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Mit tritra aus Anlagefehlern lernen

Gastautor

Manuel, du bist vor Kurzem mit tritra in die comdirect Start-up Garage eingezogen. Wofür steht tritra?

 

Manuel: Das werden wir oft gefragt, weil im deutschsprachigen Raum manchmal der Kasperl assoziiert wird. Aber darum geht’s natürlich nicht. tritra steht für tri-trade. Investoren, die sich eigenverantwortlich um ihr Portfolio kümmern, sollten mindestens drei Aspekte dabei berücksichtigen: Erstens einen Plan beim Investieren haben. Zweitens die Emotionen in den Griff bekommen und sich nicht zu stark davon leiten lassen. Und drittens sich ständig reflektieren und weiterentwickeln – ganz so, wie es das Börsenumfeld auch täglich macht. Bei diesen drei Stellschrauben für den Börsenerfolg will tritra ein verlässlicher, mobiler Coach sein.

 

Was genau macht tritra? Oder genauer: Wo möchte tritra hin, was ist das Ziel?

 

Christian: Wir wollen die Selbstentscheider dabei unterstützen, über sich selbst und die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden, zu reflektieren. Dazu bieten wir über die App unterschiedliche Tools an, die dabei helfen, das eigene Anlage-Verhalten zu dokumentieren, zu planen und zu evaluieren. Wir umschreiben tritra gerne als interaktives, intelligentes, mobiles Tagebuch. Es ist stylish und macht auch Spaß.

 

Und wo steht ihr heute mit eurem Konzept?

 

Manuel: Wir sind konzeptionell sehr weit. Wir haben sicherlich kein Problem, in Visionen zu denken (lacht). Technisch ziehen wir schrittweise nach und haben aktuell eine passable Version für das iPhone mit Minimal-Funktionen. Das bedeutet, dass uns iPhone Nutzer schon mit ersten Funktionalitäten testen können. Die Android Lösung wird erst im kommenden Jahr verfügbar sein.

 

Christian: Wir haben aber auch gesehen, dass uns noch die Einstiegsdroge für unsere Anwendung fehlt, denn wir behaupten ja nicht, dass wir gescheiter sind als der Markt oder durch magische Fähigkeiten wüssten, wie sich die Kurse entwickeln. Wir geben somit kein illusorisches Heilsversprechen ab, wie es manch andere heute im Markt tun, sondern positionieren uns als Coach und Partner der Investoren. Wir müssen somit gleich beim ersten Kennenlernen von tritra unseren Nutzern Erfolgserlebnisse bieten, die Lust auf „mehr“ machen. Wir benötigen etwas Motivierendes – einen Beweis –, dass man aus seinen eigenen Fehlern lernen kann und demnach den Ertrag seines Portfolios optimieren kann. Dann sind die User auch bereit, ein digitales Tagebuch zu führen und auf unsere hilfreichen Fragen zu antworten.

 

Und was genau entwickelt ihr in der comdirect Start-up Garage?

 

Manuel: Wir arbeiten gerade daran, dass man mit unserem Tool die bisherigen Trades auch aus einer verhaltensbezogenen Perspektive betrachten kann. Was wir suchen sind Muster in den Trades, die auf ein verhaltensbezogenes Bias, also eine verzerrte Wahrnehmung, hinweisen. Dafür stehen anonyme Transaktionsdaten von rund 10.000 Online-Broker-Kunden zur Verfügung. Eine ideale Basis, um akademische Forschungsergebnisse auf die Nachweisbarkeit in realen Accounts zu untersuchen.

 

Wie kann so ein Bias aussehen?

 

Manuel: Konkretes Beispiel: Ich prüfe gerade, ob ich anhand der Trades „Loss Aversion“ nachweisen kann. Ich will zeigen, dass es bei vielen Menschen die Tendenz gibt, Gewinne zu schnell glatt zu stellen, Verlustpositionen hingegen laufen zu lassen. Psychologisch liegt hier eine ganz natürliche Aversion, sich Fehler eingestehen zu müssen und die Angst, erzielte Gewinne zu verlieren, zugrunde. Wenn wir das eindeutig aufzeigen können, verbessern wir die Erträge der Investoren.

 

Wie kann man an diesen hinderlichen Emotionen arbeiten? Sind die Investoren dazu überhaupt bereit?

 

Manuel: Auch Selbstentscheider, die ja per se selbstbewusste Investoren sind, nehmen Unterstützung gern an, wenn sie dabei nicht „das Gesicht verlieren“. Da ist eine App perfekt, denn sie ist unaufdringlich und macht ja eigentlich nur, was der Nutzer will. Gleichzeitig gibt es kaum ein Feld, das so stark zum Lernen und Reflektieren motiviert wie der Gewinn oder Verlust des eigenen Kapitals. Wer Geldentscheidungen meistert, lernt auch viel über sich.

 

Neue Schlagworte in dem Zusammenhang sind sicherlich Gamification und Nudging. Was steckt hinter diesen Begriffen und wie wollt ihr das nutzen, um die Trader erfolgreich zu begleiten?

 

Christian: Vor allem der letztjährige Nobelpreis an Richard Thaler hat die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Konzeptes „Homo Oeconomicus“ erneut in die Schlagzeilen gebracht. Menschen sind eben auch emotional und nicht nur rational agierend. Bei Thaler geht es vor allem um die Frage, wie man Menschen durch positive Anreize dabei unterstützen kann, das eigenen Verhalten in gewünschte Richtungen zu lenken. Kleine Erinnerungen und Anstöße – Nudges - sollen dabei helfen, den richtigen Pfad einzuschlagen. Genau das wollen wir mit tritra erreichen. Wir wollen als aktiver Coach an der Seite der Investoren stehen und erstmals den Menschen wirklich in den Mittelpunkt rücken; nicht Portfolios, Produkte oder Kennzahlen, sondern das Individuum. Den Menschen zu verstehen und zu unterstützen, das ist der Weg in die Zukunft des Investierens…

 

Und was plant ihr darüber hinaus?

 

Christian: Wie schon eingangs erwähnt, unterstützen wir die Trader ja in drei Punkten. Ich persönlich bin ein großer Fan von unserem Strategy Coach. Jedes Mal, wenn man ein Wertpapier ordert, hat man hier die Möglichkeit, die Beweggründe, die Ziele für das Investment abzuspeichern und wird dann – anders als bei einem klassischen Tagebuch – zeitgerecht an die eigenen Ideen erinnert. Man definiert nicht nur den angestrebten Gewinn und die eigene Verlustbereitschaft, sondern auch die geplante Haltedauer und die dahinterliegenden Motive. Über die Zeit kann man so sehr viel über die eigene Prognosequalität lernen und erkennen, wodurch man sich in seinen Entscheidungen leiten lässt. Den Coach haben wir schon fertig und freuen uns über Feedback der Testuser, das uns hilft, die Funktionalität und die User Experience zu verbessern.

tritra Strategy Coach.pngtritra Strategy Coach 

Ihr beide seid ja eigentlich für die österreichische Beratungsboutique emotion banking tätig, die Unternehmen aus der Finanzbranche im Wandel begleitet. Warum habt ihr tritra als separates Unternehmen ins Leben gerufen?

 

Manuel: Mir war es wichtig, dass ich den Raum habe, meine eigenen Ideen einzubringen. Und da Christian ja schon seit 20 Jahren erfolgreich mit emotion banking tätig ist, wollte ich die Chance haben, mit ihm gemeinsam auf Augenhöhe zu arbeiten und die Entwicklung maßgeblich mitgestalten.

 

Christian: Und mir war es wichtig, ohne Historie bzw. vorhandene Rahmenbedingungen neu auf der „grünen Wiese“ zu starten. Wobei wir natürlich sehr eng mit emotion banking zusammenarbeiten – da gibt es viele Synergien, die hilfreich sind und ich hätte auch nicht mehr die Lust darauf gehabt, wirklich alles neu aufzusetzen. Anderseits haben mich bei dieser Neugründung schon einige Dinge mehr beschäftigt als gedacht.

 

Kannst du uns da was Konkretes verraten?

 

Christian: Ich habe mein Denken stark verändert. Ich komme aus einer „Wasserfall-Welt“ und habe recht spät die Kraft und Dynamik der agilen Methodik für uns entdeckt. Da haben wir schon ein paar Meter umsonst gedreht…

 

Also ist tritra auch ein Coach für euch. Man lernt eben nie aus…

 

Manuel: Das ist richtig. Und wenn die Lernerfolge am Ende auch sichtbar sind, motiviert das ungemein.

 

In diesem Sinne: Euch viel Erfolg und Danke für das Gespräch.

 

Weitere Informationen zu tritra: https://tritra.eu/

 

Dr. Christian Rauscher beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Themen rund um das strategische Management. Er ist bei regionalen Finanzinstituten ebenso „zu Hause“ wie bei internationalen Konzernen. Er gilt als Vor- und Querdenker, Impulsgeber und erfahrener Consultant. Kunden profitieren von einem Know-how aus über 200.000 Mitarbeiter- sowie rund 2.200.000 Kundenanalysen, von Expertenwissen und der langjährigen praxisnahen Erfahrung.

 

Manuel Knopf hat Erfahrung in der strategischen Beratung von Banken sowie im Bereich der Marktforschung gesammelt. In der beratenden Rolle steht die Arbeit in agilen Projekten bei der Umsetzung von modernen Banking-Apps im Vordergrund. Aber auch die Entwicklung individueller Softwarelösungen gehört zu seinen Fähigkeiten. Zum Beispiel ermöglicht ein erstellter Algorithmus zum automatischen Auswerten großer Mengen an Textantworten eine effizientere Marktforschung. Dem Thema Behavioral Finance widmet er sich privat wie auch beruflich seit zehn Jahren.

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