bereits. Danach ging es stetig abwärts, bis 2016 fast die Nullgrenze erreicht war. Der Anstieg 2017 erscheint deshalb besonders stark, ist im Grunde aber nur eine Rückkehr zu alten Höhen.

Zudem sind seit 2011 die kurzfristigen Schulden wesentlich schneller gewachsen als die Cashbestände bzw. das Umlaufvermögen. Die Lage ist hier aus meiner Sicht keineswegs problematisch, in einer plötzlichen Krise ist der finanzielle Spielraum nur im Vergleich kleiner geworden.

Bei der Bewertung komme ich sogar auf ein aktuelles KGV von nur 7,1. Das geglättete KGV über die letzten 5 Jahre ist historisch auch sehr niedrig, ebenso wie das KBV. Rein von den Zahlen her bin ich also geneigt, euch zuzustimmen, dass Leonie aktuell eher günstig als teuer bewertet ist.

 

Viele Grüße

Weinlese

Kelevra
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Echt selten eine Community gesehen, in der so sinnvoll diskutiert wird  Smiley (fröhlich)

 

Allerdings wurde ich noch durch nichts davon abgebracht, hier einen Teil meines Geldes zu investieren und ich glaube weiterhin, dass es schlechtere Tiefflieger gibt (die man ja auch ab und zu mal auffangen kann und ein kleiner Teil eines Depots sein dürfen).

 

Allerdings werde ich noch ein paar Tage beobachten, bevor ich einsteige.

Pfoisch
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Ein durchaus interessanter Nebenaspekt wurde hier noch gar nicht thematisiert.

 

Der CFO Gadesmann kam vor knapp 2 Jahren und ist seit Jahresanfang kommissarisch in Personalunion CEO bis der neue CEO Aldo Kamper spätestens zum 1.10.18 kommt (von Osram). Die beiden werden das neue starke Team an der Unternehmensspitze sein.

 

Zu den ungeschriebenen Usancen gehört, bisweilen die Zahlen vor der Personalneuaufstellung im Zweifel etwas bescheidener zu präsentieren als möglich. Klar: die neue Führung soll ja Erfolge aufweisen können, indem geraume Zeit nach Amtsantritt nachweisbar vorteilhafte Zahlen verglichen mit der Zeit vor Ihnen vorgelegt werden.

Ich gehe davon aus, dass Kamper bereits jetzt in engen Kontakt zu Leoni steht..

 

Shortseller sind zur Zeit auch in der Aktie drin, was einen einerseits skeptisch machen sollte; andererseits müssen sie sich auch irgendwann wieder eindecken. Wesentlich zuversichtlicher sollte es einen stimmen, dass Mitte August Insiderkäufe durch Interims-CEO Gadesmann und den Aufsichtsratschef Probst gemeldet wurden.

 

Alles in allem überwiegt für mich das Chance-Risiko-Verhältnis, vor allem gestützt durch diese soften Fakten, und ich habe auch entsprechend gehandelt. Trotzdem bleibt das Zusammensetzen dieser Mosaiksteinchen Spekulation. Also ohne Gewähr!

Experte ★★★
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@Pfoisch  schrieb:

Wesentlich zuversichtlicher sollte es einen stimmen, dass Mitte August Insiderkäufe durch Interims-CEO Gadesmann und den Aufsichtsratschef Probst gemeldet wurden.


Probst hat am Freitag noch einmal 10000 Aktien nachgekauft.

Pfoisch
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@chi  schrieb:


Probst hat am Freitag noch einmal 10000 Aktien nachgekauft.


Damit ist zunächst nur bewiesen, dass Probst kein nmh-Jünger ist!

 

Ob es Sturheit oder Überzeugung ist, werden wir erst später wissen.
Ich selbst werde derzeit bei Autofirmen oder Zulieferern nichts mehr verkaufen (bin glücklicherweise nur sehr sehr klein investiert) oder kaufen. Das Segment ist zunehmend in der Orientierungsphase für die Zukunft mit ungewissen Entwicklungen, meine ich.

 

Meine Einschätzung von Leoni ist inzwischen auch orientierungslos. Anfänglich glaubte ich der Kursrückgang sei ein Ausrutscher. Aber nun tauchen auch Stimmen auf, dass E-Autos weniger Kabel brauchen als vermutet (bei Teslas wurde wohl mal nachgemessen). Das Gegenteil habe ich vorher immer gehört. Da ich kein Elektroingenieur bin, kann ich es nicht beurteilen. Wenn man etwas nicht beurteilen kann, sollte man sich an die Seitenlinie stellen und beobachten, meine ich wiederum

Kelevra
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Ich hab das ganze ja auch weiterhin im Blick, hab jetzt aber erstmal für mich selbst entschieden, nichts zu unternehmen. Sollte sie noch weiter fallen und einen wirklich soliden Boden bilden, werde ich erneut überlegen.