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Rückblick: So lief das comdirect Finanzbarcamp 2017

Gastautor

Am 10. November fand das dritte comdirect Finanzbarcamp statt. Rund 150 Teilnehmer diskutierten einen Tag lang über die Zukunft der Geldanlage – darunter Vertreter von Banken und Fintechs, Blogger und Privatanleger. Unterstützt wurde das Finanzbarcamp vom Finanzportal kritische-anleger.de. Im Gastbeitrag schildert dessen Chefredakteur Stefan Erlich seine Eindrücke von der Veranstaltung.

 

 

 „Seit fast sechs Jahren leite ich nun die Redaktion des Vergleichs- und Bewertungsportals Kritische-Anleger.de. Dabei war für mich Ende 2011 bei der Gründung klar: „Es muss ein Online-Portal sein, ohne klassische analoge Kanäle und auf Papier gedruckte Worte!“ Warum? Ich persönlich fühle mich in der Online-Welt wohler und kann über digitale Kanäle viel einfacher eine große Leserschaft erreichen, zu deutlich geringeren Kosten.

 

Autor Stefan Erlich (Mitte) im Gespräch mir weiteren Teilnehmern des comdirect FinanzbarcampsAutor Stefan Erlich (Mitte) im Gespräch mir weiteren Teilnehmern des comdirect Finanzbarcamps

 Über die Jahre hat sich meine Sichtweise jedoch etwas geändert. Ich möchte Kritische-Anleger.de weiterhin in der Online-Welt belassen, allerdings hier und da durch Offline-Events und persönliche Treffen mit Lesern ergänzen, denn auch 1.000 E-Mails und Online-Umfragen ersetzen nicht das persönliche Gespräch, in dem Mimik und Gestik Dinge kommunizieren, die man nicht in Worte fassen kann.

 

Umso mehr freute uns dann, dass sich die Möglichkeit ergab, das Finanzbarcamp der comdirect zu unterstützen. Wir merkten schnell, dass die Partnerschaft einfach passte und wir durch Reichweite und Kontakte auch etwas beitragen konnten.

 

Vorhang auf zum Finanzbarcamp 2017

 

Und dann war es soweit: Am 10.11.2017 fanden sich fast 150 Teilnehmer im betahaus Hamburg ein, um über die Zukunft der Geldanlage zu diskutieren. Mit dabei: zahlreiche Finanzblogger wie der Finanzwesir, Madame Moneypenny, der Finanzrocker und die Beziehungs-Investoren, die sowohl im Rahmen des Finanzbarcamps als auch dem anschließenden finanzblog award eine Rolle spielen sollten.

 

Bei einem Barcamp steht der gemeinsame Austausch im VordergrundBei einem Barcamp steht der gemeinsame Austausch im VordergrundMan merkte schnell, dass dieses Jahr etwas anders war: mehr Privatanleger und Hobby-Investoren, weniger FinTechies und Banker. Das war mir wichtig, denn noch eine FinTech-Veranstaltung, bei der sich FinTech-Mitarbeiter gegenseitig auf die Schultern klopfen, braucht kein Mensch. FinTech ist aus meiner Sicht kein Selbstzweck, sondern sollte für und mit denjenigen gemacht werden, die die Produkte nutzen: die Anleger! Nur leider werden die häufig gar nicht erst eingeladen.

 

Bei der Session-Planung zeigte sich der gute Mix im Publikum. Da ging es (natürlich) ums passive Investieren, die hoch gehypten Initial Coin Offerings (ICOs), Crowdinvesting, die Suche nach dem „nächsten großen Ding“ im Bereich Geldanlage und um fast schon philosophische Fragen wie „Geht es an den Märkten wirklich immer bergauf?“ Dazwischen fanden sich Sessions, in denen die Anleger-Psychoanalyse auf der Agenda stand, Fragen zur Geldanlage in Beziehungen beantwortet wurden und Kryptowährungen mit Artificial Intelligence (sorry, AI) zur perfekten App verschmolzen werden sollten. Ok, letzteres habe ich mir ausgedacht, aber die Buzzwords sind auf jeden Fall gefallen, inklusive folgendem: Digitalisierung!

 

In dem Kontext frage ich mich immer wieder, wo die Leute die letzten 30 Jahre verbracht haben. Wer heute über „Digitalisierung“ redet, surft wahrscheinlich noch mit einem 56k Modem durchs Internet. Ist Digitalisierung nicht schon längst passiert?!

 

 

Die Ergebnisse der "Psycho-Stunde" mit Albert Warnecke, grafisch festgehalten in einer SketchnoteDie Ergebnisse der "Psycho-Stunde" mit Albert Warnecke, grafisch festgehalten in einer SketchnoteDa ich selber drei Themen vorgeschlagen hatte, konnte ich leider nur eine Session von anderen Teilnehmern besuchen. Dabei fiel meine Wahl auf die Psycho-Stunde mit Albert Warnecke (Der Finanzwesir). Ich persönlich mag das Thema, weil es so grundlegend und wichtig für den Anlageerfolg ist, aber nur selten thematisiert wird. Die Session war geprägt von einem regen Austausch und man hätte noch eine weitere Stunde diskutieren können, ohne zu einem Konsens zu kommen.

 

Genau das macht das Thema aber so spannend, denn es gibt die eine Wahrheit nicht. Finanzmärkte sind hoch komplexe und dynamische Systeme, die auf unsere unvollkommenen Gehirne treffen. Da gibt es viel Potential für Fehltritte und Missverständnisse. Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich das Buch „Thinking, Fast & Slow“ von Daniel Kahneman zu Gemüte führen - und am besten beim nächsten Finanzbarcamp als Thema vorschlagen.

 

Meine letzte Session drehte sich dann um das Thema Fremdwährungen. Ich hatte sie selbst vorgeschlagen, aber ehrlich gesagt keine Ahnung davon. Meine Hoffnung war: Ein weiser Experte beteilige sich und kläre uns unmündige Anleger auf.

 

Am Ende fanden wir uns zu fünft in einem Raum wieder und diskutierten frei über Fremdwährungskonten, Auslandsdepots, Afrika als „the next big boom economy“, ethische Probleme bei der Geldanlage und am Ende irgendwie auch über die Sinnhaftigkeit der Selbständigkeit von Rentnern. Fragen Sie mich nicht, wie wir dahin gekommen sind. Auch das ist ein Barcamp: der freie Diskurs mit offenem Ausgang! Ich fand es super und meine Mitstreiter scheinbar auch, denn am Ende schmunzelten wir gemeinsam über den unerwarteten Themenschluss bei afrikanischen Diamantenminen und deutschen Rentnern.

 

Vom Barcamp zur Fuck-up-Night zum finanzblog award

 

Nach insgesamt vier Sessions, unzähligen Gesprächen, Kaffees, Franzbrötchen (danke liebe comdirect!) und einem ordentlichen Mittagessen spürte ich den Tag schon in meinen Knochen. Doch es sollte weitergehen, mit einer Art Fuck-Up-Night zum Thema Geldanlage. Daniel Korth (Der Finanzrocker), Natascha Wegelin (Madame Moneypenny), Bastian Glasser (Talerbox) und Albert Warnecke (Der Finanzwesir) präsentierten ihre größten Geldanlage-Fehler.

 

Dabei merkte man schnell: Provisionen und falsche Berater spielten bei allen eine große Rolle. Die versenkten Beträge waren stattlich und noch immer kommt der ein oder andere nicht aus den alten Verträgen heraus. Diese Altlasten kennt wahrscheinlich jeder, der schon etwas länger Geld anlegt. Der klare Rat: Nehmt das Thema in die eigene Hand oder vertraut euch einem unabhängigen Honorarberater an.

 

Konfetti zum Abschluss: Die Gewinner des comdirect finanzblog awardsKonfetti zum Abschluss: Die Gewinner des comdirect finanzblog awardsEs folgte die Verleihung des comdirect finanzblog awards mit viel Glitter und Tam-Tam. Anders als bei den Oscars wurden hier die richtigen Umschläge und Sieger vorgelesen, was nicht nur die Organisatoren freute, sondern vor allem die Gewinner.

 

Dazu gehören: Madame Moneypenny (1. Platz), Der Finanzrocker (2. Platz), Der Makronom (3. Platz), Die Kleingeldhelden (Sonderpreis) und Finanztip (Publikumspreis). Herzlichen Glückwunsch an alle! Ihr habt euch die gläserne comdirect-finanzblog-award-Skulptur und das zugehörige Preisgeld absolut verdient!

 

Ich kann als Jurymitglied so viel aus dem Nähkästchen plaudern, dass die Wahl aus fast 80 Blogs kein Zuckerschlecken war. Mit viel Kaffee und einer Late-Night-Session konnte ich aus der Bewerberliste dann doch meine Favoriten finden und im Call mit den anderen Jury-Mitgliedern diskutieren. Ein guter Kompromiss wurde nach langem Hin und Her gefunden und der Rest ist nun Geschichte.

 

Die Zukunft der Geldanlage ist ...

 

… ungewiss. So viel ist für mich nach dem Finanzbarcamp wieder klar. Aber das ist auch das Schöne an der Sache, denn die Themen und Diskussionspunkte werden uns wahrscheinlich nie ausgehen. Mir hat das Event in Hamburg sehr viel Spaß gemacht und ich ziehe für uns als Redaktion von Kritische-Anleger.de ein positives Fazit. Vielen Lesern, die für mich bisher nur E-Mail-Adressen waren, kann ich jetzt ein Gesicht zuordnen. Das ist für mich vor allem ein menschlicher Gewinn, den ich sehr schätze und gerne weiter ausbauen möchte. Vielleicht bei einem Finanzbarcamp 2018?"

 

Hier gibt es weitere Eindrücke vom comdirect Finanzbarcamp:

 

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